Sonn­tags­ge­dan­ken: Schwie­ri­ger Dia­log

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Wäh­rend einer Rei­se durch Ost­asi­en unter­hielt sich Hel­mut Thielicke mit einem japa­ni­schen Medi­ta­ti­ons­mei­ster. Bei­den fiel es schwer, eine gemein­sa­me Basis zu fin­den. Der deut­sche Pro­te­stant leb­te aus dem Wort der Hei­li­gen Schrift, sein christ­li­ches Leben war von der nüch­ter­nen Ver­nunft geprägt, auf das kon­kre­te Han­deln aus­ge­rich­tet. “Moder­ne” Euro­pä­er wen­den sich ver­stärkt der Medi­ta­ti­on zu, um die im All­tag ver­schüt­te­ten See­len­kräf­te zu reak­ti­vie­ren. Doch der Sinn die­ser fern­öst­li­chen Übung ist eben nicht Selbst­fin­dung bzw. ‑ver­wirk­li­chung, son­dern – völ­lig uneu­ro­pä­isch! – Selbst­auf­ga­be, die Auf­lö­sung der eige­nen Per­sön­lich­keit. War­um über­neh­men die Freun­de asia­ti­scher Medi­ta­ti­on dann nicht auch das Har­mo­nie-Ide­al, den Fami­li­en­sinn der Asia­ten, ihren Fleiß, ihre Bereit­schaft, sich unbe­dingt unter­zu­ord­nen?
Von dem asia­ti­schen Medi­ta­ti­ons­leh­rer kön­nen wir ler­nen, dass auch unse­re See­le Pfle­ge braucht wie die Blu­men auf dem Bal­kon und die Früch­te des Gar­tens. Bei vie­len ver­dorrt ihr Glau­be, ver­welkt ihr christ­li­ches Innen­le­ben, weil sie die tra­gen­de, Leben spen­den­de Wur­zel ihres Daseins ver­nach­läs­si­gen. Das täg­li­che Lesen in der Bibel, im Gesang­buch, die Gemein­schaft mit andern Chri­sten kön­nen hier Abhil­fe schaf­fen. Wer fest im Glau­ben steht, braucht weder zum Wahr­sa­ger zu gehen noch sich Glücks­brin­ger ins Auto zu hän­gen. Für die Asia­ten ist Gott nur ein Abstrak­tes Irgend­was, aber nicht der lie­ben­de Vater, der unbe­dingt zu uns steht. Der Gott Chri­sti opfert sei­nen “Sohn”, um uns nahe zu kom­men, damit wir im Leid einen Trost haben. Chri­stus muss­te so furcht­bar ster­ben, um am Oster­mor­gen den schlimm­sten Tod über­win­den zu kön­nen, sei­nen und unse­ren.

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

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