Bay­reuth unter Strom

Der Stand­ort hat sich zum Ener­gie­zen­trum ent­wickelt – in der Wirt­schaft und in der For­schung

Bay­reuth hat nach­hal­tig von der Libe­ra­li­sie­rung des Ener­gie­mark­tes pro­fi­tiert. Davon zeig­ten sich Dr. Chri­sti­an Schnel­ler, Lei­ter Recht und Poli­tik bei dem in Bay­reuth ansäs­si­gen Strom­netz­be­trei­ber Ten­net, sowie die Pro­fes­so­ren Dr. Knut Wer­ner Lan­ge und Dr. Jörg Gun­del von der For­schungs­stel­le für Ener­gie­recht an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth im Vor­feld einer hoch­ka­rä­tig besetz­ten Tagung zur Umset­zung des 3. Ener­gie­bin­nen­markt­pa­kets über­zeugt. Und: Wer­den die näch­sten im Bin­nen­markt­pa­ket fest­ge­schrie­be­nen Libe­ra­li­sie­rungs­schrit­te umge­setzt, wird der Ener­gie­stand­ort Bay­reuth wei­ter an Bedeu­tung gewin­nen.

Erst vor weni­gen Wochen hat Ten­net als Betrei­ber gro­ßer Strom­au­to­bah­nen in Deutsch­land ange­kün­digt, die Beleg­schaft in die­sem Jahr von der­zeit etwa 250 Mit­ar­bei­tern in Bay­reuth um wei­te­re 50 Beschäf­tig­te auf­zu­stocken. Dem Unter­neh­men steht ein Inve­sti­ti­ons­pro­gramm von histo­ri­schem Aus­maß bevor: „Wir sind in den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten Inve­sti­ti­ons­ver­pflich­tun­gen in Höhe von 3,5 Mil­li­ar­den Euro ein­ge­gan­gen“, sagt Chri­sti­an Schnel­ler. „In die­sem Jahr­zehnt wer­den wir ins­ge­samt zwi­schen neun und elf Mil­li­ar­den Euro inve­stie­ren.“ Die an Bedeu­tung zule­gen­den erneu­er­ba­ren Ener­gien und die euro­päi­sche Markt­in­te­gra­ti­on, die von dem neu­en Bin­nen­markt­pa­ket der Euro­päi­schen Uni­on geför­dert wird, machen einen Netz­aus­bau von nie da gewe­se­ner Dimen­si­on nötig.

Nicht nur die­ses Unter­neh­men macht den Ener­gie­stand­ort Bay­reuth stark: So wie Ten­net ist auch E.ON Netz aus der Libe­ra­li­sie­rung und der damit ver­bun­de­nen Ent­flech­tung der Netz­wirt­schaft ent­stan­den. E.ON Bay­ern ist in Bay­reuth eben­so ver­tre­ten wie E.ON Ser­vice Plus – eine Ser­vice­ein­heit, die für den E.ON-Konzern die kun­den­na­hen Dienst­lei­stun­gen auf dem süd­deut­schen Markt abwickelt. Bis zu 700 Men­schen, sagt Schnel­ler, sind am Stand­ort Bay­reuth im Ener­gie­sek­tor beschäf­tigt – die Mit­ar­bei­ter des loka­len und regio­na­len Ener­gie­an­bie­ters BEW noch nicht ein­mal ein­ge­rech­net.

Dass Bay­reuth längst nicht mehr nur Insi­dern als eines der wich­tig­sten Ener­gie­wirt­schafts­zen­tren in Deutsch­land gilt, hat einen wei­te­ren Grund. Die Uni­ver­si­tät Bay­reuth ver­fügt über eine der weni­gen For­schungs­stel­len für Fra­gen des deut­schen und euro­päi­schen Ener­gie­rechts. Ihr Ziel ist es, das Ener­gie­recht in For­schung und Leh­re zu ver­tre­ten sowie den Dia­log zwi­schen Wis­sen­schaft und Pra­xis zu för­dern.

Die­sen Dia­log führt die For­schungs­stel­le erneut am 17. und 18. März 2011 mit den Zwei­ten Bay­reu­ther Ener­gie­rechts­ta­gen an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth. The­ma dabei: die Umset­zung des 3. Ener­gie­bin­nen­markt­pa­kets. „Das Herz­stück der neu­en Richt­li­ni­en- vor­ga­ben dürf­te die Ver­schär­fung des bis­he­ri­gen Unbund­ling-Regimes bil­den“, so Pro­fes­sor Dr. Knut Wer­ner Lan­ge. Damit wer­den Ener­gie­ver­sor­gung, ‑trans­port und ‑ver­trieb in selbst­stän­di­ge Unter­neh­men auf­ge­teilt. Die­se Tren­nung soll den Wett­be­werb auf den
ver­schie­de­nen Stu­fen bele­ben, was am Ende auch dem End­ver­brau­cher zugu­te kom­men soll.

Zu der Tagung wer­den nam­haf­te Ver­tre­ter aus der Rechts­wis­sen­schaft (Pro­fes­sor Dr. Dr. Peter Sal­je und Pro­fes­sor Dr. Hen­ning Reck­na­gel, Leib­niz Uni­ver­si­tät Han­no­ver sowie Prof. Dr. Hel­mut Leche­ler, Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin), aus der Wirt­schaft (Dr. Chri­sti­an Schnel­ler, Ten­neT TSO GmbH, Bay­reuth; Dr. Gise­la Böhnel, Vat­ten­fall Euro­pe AG, Ber­lin), von inter­na­tio­na­len Groß­kanz­lei­en (Dr. Mar­tin Raible, Kanz­lei Gleiss Lutz, Düs­sel­dorf; Dr. Diet­mar O. Reich, Kanz­lei Bei­ten Burk­hardt, Brüs­sel) sowie von Behör­den (Tan­ja Held, Bun­des­netz­agen­tur) erwar­tet.

INFO: Die Vor­trä­ge der Ener­gie­rechts­ta­ge ste­hen Uni­ver­si­täts­an­ge­hö­ri­gen, Stu­die­ren­den und der Öffent­lich­keit offen. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www​.fer​.uni​-bay​reuth​.de.

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