“The Fibo­nac­ci Pro­ject Euro­pean Con­fe­rence” an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth

Fibo­nac­ci macht Fort­schrit­te: Die erste inter­na­tio­na­le Kon­fe­renz des von der Euro­päi­schen Uni­on geför­der­ten Fibo­nac­ci-Pro­jek­tes fin­det am Diens­tag, 21. und Mitt­woch, 22. Sep­tem­ber, an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth statt. Ziel des Pro­jek­tes, das 25 Insti­tu­tio­nen aus 21 Län­dern ein­schließt, ist die Ver­brei­tung des Kon­zepts eines for­schend-ent­decken­den Unter­richts zur Ver­bes­se­rung der mathe­ma­tisch-natur­wis­sen­schaft­li­chen Aus­bil­dung. Auf des­sen Basis sol­len Schü­ler in Euro­pa mehr Inter­es­se und Freu­de an Mathe­ma­tik und Natur­wis­sen­schaf­ten ent­wickeln.

Nach Anga­ben von Pro­fes­sor Dr. Peter Bap­tist, Inha­ber des Lehr­stuhls Mathe­ma­tik und ihre Didak­tik an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth und Mit­glied des Fibo­nac­ci-Sci­en­ti­fic-Com­mit­tees, wer­den mehr als 140 Teil­neh­mer die zwei­tä­gi­ge Kon­fe­renz besu­chen. Die Orga­ni­sa­to­ren haben hoch­ka­rä­ti­ge Red­ner gewon­nen – unter ihnen den der­zei­ti­gen Prä­si­den­ten der Kul­tus­mi­ni­ster­kon­fe­renz, den Baye­ri­schen Staats­mi­ni­ster für Unter­richt und Kul­tus, Dr. Lud­wig Spa­en­le. Er wird poli­ti­sche Zie­le in Bezug auf die mathe­ma­ti­sche und natur­wis­sen-schaft­li­che Aus­bil­dung an Schu­len erläu­tern.

Die euro­päi­sche Per­spek­ti­ve ver­tritt Dusan Sid­jan­ski – er ist enger Bera­ter des Prä­si­den­ten der EU-Kom­mis­si­on Jos´e Manu­el Bar­ro­so in Bil­dungs­fra­gen. Sid­jan­ski wird in Bay­reuth zu dem The­ma „Euro­pas kul­tu­rel­les Erbe und die Rol­le von Natur­wis­sen-schaf­ten und Mathe­ma­tik“ spre­chen. Ulrich Trot­ten­berg, Lei­ter des Fraun­ho­fer Insti­tuts für Algo­rith­men und wis­sen­schaft­li­ches Rech­nen in Sankt Augu­stin, beleuch­tet das Span­nungs­ver­hält­nis des Mathe­ma­tik­un­ter­richts zwi­schen Rea­li­tät und Zukunft. Aus der künf­ti­gen Welt­haupt­stadt für Mathe­ma­tik kommt der mit vie­len wis­sen­schaft­li­chen Prei­sen aus­ge­zeich­ne­te Gün­ter M. Zieg­ler (TU Ber­lin). Er stellt Über­le­gun­gen zur Rol­le und Bedeu­tung der Mathe­ma­tik in der Schu­le an. Pierre Lena von der Fran­zö­si­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten spricht über die Rele­vanz der wis­sen­schaft­li­chen Erzie­hung für die Gesell­schaft. In Work­shops wer­den die Kon­fe­renz­teil­neh­mer an kon­kre­ten Ansät­zen arbei­ten, wie aus dem häu­fig noch demo­ti­vie­ren­den Unter­richt in den natur­wis­sen­schaft­li­chen und mathe­ma­ti­schen Fächern eigen­stän­di­ges for­schend-ent­decken­des Ler­nen wer­den kann. Oder wie Pro­fes­sor Dr. Bap­tist es for­mu­liert: „Bei unse­rer Art des Ler­nens ste­hen nicht Regeln und For­meln im Vor­der­grund. Wir ver­bin­den soweit mög­lich den Schul­stoff mit rea­li­täts­na­hen Pro­ble­men und schaf­fen so ein nach­hal­ti­ges Ver­ständ­nis für Mathe­ma­tik.“

Auf welch unge­wöhn­li­chen und inspi­rie­ren­den Wegen Schü­ler Zugang zur Mathe­ma­tik fin­den, hat Pro­fes­sor Dr. Bap­tist auch bereits mit dem Schwei­zer Künst­ler Eugen Jost gezeigt. Aus dem gemein­sa­men mathe­ma­tisch-künst­le­ri­schen Pro­jekt „Alles ist Zahl“ sind zwei Kunst-Kalen­der mit Erläu­te­run­gen, ein Buch sowie eine Wan­der­aus­stel­lung ent­stan­den, die mehr als 125 000 Schü­ler in ganz Deutsch­land gese­hen haben. Eugen Jost wird bei der Kon­fe­renz in Bay­reuth zei­gen, wie gut Mathe­ma­tik und Kunst har­mo­nie­ren.

