Land­kreis Forch­heim braucht Senio­ren-Woh­nun­gen – 2020 leben 470 Rent­ner von Grund­si­che­rung

Aktu­el­le Unter­su­chung des Pestel-Insti­tuts zum Woh­nen im Alter

Das Pestel Insti­tut hat 2009 im Auf­trag des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del e.V. (BDB), des BFW Bun­des­ver­band Frei­er Immo­bi­li­en- und Woh­nungs­un­ter­neh­men e.V. und der Deut­schen Gesell­schaft für Mau­er­werks­bau e.V. (DGfM) drei Unter­su­chun­gen durch­ge­führt. Damit soll­te der künf­ti­ge Woh­nungs­be­darf in Deutsch­land auf Ebe­ne der Krei­se und kreis­frei­en Städ­te ermit­telt wer­den, sowie eine Abschät­zung der lang­fri­sti­gen Aus­wir­kun­gen einer wei­ter­hin nied­ri­gen Neu­bau­tä­tig­keit. Beauf­tragt wur­de die Stu­die von drei Ver­bän­den der Bau- und Immo­bi­li­en­wirt­schaft: dem Bun­des­ver­band Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del e.V. (BDB), der Deut­schen Gesell­schaft für Mau­er­werks­bau e.V. (DGfM) und dem BFW Bun­des­ver­band Frei­er Immo­bi­li­en- und Woh­nungs­un­ter­neh­men e.V.

Ein Groß­teil der älte­ren Men­schen im Land­kreis Forch­heim wird in den kom­men­den Jah­ren über einen Woh­nungs­wech­sel nach­den­ken müs­sen: Vie­le Rent­ner wer­den sich ihre jet­zi­gen Woh­nun­gen künf­tig nicht mehr lei­sten kön­nen. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine aktu­el­le Unter­su­chung des Pestel-Insti­tuts. Die­se pro­gno­sti­ziert eine erheb­lich zuneh­men­de Alters­ar­mut. Dem­nach wer­den im Jahr 2020 mehr als 470 Rent­ner im Land­kreis Forch­heim auf die staat­li­che Grund­si­che­rung im Alter ange­wie­sen sein. Ihre Zahl wür­de damit noch in die­sem Jahr­zehnt dra­ma­tisch stei­gen – um nahe­zu 89,5 Pro­zent.

„Das sozia­le Netz wird die mei­sten 55- bis 65-Jäh­ri­gen, die heu­te von Hartz IV leben, im Ren­ten­al­ter auf­fan­gen müs­sen. Wir wer­den damit auch im Land­kreis Forch­heim einen deut­li­chen Anstieg der Alters­ar­mut erle­ben“, sagt Mat­thi­as Gün­ther vom Pestel-Insti­tut in Han­no­ver. Immer mehr Men­schen mit gebro­che­nen Erwerbs­bio­gra­fien gin­gen in Ren­te. Pha­sen von Arbeits­lo­sig­keit, Nied­rig­löh­ne und dau­er­haft gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen sei­en dabei für sin­ken­de Ren­ten­be­zü­ge bei Neurent­nern ver­ant­wort­lich. Eben­so eine nur gerin­ge oder kei­ne Alters­vor­sor­ge bei vie­len Selbst­stän­di­gen. Auch dies füh­re zu einer wach­sen­den Alters­ar­mut.

Gemes­sen am Bun­des­durch­schnitt stuft das Pestel-Insti­tut die zu erwar­ten­de Alters­ar­mut im Land­kreis Forch­heim im Jahr 2020 als „erhöht“ ein. Im Fokus der Berech­nun­gen steht das bezahl­ba­re Woh­nen im Alter. Die Unter­su­chung erfolg­te im Auf­trag der Initia­ti­ve „Impul­se für den Woh­nungs­bau“. Dar­in haben sich die Indu­strie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Bun­des­ver­band Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del (BDB) und die Deut­sche Gesell­schaft für Mau­er­werks- und Woh­nungs­bau (DGfM) zusam­men­ge­schlos­sen.

„Wenn die Alters­ar­mut im Land­kreis Forch­heim zunimmt, dann müs­sen wir über neue Wohn­for­men nach­den­ken. Das heißt kon­kret: klei­ne­re, ener­gie­ef­fi­zi­en­te und alten­ge­rech­te Woh­nun­gen für Senio­ren. Das spart Mie­te und Heiz­ko­sten“, so Mat­thi­as Gün­ther. Bezahl­bar sei­en für vie­le älte­re Men­schen, die allei­ne leb­ten, nur noch Woh­nungs­grö­ßen zwi­schen 30 und 40 Qua­drat­me­tern.

