Leser­brief: “Nicht ganz Neun­kir­chen: Nöths Brief an Innen­mi­ni­ster Herr­mann unkor­rekt”

Mit Ver­wun­de­rung bis Ver­är­ge­rung konn­te Neun­kir­chen im Wie­sent­bo­ten vom 11.November lesen, dass der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Nöth (CSU) im Namen von ganz Neun­kir­chen den raschen Bau der West­um­ge­hung beim Innen­mi­ni­ste­ri­um ein­for­dert. Dabei sind Herrn Nöth sowohl die 800 Neun­kirch­ner Unter­schrif­ten mit einer Fül­le von Kri­tik­punk­ten und Beden­ken gegen die Tras­se bekannt, wel­che bis­her nicht ent­kräf­tet wer­den konn­ten. Auch war Herr Nöth per­sön­lich bei der Ebers­ba­cher Dorf­ge­mein­schaft und konn­te sich dort vor Ort vom mas­si­ven Ver­lust bester Acker – und Wald­flä­chen sowie den gra­vie­ren­den Ein­schnit­ten in Natur und Land­wirt­schaft über­zeu­gen. Mit­ge­nom­men hat er anschei­nend aber nur, was er vor­ab hören woll­te – die Umge­hung wäre not­wen­dig und gewollt, wenn nicht hier, dann eben dort.

Das stimmt aber nicht, weder für die Ebers­ba­cher Bau­ern, noch für einen gro­ßen Teil der Neun­kirch­ner Bür­ger. Die Not­wen­dig­keit der Stra­ße konn­te mit den jüng­sten Ver­kehrs­zäh­lun­gen des Staat­li­chen Bau­am­tes im Früh­jahr die­ses Jah­res wider­legt wer­den. Der Gesamt­ver­kehr ist abneh­mend, im Regio­nal­ver­kehr wer­den zuneh­mend klei­ne­re LKW ein­ge­setzt, die durch­aus die Neun­kirch­ner Tore auf der Staatstra­ße pas­sie­ren kön­nen. Die vor­rüber­ge­hen­de Umlei­tungs­strecke über Igen­s­dorf bis nach Gai­ganz wur­de an einem nor­ma­len Zähl­tag nach­ge­wie­ser­ner Maßen nur von 30 zusätz­li­chen gro­ßen LKW befah­ren – und das im Ver­gleich mit den offi­zi­el­len Zah­len aus dem Jahr 2005. (Zah­len sie­he unter www​.munk​-ev​.de). Die Gefähr­dungs­stel­len im Ort Neun­kir­chen sind nicht durch die West­um­ge­hung zu behe­ben, son­dern nur mit bau­li­chen Maß­nah­men vor Ort und könn­ten sofort ent­schärft wer­den. Allein die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen hal­ten trotz aller Pro­te­ste und Alter­na­tiv­vor­schlä­ge am alten Kon­zept fest, der Stra­ßen­bau sei wirt­schaft­lich not­wen­dig. Ein Umden­ken im Res­sour­cen­ver­brauch, Wirt­schafts­kon­zep­te ohne Schwer­ver­kehr, Erhalt von wert­vol­len Natur­flä­chen, Sen­ken von Ver­kehr und Emis­sio­nen, Stär­ken der öffent­li­chen Nah­ver­kehrs­ver­bin­dun­gen – all das scheint nur in Wahl- oder Sonn­tags­re­den, nicht jedoch im poli­ti­schen Han­deln rele­vant.

Solan­ge Ein­wän­de der Bür­ger auf die­se Art tot­ge­schwie­gen und ver­drängt wer­den, brau­chen sich poli­tisch Ver­ant­wort­li­che nicht über wach­sen­de Pro­test­be­we­gun­gen, sowie Ver­trau­ens­ver­lust in ein­zel­ne Per­so­nen, Par­tei­en oder auch in Pla­nungs­ver­fah­ren zu wun­dern.

Bür­ger­nä­he zeigt sich im Zuhö­ren, Dis­ku­tie­ren und Fin­den von gemein­sa­men, für alle akzep­ta­blen Lösun­gen. Das ist viel­leicht nicht leich­ter, aber sicher effek­ti­ver als pla­ka­ti­ve offe­ne Brie­fe.

Die Bür­ger­initia­ti­ve MUNk e.V. ist für die­se inhalt­li­che und sach­li­che Dis­kus­si­on bereit.

Bet­ti­na Witt­mann, Vor­sit­zen­de Bür­ger­initia­ti­ve Moder­nes und Umwelt­be­wuss­tes Neun­kir­chen e.V.

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