Nor­bert Win­kel­mann ist Deutsch­lands bester Bren­ner

Der Bun­des­eh­ren­preis in Gold 2011 geht nach Hal­lern­dorf

Familie Winkelmann

Fami­lie Win­kel­mann

„Das ist wirk­lich ein Traum“, lächel­te Nor­bert Win­kel­mann, als er den Gol­de­nen Bun­des­eh­ren­preis der DLG zum ersten Mal in Hän­den hielt, „ich habe mir immer vor­ge­stellt, mal ganz oben zu ste­hen, und nun ist es soweit.“ So ganz fas­sen konn­te es der 47jährige Hal­lern­dor­fer zu die­sem Zeit­punkt noch nicht. Mit Ehe­frau Luit­gard und sei­nem jüng­sten Sohn Simon war er der Ein­la­dung zur DLG-Preis­ver­lei­hung in den alt­ehr­wür­di­gen Mei­ster­saal nach Ber­lin gefolgt, wo in einem Fest­akt am 20. Okto­ber die besten Bren­ner der Bun­des­re­pu­blik geehrt wur­den. Um kurz nach zwölf Uhr war es soweit: Nach Sil­ber im letz­ten Jahr ging nun Gold an die klei­ne Bren­ne­rei des Brau­hau­ses am Kreuz­berg, die sich nun stolz die beste Bren­ne­rei des Lan­des nen­nen darf.

„Am Anfang haben sie mich alle nur belä­chelt“, erzählt Win­kel­mann sei­ne Geschich­te, „Schnaps bren­nen war frü­her für vie­le ledig­lich die Ver­wer­tung von Rest­pro­duk­ten, die man nicht ander­wei­tig ver­kau­fen woll­te oder konn­te. Ich habe seit mei­nem ersten Brenn­vor­gang 1997 immer nur die besten Zuta­ten und auch nur den hoch­wer­tig­sten Alko­hol des Brenn­vor­gan­ges ver­wen­det. Aber nur so kann man rich­tig gute Edel­brän­de her­stel­len.“ Recht hat er, das wis­sen auch sei­ne ehe­ma­li­gen Kri­ti­ker, spä­te­stens seit sie einen Schluck von den Köst­lich­kei­ten wie bei­spiels­wei­se den in der Ein­zel­wer­tung eben­falls Gold-prä­mier­ten Wald­him­beer- oder Bana­nen­brand ver­ko­stet haben. Doch für den Metz­ger, Koch, Hotel­be­triebs­wirt, Bier­som­me­lier und Bren­ner gilt vor allem eines: „Ich suche immer wie­der nach neu­en Her­aus­for­de­run­gen. Früch­te, die ich noch gar nicht ken­ne, oder von denen ich zumin­dest noch kei­nen Brand gese­hen habe, lan­den bei mir im Mai­sche­bot­tich. Ich bin dann immer sehr gespannt auf das Ergeb­nis, schließ­lich ist es immer wie­der ein Stück Neu­land.“

Das hat er zum Bei­spiel mit sei­nem nagel­neu­en und eben­falls sofort Gold-prä­mier­ten Brand des gemei­nen Schnee­balls bewie­sen. Über 100 Edel­brän­de fin­den Ken­ner im Brau­haus am Kreuz­berg – und nur dort, denn Win­kel­mann brennt nur gerin­ge Men­gen, die er dann vor allem sei­nen vie­len Stamm­gä­sten ein­schenkt. „Eine Erlan­ger Grup­pe kommt etwa alle vier Wochen zu uns auf den Kreuz­berg und möch­te dann immer die neue­sten Brän­de pro­bie­ren. Es macht mich rich­tig stolz, dass ich sie in all den Jah­ren immer wie­der ver­blüf­fen konn­te. Die haben mir auch kräf­tig die Dau­men für die Preis­ver­lei­hung gedrückt.“

Stolz sind natür­lich auch Sohn Simon und Ehe­frau Luit­gard, die – selbst Brau­mei­ste­rin – gemein­sam mit ihrem Mann den Fami­li­en­be­trieb am Lau­fen hält. „Brau­haus, Bren­ne­rei, Bier­kel­ler, vier Kin­der – da war­ten jeden Tag meh­re­re Voll­zeit­jobs auf uns bei­de, doch irgend­wie haben wir es immer gemei­stert“, erzählt die 44jährige, „in der Regel krie­gen wir zwi­schen­durch auch mal eine Müt­ze Schlaf ab und kön­nen immer die Wün­sche unse­rer Gäste erfül­len. Ich fin­de es toll, dass mein Mann es trotz der Arbeit in der Küche und am Brau­kes­sel auch noch sei­ne Bren­ne­rei so spit­zen­mä­ßig im Griff hat, das ist eine Rie­sen­eh­re für uns und unser klei­nes Brau­haus.“ Der fünf­jäh­ri­ge Simon hin­ge­gen sieht es ganz prag­ma­tisch und testet erst ein­mal den etwa 15 Zen­ti­me­ter durch­mes­sen­den Bun­des­eh­ren­preis auf sei­ne Echt­heit …

Text & Foto: Mar­kus Rau­pach

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