Über­win­tern­de Stör­che – Bür­ger sind besorgt

Mit umge­stell­tem Spei­se­plan macht den Stör­chen die Käl­te nichts aus

In den letz­ten Tagen und Wochen wer­den immer wie­der Weiß­stör­che beob­ach­tet, die nicht in den Süden gezo­gen sind. Die­se Tie­re sor­gen oft für Auf­re­gung: Kön­nen Stör­che in Bay­ern über­haupt über­win­tern? Hier kann weit­ge­hend Ent­war­nung gege­ben wer­den. In mil­den Win­tern mit wenig Schnee bzw. mäßi­gem Frost fin­den die Stör­che noch genü­gend Nah­rung und kön­nen so auch die kal­te Jah­res­zeit bei uns gut überstehen.

Die Befürch­tun­gen besorg­ter Bür­ger, dass über­win­tern­de Stör­che hier erfrie­ren müs­sen, sind unbe­grün­det. „Dem Storch als gro­ßem Vogel macht die Käl­te kaum etwas aus, da er die Wär­me wesent­lich bes­ser spei­chern kann, als z.B. klei­ne Sing­vö­gel wie Mei­se und Spatz, die immer bei uns über­win­tern“, erklärt Oda Wie­ding, Stor­chen­be­auf­trag­te des LBV. „Die Weiß­stör­che tre­ten die wochen­lan­ge Rei­se nur wegen der Nah­rungs­knapp­heit im euro­päi­schen Win­ter an. Solan­ge aller­dings kei­ne geschlos­se­ne Schnee­decke liegt und stren­ger, lang anhal­ten­der Frost herrscht, fin­det der Storch auch in unse­ren Brei­ten noch genug Nah­rung, jetzt vor allem Mäu­se, Maul­wür­fe, Regen­wür­mer, klei­ne Schnecken, Egel, Fische etc.“ Im Win­ter strei­fen die mei­sten Stör­che auch wei­ter umher, bei tat­säch­li­cher Nah­rungs­knapp­heit teil­wei­se bis in die gro­ßen Fluss­au­en oder zum Boden­see bzw. Neu­sied­ler See, wo das Kli­ma etwas gün­sti­ger und damit auch das Nah­rungs­an­ge­bot grö­ßer ist. Die­se Vögel behal­ten die Stor­chen­schüt­zer im Auge, es ist aber kein Ein­grei­fen not­wen­dig. Auch die Ein­rich­tung einer Fut­ter­stel­le ist da eher hin­der­lich, weil sich so die Stör­che dar­an gewöh­nen und damit auch von einer Füt­te­rung abhän­gig gemacht wer­den, wäh­rend sie andern­falls ihrem Instinkt fol­gen und bei tat­säch­li­cher Fut­ter­knapp­heit dann doch einen soge­nann­ten Teil­zug machen. Davon abge­se­hen, kön­nen Groß­vö­gel – im Gegen­satz zu ihren klei­nen Art­ge­nos­sen – auch mal bis zu 14 Tage lang hungern.

Der Weiß­storch als klas­si­scher Zug­vo­gel ver­bringt nor­ma­ler­wei­se das Win­ter­halb­jahr in Afri­ka. Als Segel­flie­ger mei­den die Stör­che das Mit­tel­meer und flie­gen ent­we­der als soge­nann­te Ost­zie­her über Tür­kei, Isra­el und Ägyp­ten nach Ost- und Süd­afri­ka oder sie wen­den sich als West­zie­her über Spa­ni­en und Gibral­tar nach Westafrika.

Eini­ge die­ser Stör­che haben in den letz­ten Jah­ren einen neu­en Trend geprägt, spa­ren sich den Flug über die Meer­enge von Gibral­tar und über­win­tern ein­fach in Spa­ni­en. Durch die ver­rin­ger­te Zug­strecke erge­ben sich anschei­nend auch Ver­schie­bun­gen im Ver­hal­ten, so dass jedes Jahr eini­ge Stör­che auf­fal­len, wel­che tat­säch­lich erst im Win­ter ver­schwin­den (Win­ter­flucht). Auch Weiß­stör­che aus ehe­ma­li­gen Zucht- oder Pfle­ge­sta­tio­nen haben sich das Zug­ver­hal­ten abge­wöhnt und schla­gen sich in Süd­deutsch­land durch. So lässt sich beim Weiß­storch der mög­li­che Ein­fluss des Kli­ma­wan­dels nicht direkt able­sen, die­se Fra­ge­stel­lung steht dafür z.B. bei der „Stun­de der Win­ter­vö­gel“ im Vordergrund.

Wenn auch Sie über­win­tern­de Stör­che beob­ach­ten, mel­den Sie die­se bit­te an den LBV. So kann die jewei­li­ge LBV-Kreis­grup­pe zusam­men mit den Fach­leu­ten von der zustän­di­gen Unte­ren Natur­schutz­be­hör­de die­se über­win­tern­den Ein­zeltie­re überwachen.

Durch eine zweck­ge­bun­de­ne Spen­de (Spen­den­kon­to: Spk Mit­tel­fran­ken-Süd, Kon­tonr. 750 906 125, BLZ 764 500 00) kön­nen Sie das LBV-Stor­chen­schutz­pro­gramm unter­stüt­zen. So hel­fen Sie uns, auf den Wie­sen wie­der mehr feuch­te Stel­len anzu­le­gen, damit die Stör­che genug Nah­rung für ihre Jun­gen finden.

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