Wind­kraft­an­la­gen: Offe­ner Brief von MdL Nöth an Land­rat Denz­ler

Fort­schrei­bung des Regio­nal­plans Ober­fran­ken-West

Sehr geehr­ter Herr Land­rat,
lie­ber Gün­ther,

mit gro­ßem Erstau­nen habe ich die Nie­der­schrift über die drit­te Sit­zung des Pla­nungs­aus­schus­ses des Regio­na­len Pla­nungs­ver­ban­des Ober­fran­ken-West vom Diens­tag, 4. Mai 2010, im Land­rats­amt Bam­berg zur Kennt­nis genom­men. Vor allem der Punkt 2 „Fort­schrei­bung des Regio­nal­plans Ober­fran­ken-West“ hat mich mehr als irri­tiert. In einer gro­ßen Gemein­schafts­ak­ti­on ist es den Gemein­den im Land­kreis, dem Kreis­tag und vor allem mir als Initia­tor gelun­gen, den Staats­be­trieb Baye­ri­sches Staats­for­sten zu über­zeu­gen von Pla­nun­gen zur Errich­tung wei­te­rer Wind­kraft­an­la­gen abzu­se­hen. Dies war ein äußerst müh­sa­mes Unter­fan­gen. Doch aus schrift­li­chen Zusa­gen des Baye­ri­schen Forst­mi­ni­sters geht her­vor, dass defi­ni­tiv die vor­ge­se­he­nen Stand­or­te im Bereich der Gemein­den Egloff­stein und Grä­fen­berg nicht mehr bebaut wer­den, obwohl bereits Vor­ver­trä­ge mit einem Inve­stor vor­han­den waren und die Staats­for­sten hier­für Geld­zah­lun­gen erhiel­ten.

Zur Ver­deut­li­chung mei­nes Anlie­gens darf ich Dir den Kreis­tags­be­schluss vom 17.12.2008 bei­le­gen, aus dem die Stel­lung­nah­me des Kreis­ta­ges Forch­heim zu die­sem The­men­kom­plex klar ersicht­lich wird. Die über­aus gro­ße Mehr­heit im Kreis­tag Forch­heim wünscht in der Frän­ki­schen Schweiz kei­ne neu­en Stand­ort­aus­wei­sun­gen für neue Wind­kraft­an­la­gen. Die­se Ent­schei­dung wur­de in kla­rer Abwä­gung mit den im Regio­nal­plan sowie im Lan­des­ent­wick­lungs­pro­gramm dar­ge­stell­ten Zie­len für den Natur­park Frän­ki­sche Schweiz/​Veldensteiner Forst getrof­fen. Wir neh­men die im Regio­nal­plan Ober­fran­ken-West dar­ge­stell­ten Vor­be­halts­flä­chen für die Wind­kraft­an­la­gen Nr. 12 und Nr. 13 hin, dar­über hin­aus­ge­hen­de Vor­schlä­ge wer­den nicht akzep­tiert.

Wenn ich nun auf Sei­te 4 der Nie­der­schrift der Sit­zung des Regio­na­len Pla­nungs­aus­schus­ses vom 4. Mai den Beschluss lese, dass auf Vor­schlag der Regio­nal­be­auf­trag­ten Ode­wald eine Über­ar­bei­tung des Wind­kraft­kon­zep­tes des­halb not­wen­dig sei, weil die Anfra­gen für Wind­kraft­an­la­gen auch außer­halb der bis­he­ri­gen Flä­chen gestie­gen sind und dass jetzt auch evtl. Wald­ge­bie­te hier­für in Fra­ge kämen, weil höhe­re Naben­hö­hen wei­te­re Gebie­te für geeig­net erschei­nen las­sen, dann läuft dies unse­ren bis­he­ri­gen Bemü­hun­gen – zumin­dest im Land­kreis Forch­heim – ein­deu­tig zuwi­der. Ich sehe in die­sem Beschluss, der auf Vor­schlag der Regi­ons­be­auf­trag­ten bei der Regie­rung von Ober­fran­ken zustan­de kam, einen kla­ren Ver­such, Beschlüs­se der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung aus­zu­höh­len, zu umge­hen und letzt­end­lich zu kip­pen. Empö­rend fin­de ich zudem die Aus­sa­ge, dass in ganz Ober­fran­ken die glei­chen Kri­te­ri­en für die Errich­tung von Wind­kraft­an­la­gen gel­ten und damit für Inve­sto­ren und Kom­mu­nen die­sel­ben Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen wer­den sol­len. Dies klingt mir zu sehr nach „Beglückung“ von oben und nach Gleich­ma­che­rei.

Als Land­kreis mit einem hohen Frei­zeit- und Erho­lungs­wert möch­ten wir kei­ne Beein­träch­ti­gung des lang­sam wach­sen­den Tou­ris­mus und aller Bemü­hun­gen der Natur- und Kul­tur­pfle­ge durch eine wei­te­re „Ver­spar­ge­lung“ der Land­schaft. Wir weh­ren uns bereits in der Anfangs­pha­se ent­schie­den gegen der­ar­ti­ge Über­le­gun­gen, weil wir aus den jüng­sten Erfah­run­gen mit den Baye­ri­schen Staats­for­sten genau wis­sen, wie unge­mein schwer es ist selbst Vor­pla­nun­gen, geschwei­ge denn ein erstell­tes Wind­ener­gie­kon­zept wie­der zu ver­än­dern. Set­zen wir daher unse­re Ener­gien und Res­sour­cen nutz­brin­gen­der ein als in eine Pla­nung, die von der Mehr­heit der Bür­ger­schaft abge­lehnt wird.

Lie­ber Gün­ther, ich bit­te Dich herz­lich mein Pro­test­schrei­ben ernst zu neh­men und dar­auf ein­zu­wir­ken, dass nicht von einer Pla­nungs­be­hör­de „Nägel mit Köp­fen“ gemacht bzw. Fak­ten geschaf­fen wer­den, die nur Unmut und Ver­är­ge­rung in der Bevöl­ke­rung her­vor­ru­fen.

Ich möch­te abschlie­ßend beto­nen, dass ich kein Geg­ner der Wind­kraft bin. Ich befür­wor­te die­se alter­na­ti­ve Ener­gie­quel­le. Jedoch sol­len Wind­kraft­an­la­gen dort errich­tet wer­den, wo die Effi­zi­enz am höch­sten ist, wo sie von den Bür­ger akzep­tiert wird und wo kei­ne Zer­stö­rung der Land­schaft erfolgt. Die Frän­ki­sche Schweiz ist eine über Jahr­hun­der­te gewach­se­ne Natur- und Kul­tur­land­schaft mit hohem Frei­zeit- und Erho­lungs­wert. Wind­kraft­an­la­gen wür­den die­se belieb­te Regi­on unwi­der­ruf­lich zer­stö­ren. Ich bedaue­re, dass die Ver­tre­ter des Land­krei­ses Forch­heim im Regio­na­len Pla­nungs­ver­band bei der Behand­lung die­ses Tages­ord­nungs­punk­tes die von mir ange­spro­che­ne Pro­ble­ma­tik nicht the­ma­ti­sier­ten und auf die Beschluss­la­ge des Kreis­ta­ges von Forch­heim hin­wie­sen.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Dein

Edu­ard Nöth, MdL

Schreibe einen Kommentar