MdB Eli­sa­beth Schar­fen­berg kri­ti­siert: Ein gerech­ter Hartz IV-Satz sieht anders aus

Anläss­lich der Eini­gung der Koali­ti­on mit der SPD auf eine Hartz IV-Reform, erklärt die ober­frän­ki­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Eli­sa­beth Schar­fen­berg MdB, Spre­che­rin für Pfle­ge und Alten­po­li­tik der Bun­des­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/​Die Grü­nen:

Zunächst die gute Nach­richt: Die Grü­nen haben Schlim­me­res ver­hin­dert. Wir haben Über­zeu­gungs­ar­beit gelei­stet und erreicht, dass das Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket für Kin­der nun von den Kom­mu­nen orga­ni­siert wird und nicht – wie von Arbeits­mi­ni­ste­rin von der Ley­en geplant – von den Job­cen­tern. Damit wird ver­mie­den, durch ein hand­werk­lich schlecht gemach­tes Gesetz von Schwarz-Gelb über­bor­den­de Büro­kra­tie zu pro­du­zier­ten, die nur Kosten ver­ur­sacht und nie­man­dem hilft. Die Lei­stun­gen des Pake­tes wer­den nun auch Kin­dern in Fami­li­en mit gerin­gen Ein­kom­men zu Gute kom­men.

Die schlech­te Nach­richt ist, dass Koali­ti­on und SPD mit dem aus­ge­han­del­ten Hartz-IV Satz einen Kuh­han­del ein­ge­gan­gen sind, der die Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes nicht erfüllt. Das Urteil aus Karls­ru­he for­dert, dass der Regel­satz bedarfs­si­chernd und nach­voll­zieh­bar ermit­teln sein soll. Die schwarz-gel­be Bun­des­re­gie­rung hat mit einer kate­go­ri­schen Blocka­de­hal­tung einen ver­fas­sungs­kon­for­men Regel­satz ver­wei­gert. Sie war zudem nicht bereit, über eine ver­fas­sungs­fe­ste­re Berech­nungs­grund­la­ge zu spre­chen. Viel­mehr haben Uni­on und FDP einen Regel­satz vor­ge­legt, der Berech­nun­gen auf­grund einer Refe­renz­grup­pe vor­sieht, die weni­ger als das men­schen­wür­di­ge Exi­stenz­mi­ni­mum zum Leben hat. Dem konn­ten die Grü­nen nicht zustim­men und sind daher gestern Abend aus den Ver­hand­lun­gen aus­ge­stie­gen.

Auch beim Min­dest­lohn hat sich Schwarz-Gelb gewei­gert, eine ver­nünf­ti­ge Rege­lung zu fin­den. Angeb­lich erhal­ten dem­nächst 1,2 Mil­lio­nen Men­schen einen Min­dest­lohn. Tat­säch­lich ist unge­wiss, ob die Men­schen in der Wei­ter­bil­dung und im Wach- und Schließ­ge­wer­be jemals wirk­lich mehr Geld in der Tasche haben wer­den.

Rich­tig ist, dem Bund die Kosten für die Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung zu über­tra­gen und die Kom­mu­nen zu ent­la­sten. Aller­dings soll­te man die Kom­mu­nen nicht gegen die Gering­ver­die­ner und Lei­stungs­be­zie­her aus­spie­len. Die Grü­nen ste­hen für bei­des: mehr Bil­dungs­an­ge­bo­te für Kin­der aus armen Fami­li­en, Ver­bes­se­run­gen für die Hartz-IV-Emp­fän­ger und Men­schen mit Armuts­löh­nen. Und gleich­zei­tig für eine seit lan­gem not­wen­di­ge finan­zi­el­le Ent­la­stung der Kom­mu­nen.

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