Stadt­rat der Stadt Bam­berg beschließt Reso­lu­ti­on gegen Lauf­zeit­ver­län­ge­rung des AKW Grafenrheinfeld

Ein­stim­mig wur­de in der Voll­sit­zung des Bam­ber­ger Stadt­rats eine Reso­lu­ti­on gegen die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung des Atom­kraft­werks Gra­fen­rhein­feld beschlos­sen. Die Initia­ti­ve dazu kam von den Stadt­rats­frak­tio­nen der SPD und der GAL in einem gemein­sa­men Dring­lich­keits­an­trag. Die Dring­lich­keit begrün­de­te sich durch die in den näch­sten Tagen anste­hen­de Abstim­mung im Deut­schen Bun­des­tag. Die Reso­lu­ti­on ist in ähn­li­cher Form in den betrof­fe­nen Städ­ten Würz­burg, Schwein­furt, in den Gemein­den Schweb­heim, Veits­höch­heim, Gochs­heim, Senn­feld, Berg­rhein­feld und im Land­kreis Würz­burg beschlos­sen worden.

Die Reso­lu­ti­on im Wortlaut

Der Stadt­rat der Stadt Bam­berg appel­liert an die Bun­des­kanz­le­rin, an den Bun­des­mi­ni­ster für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit, an die Frak­tio­nen im Deut­schen Bun­des­tag und an den baye­ri­schen Mini­ster­prä­si­den­ten, die der­zei­tig gel­ten­de Lauf­zeit des Atom­kraft­wer­kes Gra­fen­rhein­feld nicht zu ver­län­gern. In jedem Fall ist bei einer Ver­län­ge­rung der Lauf­zeit von kern­tech­ni­schen Anla­gen eine Ein­zel­fall­prü­fung unter beson­de­rer Betrach­tung der sicher­heits­tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen durchzuführen.

Begrün­dung

Die Bun­des­re­gie­rung hat eine Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten der deut­schen Atom­kraft­wer­ke um 8 bis 14 Jah­re beschlos­sen. Für das in unse­rer direk­ten Nach­bar­schaft befind­li­che Atom­kraft­werk Gra­fen­rhein­feld ist eine Lauf­zeit­ver­län­ge­rung um 14 Jah­re bis zum Jahr 2029 beab­sich­tigt. Das dazu erfor­der­li­che Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren soll als­bald im Bun­des­tag durch­ge­führt werden.

Die Stadt Bam­berg ist auf­grund ihrer direk­ten Betrof­fen­heit vom Atom­kraft­werk Gra­fen­rhein­feld ver­an­lasst, mit der Reso­lu­ti­on Ein­fluss auf die Mei­nungs­bil­dung im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zur Lauf­zeit­ver­län­ge­rung zu neh­men. Die Reso­lu­ti­on fin­det ihre Begrün­dung in dem Gefähr­dungs­po­ten­zi­al, wel­ches für die Stadt Bam­berg von dem Atom­kraft­werk Gra­fen­rhein­feld ausgeht.

Die Reso­lu­ti­on beschränkt sich auf die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung des Atom­kraft­wer­kes Gra­fen­rhein­feld, in des­sen Gefähr­dungs­be­reich die Stadt Bam­berg liegt. Eine wei­te­re Betrof­fen­heit für die Stadt Bam­berg liegt in der u. a. vom Deut­schen Städ­te­tag und dem Ver­band kom­mu­na­ler Unter­neh­men VKU bemän­gel­ten Stär­kung der Wett­be­werbs­po­si­ti­on der gro­ßen Atom­strom­un­ter­neh­men zu Lasten der kom­mu­na­len Stadt­wer­ke, die wie die Stadt­wer­ke Bam­berg im Ver­trau­en auf den Fort­be­stand des Atom­kom­pro­mis­ses beschlos­sen haben, jähr­lich Mit­tel in Erneu­er­ba­re Ener­gien zu investieren.

Das 1981 in Betrieb gegan­ge­ne Atom­kraft­werk Gra­fen­rhein­feld genügt nicht mehr den heu­te an einen Neu­bau zu stel­len­den Sicher­heits­an­for­de­run­gen. Ins­be­son­de­re muss auf den man­geln­den Schutz gegen den Absturz von Flug­zeu­gen und gegen ter­ro­ri­sti­sche Angrif­fe hin­ge­wie­sen wer­den. Min­de­stens in die­sen bei­den Punk­ten hat sich die Gefähr­dungs­ein­schät­zung seit der Inbe­trieb­nah­me so wesent­lich erhöht, dass man von einem Weg­fall der ursprüng­li­chen Beur­tei­lungs­grund­la­ge aus­ge­hen kann.

Das vor 29 Jah­ren in Betrieb genom­me­ne Atom­kraft­werk Gra­fen­rhein­feld ist wie jede tech­ni­sche Anla­ge mit zuneh­men­der Betriebs­dau­er auch stör­an­fäl­li­ger. Das beweist die Stör­an­fäl­lig­keit der älte­ren deut­schen Atom­kraft­wer­ke, die aus die­sem Grund bereits vom Netz genom­men wer­den muss­ten. Ange­sichts der beson­de­ren Gefähr­dungs­si­tua­ti­on ist eine wei­te­re Gefahr­zeit­ver­län­ge­rung und damit Erhö­hung des Gefähr­dungs­po­ten­zi­als des Atom­kraft­wer­kes Gra­fen­rhein­feld nicht zu verantworten.

Bam­berg ist in wei­te­ren Punk­ten betroffen:

Die Haupt­wind­rich­tung im durch­schnitt­li­chen Jah­res­mit­tel ist WSW. Dies stellt die Ziel­rich­tung Bam­berg dar.

Die Stadt Bam­berg setzt statt auf eine Lauf­zeit­ver­län­ge­rung des Atom­kraft­wer­kes Gra­fen­rhein­feld auf die zukunfts­wei­sen­den und ‑sichern­den Maß­nah­men hin­sicht­lich Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Ener­gie­be­darfs­min­de­rung, Nut­zung vor­han­de­ner Poten­tia­le, der Ver­wen­dung von hoch­ef­fi­zi­en­ten Tech­ni­ken und den Ein­satz von erneu­er­ba­ren Energieträgern.

Die Stadt Bam­berg hat zusam­men mit dem Land­kreis eine Kli­maal­li­anz beschlos­sen und sich somit bereits selbst in die Pflicht genom­men, die Ener­gie­ver­sor­gung bis zum Jahr 2035 auf 100% Erneu­er­ba­re Ener­gie­for­men umzubauen.

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