Neu­es Ler­nen braucht mehr Raum

Neu­es Ler­nen braucht mehr Unter­stüt­zung: Pro­fes­sor Dr. Peter Bap­tist, Mit­glied des Fibo­nac­ci-Sci­en­ti­fic-Com­mit­tees und Orga­ni­sa­tor der ersten inter­na­tio­na­len Fibo­nac­ci-Kon­fe­renz an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, for­der­te Kul­tus­be­hör­den dazu auf, dem for­schend-ent­decken­den Ler­nen in Mathe­ma­tik und den natur­wis­sen­schaft­li­chen Fächern künf­tig mehr Raum zu geben.

An der Not­wen­dig­keit, den Mathe­ma­tik- und natur­wis­sen­schaft­li­chen Unter­richt an den euro­päi­schen Schu­len zu ver­bes­sern, zwei­fe­le inzwi­schen nie­mand mehr, so Bap­tist bei einer Pres­se­kon­fe­renz aus Anlass der Fibo­nac­ci-Kon­fe­renz an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth. Die bei­den Fibo­nac­ci-Vor­gän­ger-Pro­jek­te, Pol­len auf euro­päi­scher und SINUS auf deut­scher Ebe­ne, hät­ten sehr deut­lich gezeigt, dass for­schend-ent­decken­des Ler­nen mög­lich ist und nach­hal­tig bes­se­re Ergeb­nis­se erbringt. Vor­aus­ge­setzt Kul­tus­be­hör­den und Leh­rer, Eltern und Schü­ler zie­hen mit.

„Wir begin­nen mit Fibo­nac­ci also kei­nes­wegs bei Null“, so der Bay­reu­ther Pro­fes­sor für Mathe­ma­tik und ihre Didak­tik. Mit dem Kon­gress, an dem 170 Bil­dungs­ex­per­ten aus 28 Län­dern teil­nah­men, sol­le nicht nur auf das bis dato erfolg­rei­che Vor­ge­hen für for­schend-ent­decken­des Ler­nen hin­ge­wie­sen wer­den. „Es geht uns genau­so dar­um, die vie­len guten natio­na­len Initia­ti­ven, die einen ähn­li­chen Ansatz ver­fol­gen, in das über­ge­ord­ne­te euro­päi­sche Pro­jekt ein­zu­bin­den“, so Bap­tist wei­ter.

Von ein­an­der zu ler­nen, ist einer der zen­tra­len Aspek­te des Fibo­nac­ci-Pro­jek­tes. Denn jetzt schon pro­fi­tie­ren Schü­ler an Fibo­nac­ci-Part­ner­schu­len, dar­un­ter auch zehn Gym­na­si­en in Ober­fran­ken, von der neu­en Ein­stel­lung ihrer Leh­rer: Sie stel­len nicht mehr die mathe­ma­ti­sche For­mel in den Mit­tel­punkt ihres Unter­richts. Und sie geben sich auch nicht mehr die Repro­duk­ti­on eines vor­ge­ge­be­nen Lösungs­wegs zufrie­den. Sie for­dern viel­mehr ihre Schü­ler auf, Fra­gen mit Metho­den der Mathe­ma­tik zu beant­wor­ten. Die Umset­zung der Fibo­nac­ci-Stra­te­gie fin­de also bereits jeden Tag an Schu­len und mit Hil­fe von Pilot­pro­jek­ten statt, so Pro­fes­sor Dr. Bap­tist. Die Erfah­run­gen dar­aus wür­den in der Fol­ge in einem Euro­pa umspan­nen­den Netz­werk wei­ter­ver­brei­tet.

Bay­ern wird künf­tig vie­les zu die­sem Erfah­rungs­schatz bei­tra­gen kön­nen. Wie Pro­fes­sor Dr. Bap­tist ankün­dig­te, wer­den ab dem näch­sten Schul­jahr alle Gym­na­si­en im Frei­staat an dem Pro­jekt betei­ligt sein. Der Staats­se­kre­tär im Baye­ri­schen Staats­mi­ni­ste­ri­um für Unter­richt und Kul­tus, Dr. Mar­cel Huber, stell­te sich bei sei­nem Besuch der Fibo­nac­ci-Kon­fe­renz an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth denn auch demon­stra­tiv hin­ter das Vor­ha­ben. „Der Unter­richt an unse­ren Schu­len soll­te Pro­blem­lö­sungs­stra­te­gien in den Mit­tel­punkt stel­len, er soll­te auf Ver­ständ­nis und ver­netz­tes Ler­nen abzie­len“, so der Staats­se­kre­tär. „Kurz gesagt: Weni­ger der Wis­sens­er­werb als viel­mehr der Erwerb von Kom­pe­ten­zen soll­te zen­tral sein.“ Dabei sehe er nicht nur die Leh­rer in der Pflicht. Auch Schul­ver­wal­tun­gen und Kul­tus­be­hör­den sei­en dafür ver­ant­wort­lich, die ange­streb­ten Ver­än­de­run­gen zu unter­stüt­zen und zu för­dern. Eine aus­rei­chen­de Zahl jun­ger und gut aus­ge­bil­de­ter Men­schen in den Berei­chen Mathe­ma­tik, Inge­nieur- und Natur­wis­sen­schaf­ten auf­bie­ten zu kön­nen, sei eine der zen­tra­len öko­no­mi­schen und gesell­schaft­li­chen Zukunfts­auf­ga­ben. „Damit müs­sen wir in den Schu­len anfan­gen und dazu kann Fibo­nac­ci einen beson­de­ren Bei­trag lei­sten“, so Huber.

Die gesell­schafts­po­li­ti­sche Not­wen­dig­keit eines bes­se­ren all­ge­mei­nen Bil­dungs­ni­veaus in Mathe­ma­tik und den Natur­wis­sen­schaf­ten beton­te Pierre Lena von der fran­zö­si­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten. Ob Kli­ma oder Was­ser­ver­sor­gung, Gesund­heit oder Ener­gie – die Gefahr wer­de grö­ßer, dass Men­schen ange­sichts kom­ple­xer The­men ihrer Ver­ant­wor­tung als Bür­ger und Wäh­ler nicht mehr gerecht wer­den könn­ten, weil es ihnen an Infor­ma­ti­on man­gelt. Fibo­nac­ci setz­te einen Kon­tra­punkt, am Ende des Pro­jek­tes wer­den laut Lena 150.000 Schü­ler in ganz Euro­pa mit der bes­se­ren Art zu ler­nen in Berüh­rung gekom­men sein.

Mit dem Pro­jekt Pathway ist die Uni­ver­si­tät Bay­reuth maß­geb­lich an einem zwei­ten euro­päi­schen Bil­dungs­pro­jekt, das auf for­schend-ent­decken­des Ler­nen in den natur­wis­sen­schaft­li­chen Fächern abzielt, betei­ligt. Wie der Pathway-Ver­ant­wort­li­che und Inha­ber des Lehr­stuhls für Didak­tik der Bio­lo­gie, Pro­fes­sor Dr. Franz X. Bogner, erklär­te, ist es der Uni­ver­si­tät Bay­reuth gelun­gen, zwei der bis­lang drei von der Euro­päi­schen Uni­on aus­ge­schrie­be­nen Bil­dungs­pro­jek­te für eine neue Form des Ler­nens für sich zu gewin­nen, zu gestal­ten und zu steu­ern.

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