Hin­ter­grund:
Mit 25 Insti­tu­tio­nen aus 21 euro­päi­schen Län­dern und einem För­der­vo­lu­men von fünf Mil­lio­nen Euro ist Fibo­nac­ci das größ­te euro­päi­sche Bil­dungs­pro­jekt im sieb­ten For­schungs­rah­men­pro­gramm der EU. Der Ansatz ist gesamt­eu­ro­pä­isch, das Fibo­nac­ci-Netz wird bald noch dich­ter. Bis 2013 sol­len min­de­stens 24 wei­te­re Part­ner in das Pro­jekt ein­ge­bun­den wer­den. Die wis­sen­schaft­li­che Koor­di­na­ti­on tei­len sich der Lehr­stuhl für Mathe­ma­tik und ihre Didak­tik der Uni­ver­si­tät Bay­reuth (für das Fach Mathe­ma­tik) und die Eco­le nor­ma­le supé­ri­eu­re (für die natur­wis­sen­schaft­li­chen Fächer). Neben der Uni­ver­si­tät Bay­reuth brin­gen aus Deutsch­land noch die Uni­ver­si­tä­ten Augs­burg (Schwer­punkt Mathe­ma­tik, Grund­schu­le) und FU Ber­lin (Schwer­punkt Natur­wis­sen­schaf­ten) ihre Erfah­run­gen aus den Fibo­nac­ci-Vor­läu­fer­pro­gram­men SINUS und SINUS-Trans­fer sowie Pol­len ein.

Aus­gangs­punkt des Bil­dungs­pro­jek­tes waren alar­mie­ren­de Ergeb­nis­se eines Berichts, den der frü­he­re fran­zö­si­sche Pre­mier­mi­ni­ster Michel Rocard gemein­sam mit einer hoch­ka­rä­ti­gen Exper­ten­grup­pe vor­ge­legt hat­te. In dem Report unter dem Titel „Sci­ence Edu­ca­ti­on Now: A Rene­wed Pedago­gy for the Future of Euro­pe“ ist von drin­gen­dem Hand­lungs­be­darf die Rede: „Aus zahl­rei­chen Stu­di­en geht her­vor, dass immer mehr jun­ge Men­schen in Euro­pa ihr Inter­es­se an natur­wis­sen-schaft­li­chen Fächern und an der Mathe­ma­tik ver­lie­ren. Trotz zahl­rei­cher kon­kre­ter Pro­jek­te und Maß­nah­men, mit denen die­ser Trend umge­kehrt wer­den soll, ist nur wenig Fort­schritt erkenn­bar. Wenn kei­ne wirk­sa­me­ren Maß­nah­men ergrif­fen wer­den, wer­den Euro­pas lang­fri­sti­ge Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit und auch die Qua­li­tät sei­ner For­schung lei­den.“

Eine reel­le Chan­ce, die Trend­um­kehr zu schaf­fen, sieht die Kom­mis­si­on in der Abkehr von her­kömm­li­chen, häu­fig demo­ti­vie­ren­den Unter­richts­me­tho­den (For­meln ler­nen, For­meln anwen­den, Prü­fung able­gen) und in einer Zuwen­dung zu eigen­stän­di­gem for­schend-ent­decken­den Ler­nen (IBS­ME, inqui­ry based sci­ence and mathe­ma­tics edu­ca­ti­on).

Hin­wei­se zur Teil­nah­me:
Die Tagung rich­tet sich an Leh­rer und Erzie­her, Wis­sen­schaft­ler, Poli­ti­ker, Ver­bands­ver­tre­ter und an die inter­es­sier­te Öffent­lich­keit. Eine Tagungs­ge­bühr wird nicht erho­ben. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Anmel­dun­gen im Inter­net unter www​.fibo​nac​ci​-con​fe​rence​.eu