Muse­en der Stadt Bam­berg haben Braut­kro­ne erwor­ben

Fränkische Brautkrone

Frän­ki­sche Braut­kro­ne

In der letz­ten Juli­wo­che fin­det tra­di­tio­nell das Forch­hei­mer Anna­fest statt. Frü­her war es üblich, dass jun­ge, unver­hei­ra­te­te Mäd­chen anläss­lich des Festes Braut­kro­nen, in der Regi­on auch „Flit­ter­krän­ze“ oder „Hohe Krän­ze“ genannt, tru­gen. Eine sol­che Braut­kro­ne konn­ten die Muse­en der Stadt Bam­berg jüngst für ihre Samm­lung erwer­ben.

Die vor­lie­gen­de Braut­kro­ne kommt aus Forch­heim und ent­spricht dem Typ, wie er im süd­li­chen Land­kreis Forch­heim getra­gen wur­de. Sie wur­de wahr­schein­lich in der Werk­statt der Fami­lie Ammon in Reuth Mit­te des 19. Jahr­hun­derts gefer­tigt.
Die Mäd­chen in Fran­ken erhiel­ten die Flit­ter­krän­ze meist zur Kom­mu­ni­on von ihrer Mut­ter oder ihrer Patin und tru­gen sie nur zu beson­de­ren Anläs­sen. Das letz­te Mal bei der Hoch­zeit. Teils wur­den sie ver­erbt, teils neu gekauft. Nur rei­che Bau­ern oder Hand­wer­ker konn­ten sie sich lei­sten. Arme Fami­li­en konn­ten sie sich in man­chen Orten lei­hen. Es gab spe­zi­el­le Putz­ma­cher, die sich auf deren Fabri­ka­ti­on spe­zia­li­sier­ten. Das Hand­werk starb aus und wur­de spä­ter wie­der belebt, um Braut­kro­nen für Trach­ten­grup­pen zu machen. Die Kro­nen wur­den hier­bei nach alten Vor­bil­dern gefer­tigt.

Die Braut­kro­ne besteht im obe­ren Bereich aus einem umlau­fen­den Ring aus Pap­pe, auf den unzäh­li­ge Mes­sing­blech­plätt­chen (Flit­ter) in Form von Son­nen mit gedreh­tem Mes­sing­draht auf­ge­steckt wur­den. Der Stirn­be­reich der Kro­ne ist mit einem Gold­band belegt auf dem acht klei­ne­re Blü­ten aus Mes­sing­draht, gefärb­ten Mes­sing­blätt­chen und roten, grü­nen oder blau­en Glas­per­len ange­bracht sind.

Detailansicht

Detail­an­sicht

Der obe­re Bereich der Kro­ne weist acht auf­wen­dig gestal­te­te drei­rei­hi­ge Blü­ten aus den glei­chen Mate­ria­li­en auf. Dar­über befin­den sich 16 auf­ge­steck­te Sträu­ße aus Mes­sing­draht und klei­ne­ren Glas­per­len. Aus dem obe­ren Bereich der Kro­ne fal­len zudem acht abwech­selnd gol­den und sil­bern gefärb­te Draht­kor­deln in den Stirn­be­reich her­ab. Der innen lie­gen­de Pappring ist mit wei­ßem Stoff bezo­gen. An ihm sind auch zwei 50 cm lan­ge rote Bän­der ange­bracht. Die Braut­kro­ne ist in einem sehr guten Zustand. Wahr­schein­lich wur­de in der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­dert eine „Restau­rie­rung“ durch­ge­führt, da die Braut­kro­ne Pla­stik­per­len und Bän­der aus Kunst­fa­sern auf­weist.

Braut­kro­nen oder ande­re spe­zi­el­le Kopf­be­deckun­gen für Bräu­te tre­ten an vie­len Orten der Welt auf. Auch inner­halb Deutsch­lands selbst unter­schei­den sie sich von Regi­on zu Regi­on. In Nürn­berg wur­den zur­zeit der Renais­sance Flit­ter­hau­ben, damals „Flin­der­hau­ben“ genannt, von rei­chen Patri­zie­rin­nen getra­gen. Ein sol­ches Exem­plar befin­det sich heu­te im Ger­ma­ni­schen Natio­nal­mu­se­um. Flit­ter, in Form von klei­nen Son­nen, wur­de schon früh in Nürn­berg her­ge­stellt. Auch in ande­ren deut­schen Städ­ten waren so genann­te Gold­hau­ben vor allem wäh­rend des 18. Jahr­hun­derts beliebt.

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