Um den Land­kreis Forch­heim auf das Senio­ren-Woh­nen vor­zu­be­rei­ten, müs­se in den kom­men­den Jah­ren in erheb­li­chem Maße neu und umge­baut wer­den. Andern­falls dro­he eine „graue Woh­nungs­not“ – und damit die sozia­le Aus­gren­zung Älte­rer beim Woh­nen. Immer­hin wer­de die Zahl der Rent­ner im Land­kreis Forch­heim bis 2020 um 13,6 Pro­zent auf dann rund 23.500 stei­gen.

Der Groß­teil der Senio­ren hat, so die Initia­ti­ve „Impul­se für den Woh­nungs­bau“, ein Inter­es­se dar­an, mög­lichst lan­ge in den eige­nen vier Wän­den zu woh­nen. „Es macht also Sinn, für Wohn­for­men zu sor­gen, die es älte­ren Men­schen erlau­ben, weit­ge­hend selbst­stän­dig im All­tag klar­zu­kom­men“, sagt Mat­thi­as Gün­ther. Hier sei­en Häu­ser mit klei­nen Wohn-Appar­te­ments die idea­le Lösung.

„Die älte­ren Men­schen kön­nen sich dabei gegen­sei­tig im All­tag unter­stüt­zen und einen Teil ihrer Zeit gemein­sam ver­brin­gen – etwa in Gemein­schafts­räu­men oder einer Gemein­schafts­kü­che“, so Gün­ther. Dies sei eine gut umsetz­ba­re Alter­na­ti­ve zum Mehr­ge­nera­tio­nen­haus. „Sol­che Gemein­schafts­ein­rich­tun­gen beu­gen einer Ver­ein­sa­mung im Alter vor. Und sie ver­mei­den, dass Älte­re vor­zei­tig ins Heim müs­sen“, sagt Mat­thi­as Gün­ther.

Die Initia­ti­ve „Impul­se für den Woh­nungs­bau“ for­dert vom Bund drin­gend stär­ke­re Anrei­ze für das alters­ge­rech­te Sanie­ren und für den Neu­bau von bar­rie­re­ar­men Senio­ren-Woh­nun­gen. Dazu müss­ten für das KfW-Pro­gramm „Alters­ge­recht Umbau­en“ in den kom­men­den Jah­ren min­de­stens 100 Mil­lio­nen Euro jähr­lich zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Die­ser Bedarf ste­he jedoch im kras­sen Wider­spruch zu dem, was die Bun­des­re­gie­rung der­zeit pla­ne. Die KfW-Mit­tel für die­sen Bereich sol­len näm­lich noch in die­sem Jahr aus­lau­fen. „Dabei gibt es sie über­haupt erst seit gut zwei Jah­ren“, sagt Ronald Rast.

Der Spre­cher der Initia­ti­ve „Impul­se für den Woh­nungs­bau“ kri­ti­siert, dass der Bund sich auf den enor­men Bedarf an Senio­ren-Woh­nun­gen über­haupt noch nicht ein­ge­stellt habe. Die KfW-Mit­tel wür­den drin­gend gebraucht. „Ein­zi­ger Haken an der Sache ist, dass in erster Linie nur zins­ver­bil­lig­te Dar­le­hen gebo­ten wer­den – und das für Men­schen, die 65 oder 70 Jah­re alt sind. Wer bin­det sich denn da noch an einen Kre­dit?“, so Ronald Rast. Nur über Inve­sti­ti­ons­zu­schüs­se kön­ne es gelin­gen, Senio­ren dazu zu bewe­gen, als Bau­her­ren noch ein­mal pri­vat zu inve­stie­ren. Erst dann wür­den die Pro­gram­me zum senio­ren­ge­rech­ten Bau­en grei­fen. „Nur mit einer festen Zusa­ge für eine feste Sum­me las­sen sich Älte­re über­zeu­gen, noch ein­mal in den alters­ge­rech­ten Umbau zu inve­stie­ren“, so der Spre­cher der Initia­ti­ve „Impul­se für den Woh­nungs­bau“.

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