Schwar­zer Tag für die erneu­er­ba­ren Ener­gien: Atom­ge­setz­no­vel­le wur­de ver­ab­schie­det

Zur Abstim­mung der Atom­ge­setz­no­vel­le der schwarz-gel­ben Bun­des­re­gie­rung erklärt die ober­frän­ki­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te von Bünd­nis 90/ Die Grü­nen, Eli­sa­beth Schar­fen­berg:
Die Bun­des­re­gie­rung hat gegen die Stim­men der Oppo­si­ti­on die Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten aller – also auch der alten, stör­an­fäl­li­gen Reak­to­ren, die heu­te nicht mehr geneh­mi­gungs­fä­hig wären – beschlos­sen. Die Ver­ab­schie­dung die­ser Atom­ge­setz­no­vel­le kenn­zeich­net einen schwar­zen Tag für den boo­men­den Markt der Erneu­er­ba­ren Ener­gien. Er behin­dert den wei­te­ren Aus­bau die­ses Zukunfts­mark­tes und stellt eine schwe­re Bela­stung für die vie­len mit­tel­stän­di­schen Betrie­be dar, die in die­se Bran­che inve­stie­ren.

Atom­ener­gie ist schwer zu regu­lie­ren. Sie kann nicht zu Spit­zen­zei­ten hoch gefah­ren wer­den. Sie ist nicht ver­ein­bar mit dem, was wir in Deutsch­land jetzt brau­chen: einen sinn­vol­len Ener­gie­mix aus Wind- und Son­nen­en­er­gie, Bio­gas und ande­ren Erneu­er­ba­ren Ener­gien. Die Lauf­zeit­ver­län­ge­run­gen behin­dern damit die Ent­wick­lung klei­ner dezen­tra­ler Ener­gie­ver­sor­ger und einen wirk­li­chen Wett­be­werb auf dem Ener­gie­markt. Die Ver­lie­rer sind hier­bei die vie­len Regio­nen – auch Ober­fran­ken – in denen sich bereits gan­ze Gemein­den und vie­le Bau­ern ein zwei­tes Stand­bein in der Ener­gie­wirt­schaft auf­ge­baut haben.

Die Atom­kon­zer­ne E.ON, RWE, Vat­ten­fall und EnBW haben bei einer Lauf­zeit­ver­län­ge­rung schon aus Grün­den der Gewinn­ma­xi­mie­rung kein Inter­es­se am Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien. Sie ver­die­nen durch die abge­schrie­be­nen Alt­mei­ler 1 bis 2 Mil­lio­nen Euro pro Tag. Damit wer­den die vier gro­ßen Strom­kon­zer­ne auch wei­ter­hin die Prei­se dik­tie­ren und einen fai­ren Wett­be­werb auf dem Strom­markt ver­hin­dern. Die Lauf­zeit­ver­län­ge­run­gen der Atom­kraft­wer­ke füh­ren also nicht zu mehr Kli­ma­schutz. Sie füh­ren im Gegen­teil dazu, dass eben nicht in moder­ne Kraft­wer­ke inve­stiert wird. Sie gefähr­den zudem die Arbeits­plät­ze von 340.000 Men­schen, die bereits heu­te im Bereich der Erneu­er­ba­ren Ener­gien arbei­ten. Wenn wir mehr für den Kli­ma­schutz tun wol­len, heißt das: Atom­aus­stieg und zwar so schnell wie mög­lich.

Ich habe auch gegen die 11. Atom­ge­setz­no­vel­le gestimmt, weil ent­schei­den­de Sicher­heits­fra­gen nicht geklärt sind. Nicht geklärt ist die Siche­rung der Atom­kraft­wer­ke bei einem Flug­zeug­ab­sturz. Offen ist auch nach wie vor die Fra­ge der End­la­ge­rung des Atom­mülls. Das Erkun­dungs­la­ger Gor­le­ben wird als End­la­ger ange­ge­ben. Ob es geeig­net ist und jemals die­se Funk­ti­on wird aus­fül­len kön­nen, steht in den Ster­nen. Ich kann den Fort­be­trieb die­ser Risi­ko­tech­no­lo­gie, die eine Bür­de für alle nach­fol­gen­den Genera­tio­nen dar­stellt, ohne einen rea­li­sti­schen und nach­hal­ti­gen Bei­trag zu Fra­ge unse­rer Ener­gie­ver­sor­gung zu lei­sten, nicht gut­hei­ßen. Dafür ist der Preis, den wir alle zah­len, zu hoch.