Der Neue Wiesentbote

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Leserbrief: Neujahrsspaziergang durch Forchheim mit kritischem Blick

Datum: Mittwoch, 03. Januar 2007, 21:16

Forchheim - Am Neujahrstag machte ich mir das "Vergnügen" und erkundete ohne den üblichen Alltagszeitdruck meine Heimatstadt Forchheim. Leider war es ausserhalb der Altstadt mit der Lieblichkeit und Schönheit Forchheims schnell vorbei. An der Bayreuther Strasse beherrschen Billigdiscounter und ein Fastfoodrestaurant das Bild. In das Wiesenttal bohrt sich ein neuer Industriebetrieb. Denke ich. Aber falsch. Es ist das neue Krankenhaus. Wo einst ein schönes Wäldchen mit gesunden Bäumen stand und das Stadtbild prägte, verbreitet jetzt ein asphaltierter Parkplatz von zwei Supermärkten graue Tristesse. Irgendwelche architektonischen oder städtebaulichen Reize und Konzepte kann ich leider nicht erkennen. Schnell wieder weg hier.

Kein schönerer Anblick im Forchheimer Süden.

Dort wuchern immer neue Gewerbegebiete wie eine Krebszelle in die Landschaft. Brauchen wir die wirklich, obwohl doch viele vorhandene Gewerbeflächen brach liegen, frage ich mich? Vielleicht zerschneidet bald eine geplante Umgehungsstrasse das Gebiet vollends. Sichert dieses sogenannte Wachstum wirklich unsere Zukunft wie uns manche politische Größen erklären wollen? Mir fällt auf, das in vielen Städten und Gemeinden der gleiche Wahnsinn regiert. Schliesslich muss man sich ja Konkurrenz machen, anstatt miteinander zu kommunizieren. Forchheim baut den Globus, Erlangen die Arcaden...und und und...immer toller, immer größer. Seelenlos, anonym, kalt.

Nächstes Projekt in Forchheim: Von unserem schönen Freibad soll nach dem Umbau nur noch eine schöne Erinnerung übrigbleiben. Beschlossen von einem Großteil des Stadtrates der, wie sich erst nach Gründung einer Bürgerinitative herausstellte, ohne ausreichende Informationen und Planungsunterlagen entschied. Und das bei fast 20 Millionen Euro Steuergeldern die hier verbaut werden sollen!

Doch auch hier erkenne ich Parallelen zu anderen Städten. Und die geben mir Mut und Zuversicht für die Zukunft. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger beginnen sich einzumischen, werden aktiv und nehmen ihre demokratischen Rechte wahr. Zahlreiche Bürgerentscheide verhindern manch unsinniges Projekt.

Und nun bin ich doch wieder stolz auf meine Heimatstadt Forchheim. Viele aktive Menschen haben dafür gesorgt, das es am 07.01.07 zum ersten Bürgerentscheid kommt. Eine fast schon historische Chance. Durch den Gang ins Wahllokal können wir alle den Vorschlag der Bürgerinitative unterstützen und die bisher von der politischen Mehrheit nicht gewollte Bürgerbeteiligung kommt endlich in Gang.

Den verantwortlichen Politikern wünsche ich, das sie dies als Hilfe und Chance für ein Umdenken nutzen, anstatt sich schmollend ihrer scheinbaren Alleinherrschaft beraubt zu sehen.

Rainer Völlmer
Rebenstr. 26 A
91301 Forchheim