Son­der­aus­stel­lung „Die Manu­fak­tu­ren der Samm­lung Lud­wig Bamberg“

Von A│nsbach) bis Z│ürich“: 5. Febru­ar bis 6. Novem­ber 2011

Johann Peter Melchior zählt zu den hervorragendsten Modelleuren des 18. Jahrhunderts. Das Fliehen des Mädchens wird durch ausgreifende Bewegungen mit besonderer Betonung der Diagonalen überzeugend dargestellt. Die Rückwendung des Kopfes, die als gegenläufiges Moment dem Bewegungsmotiv besondere Raffinesse verleiht, gilt der sich drohend aufrichtenden Schlange am Boden.

Flie­hen­des Mäd­chen. Höchst, Johann Peter Mel­chi­or, um 1767

Nach­dem in der Samm­lung Lud­wig Bam­berg 2010 der Blick ganz auf die Manu­fak­tur Mei­ßen gerich­tet war und die Erfin­dung des euro­päi­schen Por­zel­lans gefei­ert wur­de, zei­gen die Muse­en der Stadt Bam­berg nun vom 5. Febru­ar bis 6. Novem­ber 2011 in der Son­der­aus­stel­lung Von A│nsbach bis Z│ürich die gan­ze Band­brei­te der Por­zel­lan­kunst. Vie­le der aus­ge­stell­ten Kost­bar­kei­ten waren jah­re­lang nicht mehr öffent­lich zu sehen und wer­den in einem der schön­sten Gebäu­de Deutsch­lands, dem male­ri­schen Barock­ensem­ble des Alten Rat­hau­ses ganz neu präsentiert.

Die gan­ze Band­brei­te der Porzellankunst

Nur gan­ze neun Jah­re, von 1710 bis 1719, konn­te Mei­ßen das Mono­pol der euro­päi­schen Por­zel­lan­her­stel­lung bewah­ren: das geheim­nis­um­wit­ter­te Arka­num, die Kennt­nis der Rezep­tur und des Bran­des. Die Pro­duk­ti­ons­stät­te auf der Albrechts­burg war eine Festung mit zuge­mau­er­ten Fen­stern und streng bewach­ten Ange­stell­ten – es wur­de alles getan, um Werks­spio­na­ge zu ver­hin­dern. Doch ver­geb­lich – unzu­frie­de­ne Arbei­ter flo­hen und ver­rie­ten ihre Spe­zi­al­kennt­nis­se nach Wien. Der Damm war gebro­chen, ein wah­rer Grün­dungs­boom setzt ein. Man riss sich aller­or­ten um die Por­zel­l­an­künst­ler, warb sie ab, lock­te sie und droh­te ihnen.

Grün­dung gro­ßer und klei­ner Manufakturen

Nach und nach ent­stan­den die ande­ren gro­ßen Por­zel­lan­ma­nu­fak­tu­ren wie Höchst und Für­sten­berg, Nym­phen­burg und Ber­lin, Fran­ken­thal und Lud­wigs­burg. Alle Für­sten woll­ten jetzt ihr eige­nes Por­zel­lan, es wur­de zum Attri­but des Glan­zes und der Wür­de, wie Her­zog Carl Eugen von Würt­tem­berg fest­stell­te. Vie­ler­orts brauch­te es jedoch viel Zeit und noch mehr Geld, bis alle Geheim­nis­se ent­schlüs­selt waren und es zufrie­den­stel­len­de Resul­ta­te gab. Aber nicht nur Für­sten, son­dern auch Bür­ger wag­ten das Aben­teu­er der Por­zel­lan­her­stel­lung und vie­le klei­ne­re Fabri­ken lei­ste­ten Erstaun­li­ches. Sie run­den das Bild des euro­päi­schen Por­zel­lans im 18. Jahr­hun­dert ab.

Aus­stel­lung zeigt Viel­falt und Raritäten

In der Son­der­aus­stel­lung der Samm­lung Lud­wig sind alle gro­ßen Manu­fak­tu­ren ver­tre­ten, aber auch klei­ne frän­ki­sche Manu­fak­tu­ren wie z.B. Ans­bach, dane­ben äußerst rare Stücke aus Nea­pel und Vene­dig, aus Sèv­res und Zürich und sogar aus Würz­burg: Von die­ser Manu­fak­tur, die nur fünf Jah­re lang exi­stier­te, sind welt­weit nur noch 80 Geschirr­tei­le bekannt.

Vie­le der aus­ge­stell­ten Kost­bar­kei­ten waren jah­re­lang nicht mehr öffent­lich zu sehen und wer­den ganz neu prä­sen­tiert. Dabei wer­den sie nicht ein­fach nach ihrer Her­kunft grup­piert, son­dern the­ma­tisch zuein­an­der in Bezie­hung gestellt: Wie sehen die Komö­di­an­ten in den ein­zel­nen Manu­fak­tu­ren aus? Wie mal­te man sich die Ori­en­ta­len, die Chi­ne­sen oder die Jah­res­zei­ten aus? Wo waren Kin­der ein The­ma und wo dreh­te sich alles um die Liebe?

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