Sonn­tags­ge­dan­ken: “Gott – die schö­ne Höhle”

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

“Dun­kel leuch­ten­de Höh­le, wo wir Wär­me suchen und Zuflucht bei Feu­er und Freun­den, schö­ne Höh­le – Du, Gott – in der wir immer schon gin­gen und wuss­ten es nicht.”

Als ich die ersten Zei­len Kurt Mar­tis las, stell­te ich mir Stein­zeit­men­schen vor, die sich in eine Höh­le flüch­ten, um dem Unwet­ter und den wil­den Tie­ren zu ent­ge­hen. So ent­stan­den wohl auch die ersten mensch­li­chen Behau­sun­gen. Die “Höh­le” kön­nen wir aber auch bild­lich-sym­bo­lisch ver­ste­hen als Aus­druck unse­rer Sehn­sucht nach Gebor­gen­heit, Hei­mat, nach behü­ten­der Mit­mensch­lich­keit. Haben wir so eine “Höh­le”, wo wir “Wär­me” und “Zuflucht” nicht nur suchen, son­dern wirk­lich fin­den? Die “dun­kel leuch­ten­de Höh­le” unse­rer noch so modern, kom­for­ta­bel ein­ge­rich­te­ten Woh­nung, der ver­gla­sten Wol­ken­krat­zer unse­rer Kon­zer­ne und Ban­ken, wer­den nur dann zu einer “schö­nen Höh­le”, wenn Men­schen unbe­dingt zu uns ste­hen, wenn sie uns akzep­tie­ren, ohne stän­dig an uns herumzumäkeln.

Doch Mar­ti greift noch tie­fer: Freun­de, Ver­wand­te, ja der Part­ner selbst kön­nen und wer­den uns ver­las­sen. Dann ist die “Höh­le” wie­der “dun­kel” und leer, das Feu­er mensch­li­cher Wär­me erlo­schen. Wohl dem, der in der Stun­de der drücken­den Ein­sam­keit, der auf­zeh­ren­den Hek­tik plötz­lich spürt, dass er in der “schö­nen Höh­le” namens Gott lebt, der ihn von allen Sei­ten schüt­zend, wär­mend umgibt, auch dann, wenn er selbst es nicht merkt. Ich wün­sche mir und möch­te dar­auf hin­ar­bei­ten, dass unse­re christ­li­che Gemein­schaft in Got­tes­dienst und im pri­va­ten Kreis etwas aus­strahlt von der ber­gen­den gött­li­chen “Höh­le”.

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

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