Uni­ver­si­tät Bay­reuth eröff­net For­schungs­stel­le für Nahrungsmittelqualität

Die Wis­sen­schaft­ler in den Labors haben ihre Arbeit bereits auf­ge­nom­men – jetzt ist die jun­ge For­schungs­stel­le für Nah­rungs­mit­tel­qua­li­tät (ForN) der Uni­ver­si­tät Bay­reuth am Max Rub­ner-Insti­tut in Kulm­bach auch offi­zi­ell ihrer Bestim­mung über­ge­ben. Hoch­ran­gi­ge Red­ner aus Wis­sen­schaft, Wirt­schaft und Poli­tik waren sich bei dem Fest­akt zur Eröff­nung einig: ForN ist ein Zukunfts­pro­jekt. Weil ForN Kom­pe­ten­zen bün­delt, Ener­gien einer Regi­on zusam­men­fasst und ober­frän­ki­sche Exper­ti­se im Nah­rungs­mit­tel­sek­tor natio­nal und inter­na­tio­nal sicht­bar macht.

Als ein Pio­nier­vor­ha­ben bezeich­ne­te denn auch der Vize­prä­si­dent der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, Pro­fes­sor Dr. Hans-Wer­ner Schmidt, in sei­nem Gruß­wort die­se neue For­schungs­stel­le. Die Uni­ver­si­tät Bay­reuth stre­be Koope­ra­tio­nen mit und Ansied­lun­gen von außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen in einem lang­fri­sti­gen, stra­te­gi­schen Kon­zept an. „ForN über­nimmt dabei ganz gewiss eine Vor­rei­ter­rol­le“, so Schmidt vor knapp hun­dert Gästen. Zugleich ste­he die neue For­schungs­stel­le bei­spiel­ge­bend für den inter­dis­zi­pli­nä­ren Ansatz, auf den die Uni­ver­si­tät Bay­reuth in vie­len Berei­chen ihrer For­schung baut. „Inter­dis­zi­pli­nä­re For­schung hat einen hohen Stel­len­wert, weil sich auf die­sem Weg For­schungs­pro­fi­le her­aus­ar­bei­ten las­sen. Und weil aus gebün­del­ter Exper­ti­se ein Mehr­wert ent­steht“, so Schmidt wei­ter. Dass ForN Mehr­wert auf dem gesell­schaft­lich so wich­ti­gen Gebiet der Nah­rungs­mit­tel­qua­li­tät lie­fe­re, freue ihn besonders.

ForN ver­zeich­net bereits erste Erfol­ge und ist auf Dau­er ange­legt: Dies beton­te der Direk­tor der For­schungs­stel­le für Nah­rungs­mit­tel­qua­li­tät und Inha­ber des Lehr­stuhls für Mikro­bio­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, Pro­fes­sor Dr. Ort­win Mey­er. Bis zur Jah­res­mit­te 2015 ist die Finan­zie­rung aus Mit­teln des euro­päi­schen För­der­to­pfs EFRE gesi­chert. „Und auch dar­über hin­aus garan­tiert die Uni­ver­si­tät Bay­reuth dafür, dass ForN mit der glei­chen Auf­ga­be und zumin­dest der glei­chen Aus­stat­tung wei­ter betrie­ben wird“, so Mey­er. Wobei er auf eine deut­li­che Expan­si­on hoffe.

Dass die für ForN not­wen­di­gen 1,84 Mil­lio­nen Euro auf­ge­bracht wur­den, sieht der Direk­tor als „bei­spiel­haf­te Gemein­schafts­lei­stung von Uni­ver­si­tät, Poli­tik und Wirt­schaft“. So sei es trotz schwie­rig­ster Bedin­gun­gen mög­lich gewe­sen, dass Unter­neh­men der Lebens­mit­tel­bran­che aus dem Raum Kulm­bach ihren Bei­trag zum 50-pro­zen­ti­gen Eigen­an­teil der Gesamt­ko­sten lei­ste­ten. Das Enga­ge­ment der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, nicht zuletzt das des ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten Pro­fes­sor Dr. Hel­mut Rup­pert, wür­dig­te Mey­er eben­so aus­drück­lich wie den erheb­li­chen Ein­satz des Kulm­ba­cher Ober­bür­ger­mei­ster Hen­ry Schramm.

Die neue For­schungs­stel­le ver­fügt der­zeit bereits über zwei Arbeits­grup­pen, die sich dem The­ma Nah­rungs­mit­tel­qua­li­tät auf unter­schied­li­che Art wid­men. Die Arbeits­grup­pe für nicht inva­si­ve Ana­ly­tik macht Qua­li­tät und Fri­sche von Lebens­mit­teln schnell und pra­xis­ge­recht mess­bar. Die­se Grup­pe hat jüngst einen erfolg­rei­chen Antrag an die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft gerich­tet – damit wer­den ForN wei­te­re Mit­tel und Stel­len zuflie­ßen. Die zwei­te Arbeits­grup­pe mit einem Schwer­punkt auf Bio­ana­ly­tik befasst sich mit Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Mikro­or­ga­nis­men und Ölsaa­ten, zum Bei­spiel Sesamsaat.

