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Der Mythos von der benachteiligten Frau

Ein Beitrag von Frank Langenfeld am Dienstag, 13. Mrz 2007, 10:27


Rubrik: Leserbriefe

Leserbrief zu der Pressemitteilung von Anette Kramme zum Weltfrauentag:

Frauentag ist Klagetag. Angeblich verdienen Frauen ein Viertel weniger, und das wird bevorzugt von SPD- und DGB-Damen bemängelt. Tatsache ist: Bei sehr grobschlächtiger Interpretation des Begriffs "gleiche Arbeit" ergibt sich nach diversen Studien auf den ersten Blick in der Tat ein Einkommensrückstand von Frauen, der zwischen 20 und 25 Prozent liegt. Dieser Rückstand schmilzt aber auf ein Minimum dahin, sofern man gewisse Kriterien berücksichtigt, die eine wirkliche Vergleichbarkeit der Tätigkeiten überhaupt erst ermöglichen, wie Ausbildungsniveau, Überstundenbelastung/Arbeitszeit, Dauer der Betriebszugehörigkeit usw. Von einer tatsächlichen "Lohndiskriminierung" von Frauen kann demnach kaum die Rede sein.

Dies gilt erst recht, wenn man noch die unterschiedlichen Wertvorstellungen männlicher und weiblicher Beschäftigter berücksichtigt: Frauen legen mehr Wert auf Jobsicherheit und ein angenehmes Arbeitsumfeld, während Männern Gehalt und Aufstiegschancen wichtiger sind. Kein Wunder, sind sie es doch, die mehrheitlich die Familien ernähren müssen, nicht die Frauen.

Ein weiterer Grund, der dagegen spricht, die Behauptung „Frauen verdienen x Prozent weniger als Männer“ so ohne weiteres als gegeben hinzunehmen: Unternehmer, die heutzutage unter sehr hohen Kostenbelastungen leiden, müssten theoretisch fast nur noch Frauen einstellen, wenn diese tatsächlich so viel preiswertere Arbeitskräfte wären. Selbst wenn sie das Risiko von Schwangerschaften mit einrechnen, würden sie durch die Einstellung weiblicher Arbeitnehmer unterm Strich enorm viel Geld einsparen. Der Umstand, dass sie immer noch in großer Zahl Männer einstellen, ist daher ein eindeutiges Indiz dafür, dass die regelmäßig beklagte Lohndiskriminierung von Frauen ins Reich der Mythen und Märchen gehört.

Frauentag ist auch Fordertag. Frauen müssten häufiger im Segment der Besserverdiener vertreten sein, fordert Kramme. Na dann: BWL, VWL und Ingenieurwissenschaften studieren statt Kunstgeschichte und Germanistik. Auch mal 65-Stunden-Wochen schieben statt pünktlich Feierabend machen. Und selber mal häufiger Verantwortung übernehmen, statt den Mann das ganze Geld verdienen lassen.

Dass Frauen bei unter 1000 Euro Einkommen den Löwenanteil stellen, liegt nicht daran, dass sie in Billig- und Teilzeitjobs abgedrängt werden, sondern daran, dass sie meist einen Mann haben oder hatten, von dessen Gehalt, Unterhalt oder Witwenrente/Erbschaft sie leben. Daher sind sie weit seltener als Männer darauf angewiesen, einem Vollzeitjob nachzugehen. Verheirateten Frauen steht außerdem laut einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die Hälfte des Familieneinkommens zu. Daher müsste bei der Angabe des Einkommens verheirateter Frauen nicht ihr eigenes Einkommen gewertet, sondern die Hälfte des Familieneinkommens angesetzt werden.

Und: Da Männer weiterhin in der Mehrzahl Familienernährer und -versorger sind, ernähren sie auch als Rentner die Frauen noch mit, ob lebendig oder tot. Das erklärt die geringere Rentenhöhe von Frauen. Nur: Frauen gehen früher in Rente und leben länger als Männer. Und zwar (als Witwen) von Geld, das der Mann unter anderem für sie erwirtschaftet hat. Männer füllen die Rentenkassen, Frauen leeren sie.

Frau Krammes "Belege" für die Benachteiligung von Frauen sind samt und sonders an den Haaren herbeigezogen.

Frank Langenfeld
Mönchengladbach