Der Bay­reu­ther Thea­ter­herbst steht vor der Tür

50 Pro­zent Ermä­ßi­gung für Schü­ler und Stu­den­ten

Ab dem 6. Okto­ber bringt das Kul­tur­amt der Stadt Bay­reuth im Rah­men der Ver­an­stal­tungs­rei­he „Herbst-Abo“ vier Schau­spie­le und eine Oper auf die Büh­ne des Gro­ßen Hau­ses der Stadt­hal­le. Für alle Auf­füh­run­gen, für die selbst­ver­ständ­lich auch Ein­zel­kar­ten erwor­ben wer­den kön­nen, erhal­ten Schü­ler und Stu­den­ten 50 Pro­zent Ermä­ßi­gung auf den regu­lä­ren Preis.

Am Don­ners­tag, 6. Okto­ber, prä­sen­tiert das Jun­ge Schau­spiel Ensem­ble Mün­chen ein Thea­ter­pro­jekt zu Leben und Werk des gro­ßen Dra­ma­ti­kers Hein­rich von Kleist. Die Umbruch­zeit der Napo­leo­ni­schen Krie­ge, die Wei­ma­rer Klas­sik bestimm­te sei­ne Welt. Die Autorin Jut­ta Schu­bert lässt den immer noch aktu­el­len Extre­mi­sten der Poe­sie leben­dig wer­den und zahl­rei­che Weg­ge­fähr­ten zu Wort kom­men. Den Zuschau­ern wird ein Kalei­do­skop aus lite­ra­ri­schen und histo­ri­schen Moti­ven gebo­ten, die ein kur­zes, zer­ris­se­nes aber unge­mein pro­duk­ti­ves, künst­le­ri­sches Leben vor­stel­len. Von der heu­ti­gen Popu­la­ri­tät und Aner­ken­nung hat der Dich­ter zeit sei­nes Lebens lei­der nur geträumt.

Am Diens­tag, 25. Okto­ber, steht das Frau­en­bild eines Dich­ters der Auf­klä­rung, der als erster deut­scher Dra­ma­ti­ker bis heu­te unun­ter­bro­chen gespielt wird, im Mit­tel­punkt – die Thea­ter­ma­cher GmbH zeigt Gott­hold Ephraim Les­sings „Emi­lia Galot­ti“. Doch obwohl die Lie­be ein zen­tra­les The­ma die­ser Tra­gö­die ist, gilt „Emi­lia Galot­ti“ auch als poli­ti­sches Stück. Der will­kür­li­che Herr­schafts­stil der Ade­li­gen trifft auf die neue, auf­ge­klär­te Moral des Bür­ger­tums und das neue Lie­bes­ver­ständ­nis der Emp­find­sam­keit. Man darf gespannt sein, wie das Ensem­ble, das 2009 das Publi­kum mit Schil­lers „Die Räu­ber“ so begei­stert hat, die­ses Dra­ma aus dem 18. Jahr­hun­dert zeit­ge­mäß inter­pre­tiert.

Ein gro­ße Freu­de ist es, das Lan­des­thea­ter Coburg am Diens­tag, 15. Novem­ber, wie­der in Bay­reuth begrü­ßen zu kön­nen und so dem Herbst­abon­ne­ment wie­der musi­ka­li­schen Glanz zu ver­lei­hen. Giu­sep­pe Ver­dis Oper über die unmög­li­che Lie­be zwi­schen der Edel­pro­sti­tu­ier­ten Vio­let­ta und dem gesell­schaft­lich über ihr ste­hen­den Alfre­do ist so erfolg­reich, dass man sich kaum vor­stel­len kann, dass sie bei ihrer Urauf­füh­rung glatt durch­fiel. „La Tra­via­ta“ – die vom Wege abge­kom­me­ne – erlebt eine kur­ze Zeit des Lie­bes­glücks, bevor gesell­schaft­li­che Zwän­ge und eine furcht­ba­re Krank­heit alles zunich­te machen. Die Geschich­te einer unglück­li­chen Lie­be zwi­schen zwei Men­schen, die aus unter­schied­li­chen Schich­ten einer Gesell­schaft kom­men, die voll von Zwän­gen und Vor­ur­tei­len ist, erscheint nur auf den ersten Blick aus einer ande­ren Zeit.

„JEDER­MANN!“ Wer kennt nicht den uner­bitt­li­chen Ruf des Todes, dem Jeder­mann fol­gen muss. Das Stück von Hugo von Hof­manns­thal, das seit 1920 all­jähr­lich bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len auf­ge­führt wird, kommt am Don­ners­tag, 17. Novem­ber, mit dem Ensem­ble Jacob – Schwiers in die Stadt. Nach­dem Jeder­mann eben noch dem Genuss gefrönt hat und auch die Rat­schlä­ge sei­ner Mut­ter in den Wind schlägt, bricht der Tod unver­mit­telt in die Sze­ne­rie ein. Jetzt zeigt sich, dass ihm sein Reich­tum nichts nutzt und er sich mit fal­schen Freun­den umge­ben hat. Erst durch die Für­spra­che der Alle­go­rien der „Guten Wer­ke“ und des „Glau­bens“ endet sei­ne Ver­zweif­lung und Gott ver­zeiht ihm. Ein ech­ter und zeit­lo­ser Klas­si­ker, den jeder­mann gese­hen haben muss.

„Der Kauf­mann von Vene­dig“ in einer auf­re­gend gegen­wär­ti­gen Insze­nie­rung des Thea­ters an der Ruhr wird am 30. Novem­ber in Bay­reuth Sta­ti­on machen. Die Geschich­te vom Juden Shy­lock, der als Sicher­heit für gelie­he­nes Geld ein Pfund Fleisch aus Anto­ni­os Kör­per ver­langt, ist offi­zi­ell eine Shakespear’sche Komö­die, bei deren Tra­gik das Lachen aber im Hal­se stecken bleibt. Shy­lock, als abso­lu­ter Außen­sei­ter in einer christ­li­chen Umge­bung zum Geld­ver­lei­hen gezwun­gen, weil ihm kei­ne ande­re beruf­li­che Mög­lich­keit erlaubt ist, wird gebraucht und ist gera­de des­we­gen ver­hasst. Die vene­zia­ni­sche Gesell­schaft mit ihrer Ziel­lo­sig­keit und gepfleg­ten Lan­ge­wei­le pro­du­ziert Anti­se­mi­tis­mus, Frem­den­feind­lich­keit und Gewalt.

Alle fünf Ver­an­stal­tun­gen begin­nen jeweils um 20 Uhr im Gro­ßen Haus der Stadt­hal­le. Kar­ten sind bei der Thea­ter­kas­se in der Opern­stra­ße 22 (Öff­nungs­zei­ten: Mon­tag bis Frei­tag, 9 bis 18 Uhr; Sams­tag, 9.30 bis 12.30 Uhr) oder in der Max­stra­ße 58 (Öff­nungs­zei­ten Mon­tag bis Frei­tag, 9 bis 18 Uhr; Sams­tag, 9 bis 13 Uhr) erhält­lich; Tel. 09 21/6 90 01; Fax 09 21/29 48 56; E‑Mail: info@​kurier-​tickets.​de. Ein Pro­gramm­falt­blatt mit wei­te­ren Infor­ma­tio­nen ist bei der Kon­gress- und Tou­ris­mus­zen­tra­le, der Thea­ter­kas­se und den Bür­ger­dien­sten in bei­den Rat­häu­sern erhält­lich.

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