Sonntagsgedanken: "Tag der Arbeit"

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Als vor 150 Jahren der damalige preußische Ministerpräsident in Pension ging, wollte der König ihn in den Grafenstand erheben und eine hohe Zusatzrente ausbezahlen. Minister Manteufel aber lehnte dankend ab mit der Begründung, er habe nur getan, was er vor Gott und den Menschen für seine Pflicht hielt und wolle keine übergebührliche Belohnung.

Vielleicht schütteln wir den Kopf über so einen Menschen. Was heißt das eigentlich “Pflicht”? Ich denke, jeder hat seinen Platz, seine Gaben und Aufgaben, wo er oder sie sich bewähren soll. Da gibt es Hausfrauen und Manager, Ärzte, Polizisten und Fabrikarbeiter.

Am 1. Mai feiern wir den “Tag der Arbeit”: Der Mensch braucht Arbeit, sei es Berufsarbeit, sei es ehrenamtliches Engagement, um nicht zu verkommen in Trägheit oder gar Übermut. Arbeit ist also Pflicht und Freude zugleich, bietet die Chance, etwas aus sich zu machen; und ich verarge es niemandem, nach “oben” zu streben auf der Karriereleiter. Nur mag es überall vernünftig, ehrlich, fair zugehen. Nicht jeder kann Chef werden. Der Begabteste der Bewerber soll die Stelle bekommen. Wir brauchen aber auch die Landwirte, die Angestellten, die Arbeiter. Niemand soll sich Minderwertigkeitsgefühle einreden lassen, niemand soll hochnäsig auf andere herabblicken. Das Engagement in Vereinen, Verbänden, Parteien oder Kirchen ist zudem für das soziale Klima ebenso wichtig wie Berufsarbeit; und die häusliche Arbeit, die Kindererziehung kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Wir Christen freilich wissen, dass Arbeit nicht der Hauptzweck unseres Lebens ist. Vor allem dürfen wir Gott für seine unbedingte Liebe danken, die allen Menschen gilt, auch denen, die gar nichts mehr arbeiten können. Gott liebt die “kleinen Leute” ebenso wie die “großen Tiere”.

Pfarrer Dr. Christian Fuchs, www.neustadt-aisch-evangelisch.de