Bei­de Grup­pen wer­den künf­tig noch stär­ker mit den Kom­pe­ten­zen ver­netzt, die die Uni­ver­si­tät Bay­reuth im Bereich Lebens­mit­tel bereits seit gerau­mer Zeit hat. Neben den Gesundheits‑, Sport- und Natur­wis­sen­schaf­ten befasst sich an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth eine For­schungs­stel­le für deut­sches und euro­päi­sches Lebens­mit­tel­recht und bald auch eine Stif­tungs­pro­fes­sur für Ver­brau­cher­recht mit die­sem The­men­be­reich. Mey­ers Ziel ist es, die gebün­del­te wis­sen­schaft­li­che Exper­ti­se der Hoch­schu­le mit der tech­no­lo­gie­ori­en­tier­ten Arbeit des Max Rub­ner-Insti­tuts und der indu­stri­ell-gewerb­li­chen Pra­xis der Part­ner aus der Wirt­schaft zu kom­bi­nie­ren. „Ich bin sicher, dass damit unser inter­dis­zi­pli­nä­res For­schungs­feld an Inten­si­tät und Sicht­bar­keit gewin­nen wird.“ Aus die­sem Ver­bund wer­de in naher Zukunft auch Leh­re am Stand­ort Kulm­bach resul­tie­ren. Bereits im Win­ter­se­me­ster 2010/2011 wür­den zwölf Stu­die­ren­de ein Modul auf dem Gebiet der Lebens­mit­tel­wis­sen­schaf­ten in Kulm­bach absol­vie­ren. Ange­strebt wird ein eige­ner Bache­lor-Stu­di­en­gang „Lebens­mit­tel­wis­sen­schaf­ten“.

„Mit ForN liegt die Koope­ra­ti­on zwi­schen Kulm­bach und Bay­reuth ganz vorn“, brach­te es Regie­rungs­vi­ze­prä­si­den­tin Petra Platz­gum­mer-Mar­tin auf den Punkt. ForN sei erfolg­reich, weil sei­ne Initia­to­ren Ober­fran­kens Struk­tu­ren kon­se­quent genutzt hätten.

Neue Akzen­te, neue Tätig­keits­fel­der und neue Jobs – dafür stün­den Pro­jek­te wie die For­schungs­stel­le für Nah­rungs­mit­tel­qua­li­tät, erklär­te Hans-Albert Ruck­de­schel, Geschäfts­füh­rer der Ire­ks GmbH. Er dank­te jenen Kulm­ba­cher Unter­neh­men, die bei der Ein­rich­tung der For­schungs­stel­le ihren Finan­zie­rungs­bei­trag gelei­stet haben.

Die Koope­ra­ti­on zwi­schen der Uni­ver­si­tät Bay­reuth und dem Max Rub­ner-Insi­tut, die seit lan­gem besteht und sich jetzt in der For­schungs­stel­le für Nah­rungs­mit­tel­qua­li­tät mani­fe­stiert, sieht der Beauf­trag­te des Prä­si­den­ten des MRI am Stand­ort Kulm­bach, Pro­fes­sor Dr. Fre­di Schwä­ge­le, auf einem sehr guten Weg. Gemein­sa­me natio­na­le und inter­na­tio­na­le Pro­jek­te der Lebens­mit-tel­for­schung unter Ein­be­zie­hung des Lebens­mit­tel­rechts zeich­ne­ten sich bereits ab. Ein Stu­di­en­gang „Lebens­mit­tel­wis­sen­schaf­ten“ der Uni­ver­si­tät wer­de die Sicht­bar­keit der For­schungs­stel­le zudem stei­gern. Und er gehe ange­sichts der ForN-Allein­stel­lungs­merk­ma­le davon aus, dass sich die Kulm­ba­cher Ein­rich­tung gegen­über Zen­tren in den baye­ri­schen Bal­lungs­räu­men gut behaup­ten wer­de, so Schwä­ge­le wei­ter. Nach der Ein­rich­tung eines Inter­na­tio­na­len Kom­pe­tenz­zen­trum für Fleisch sei die For­schungs­stel­le der Uni­ver­si­tät Bay­reuth eine zwei­te Initi­al­zün­dung für den MRI-Stand­ort Kulmbach.

„Ich wer­de alles dafür tun, dass dies nicht die letz­te Ein­wei­hung war“, erklär­te Kulm­bachs Ober­bür­ger­mei­ster Hen­ry Schramm in sei­nem Gruß­wort. Er sto­ße bei der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung zuneh­mend auf Ver­ständ­nis dafür, dass der Lebens­mit­tel­stand­ort Kulm­bach, der mit der neu­en For­schungs­stel­le deut­lich auf­ge­wer­tet wer­de, wei­ter­ent­wickelt wer­den müs­se. Mit der Ein­rich­tung des Inter­na­tio­na­len Kom­pe­tenz­zen­trums Fleisch habe der Bund einen Akzent gesetzt – „jetzt ist Mün­chen dran“, so Schramm.

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