Erz­bi­schof Schick Bam­berg äußert sich zum Fall Thi­lo Sarrazin

„Mit emo­tio­na­ler Empö­rung und Raus­schmiss ist es nicht getan.“

(bbk) „Inte­gra­ti­on ist die wich­tig­ste Auf­ga­be für die Zukunft Deutsch­lands” beton­te Bam­bergs Erz­bi­schof Lud­wig Schick, der zugleich Beauf­trag­ter der deut­schen Bischofs­kon­fe­renz für die Welt­kir­che ist.

Sar­ra­zin habe unhalt­ba­re Argu­men­te benutzt und gefähr­li­che ras­si­sti­sche Aus­sa­gen gemacht . Von die­sen müs­se er sich klar distan­zie­ren und ent­schul­di­gen. „Beson­ders in Deutsch­land dür­fen wir sol­che Äuße­run­gen nicht ste­hen las­sen. Aber wahr bleibt, dass wir einen ekla­tan­ten Man­gel an Inte­gra­ti­on haben und dass die­ser Deutsch­land zu zer­rei­ßen droht.” Bei uns leb­ten eine nicht zu unter­schät­zen­de Zahl von Men­schen, die bewusst oder unbe­wusst nur ihr Leben und über­le­ben such­ten, auch sol­che, die nur auf ihren Vor­teil aus sei­en und reich wer­den woll­ten. „Das gilt aber nicht nur für Aus­län­der. Auch Deut­sche tra­gen dazu bei, dass sich eine Spar­ten­ge­sell­schaft bil­det. Arm und Reich trif­ten aus­ein­an­der, auch Behin­der­te, Lang­zeit­kran­ke, Alte und kin­der­rei­che deut­sche Fami­li­en sind zu wenig inte­griert”, so Schick.

Jede Gesell­schaft lebe aber davon, dass den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern das Gemein­wohl mehr gel­te als das Eigen­wohl, der Gemein­nutz mehr als der Eigen­nutz. In einem Sozi­al­staat müss­ten die Star­ken die Schwä­che­ren stüt­zen und för­dern. Die Hal­tung der Soli­da­ri­tät müs­se von der Poli­tik ein­ge­for­dert und gesell­schaft­lich ein­ge­übt wer­den. Für die­sen Inte­gra­ti­ons­pro­zess sei sicher die deut­sche Spra­che und gute Schul­bil­dung not­we­nig, aber er müs­se auch auf Wer­te­be­wusst­sein hinzielen.

„Sich über Sar­ra­zin zu ent­rü­sten, ihn raus­zu­schmei­ßen und dann zur Tages­ord­nung über­zu­ge­hen, wäre fatal. Nach­den­ken und Han­deln im Sinn einer gemein­wohl­ori­en­tier­ten Inte­gra­ti­on ist gefor­dert”, so der Erzbischof.

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