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Leserbrief: Ganzjahresbad statt Freibad? - Ja, aber wo anders!

Ein Beitrag von David Keltsch am Samstag, 16. September 2006, 12:59


Rubrik: Leserbriefe

An die Stadträte:

Der 19. September, Stadtratsversammlung ab 16 Uhr, könnte für die Forchheimer ein Trauertag werden. Denn dies ist der Tag, an dem wir ein großes Wahrzeichen und mächtigen Teil Forchheims, von uns selbst, verlieren und aufgeben könnten. Ich schreibe dies mit Trauer und Bitterkeit über das alte Forchheimer Freibad, das uns so viele glückliche Jahre geschenkt hat. Dieser Zeit soll jetzt ein jähes Ende gemacht werden.

Wie schon so oft sieht es so aus, dass unser Oberbürgermeister Franz Stumpf fast im Alleingang den Neubau des Freibades geplant hat und ihn nun mit allen Mitteln durchführen will. Stelle man sich vor, eine einzelne Person will sich in einer Demokratie über die Wünsche und Bedürfnisse vieler hinwegsetzten: Undenkbar? Nein – nicht in Forchheim...dies geschieht hier nach meiner Meinung in letzter Zeit zu häufig. Der Gedanke scheint schrecklich, nie wieder die schöne friedliche Abendstimmung im Sommer zu verspüren, die Aussicht vom „5er“ genießen zu können, das Geschlechterspiel der Jugendlichen treiben zu sehen, ewig am Beckenrand zu sitzen und den Forchheimern beim schwimmen zuschauen zu können in einer romantischen, historisch-nostalgischen Umgebung unter alten Bäumen und weiten Wiesen in der Sonne zu liegen und zu entspannen, nach stressiger Schule oder hartem Arbeitstag. Nie hätte man gedacht, dass die Idylle einmal von Menschen, die nicht einmal in dieses Bad gehen, also nicht am Geschehen sind, zerstört wird.

Nun wird ein moderner Zeitgeist voller Trauer und Qual im Angedenken an diese Zeit einziehen in einem neumodischen spaßorientierten Hallenbad wie überall anders auch. Vieles wird dann für immer verloren gehen, die Individualität und Exklusivität im Vergleich mit anderen Bädern, die ideale Verschmelzung von Spaß und Spiel, weitläufiger Liegeplatz, bei dem keiner auf dem anderen sitzt und schattige Beisammensein unter rauschenden Bäumen noch genossen werden können.
„Muss das sein?“ frage ich. NEIN! Es gibt in Forchheim genügend freie Plätze, außerhalb der Stadt (neues südliches Industriegebiet), die reichlich Platz und eine bessere Position für so ein Projekt bieten. Da das ganze Freibad quasi neu aufgebaut und die Schwimmbecken anders verteilt bzw. zugeschüttet werden sollen (für neuen limitierteren Liegeplatz), sollte dies doch wirklich an einem neuerschlossenen Gelände einfacher zu realisieren sein. Denn die weit aus zahlreicheren Gäste die angelockt werden sollen, brauchen im Sommer doch ihre Sonnenmöglichkeiten. Und wer sorgt sich aus Habgier und Profitwillen denn überhaupt noch um die alten Stammgäste, die ihre angestammten Plätze verlieren, ihre wunderbaren Erlebnisse und Erinnerungen. Ihnen wird die Hoffnung und Freude auf eine weitere schöne Badesaison gestohlen und dafür eine Wellnesswelt vorgegaukelt, die schöner als das bisherige Freibad sein soll. Nicht einmal ansatzweise!

Ich habe mit zu vielen Stammgästen gesprochen um dies bestätigen zu können. Das Kulturerbe Freibad wird ausgelöscht und abgelöst durch einen Trug und Schein moderner Hässlichkeit. Das weit über Forchheims Grenzen hinaus bekannte Wahrzeichen, der Fünf-Meter-Turm, soll fallen, das alte Schwimmerbecken mit dem schönsten von hand gemeißelten Rand soll modern mit Blech verkleidet werden, die schönen Kinderbecken und das fast hundert Jahre alte denkmalwürdige Kleinkinderbecken mit Pergola...all dies aufgeben? Viele Forchheimer meinen nicht, mit einer einfachen Verlegung des neuen Bades wäre dies möglich. Die umstrittenen Eintrittspreise könnten gehalten bzw. besser getrennt werden. Die alten Alleebäume würden erhalten bleiben genauso wie die weiträumige Spiel- und Liegewiese. Auch müsste nicht eine ganze Freibadsaison 2007 ausfallen.

Als ich endlich nach langen Diskussionen und Wartezeit die Pläne für den Neubau in Augenschein nehmen durfte (Aushang am 12.09. im Hallenbad) war ich erschüttert und verzweifelt. Und natürlich bleibt nur eine Woche bis zur Abstimmung – wie praktisch: so bleibt bis zur Abstimmung im Stadtrat für die Bürger nur eine Woche Zeit für eventuelle Gegenaktionen, was wohl kaum machbar ist. Der Umbau würde das Bad total verändern und einen harten Einschnitt in Kultur und Lebensweisen der Bürger bedeuten. Es bleibt nur wenig Zeit zu intervenieren, wenn dies überhaupt noch möglich ist, deshalb bitte ich die Stadträte die Frage eines Neubaues des Freibad Forchheims noch einmal zu überdenken. Ein anderer Bauplatz wäre eine Erleichterung für so viele bangende und trauernde Freibadgänger, die sicher auch dieses neue Bad gerne in Anspruch nehmen würden, aber dies nicht täglich im Sommer können oder wollen. Sehe man sich z. B. die zu hohen Kosten an: wie soll sich denn ein Schüler jeden Tag die 4 Euro leisten können?! Sollen diese stattdessen andere Freibäder in der Region aufsuchen müssen, um das zu finden, was sie wünschen, die ständige Fahrerei und Umwelt- sowie Benzinkosten auf sich nehmend.
Die neuen Sprunggelegenheiten wären ein Witz im Vergleich zum alten Sprungturm. Die neuen Rutschen wären für Kinder zwar geeignet, aber bei der kurzen Distanz nur ein vorrübergehender Spaßfaktor bei täglichem Badespaß im Sommer. Die Innenbecken, zumeist für Kleinkinder, würden nie einen Ersatz bieten können, zudem sie nicht im Freien für ein Sommerbad geeignet scheinen. Die schnellen „Franken-Pommes“, die besten der Welt: rot-weiß, gibt es ja ohnehin schon nicht mehr, nach dem dubiösen Brand des Kiosks. Naja, kann man gleich einen neuen hinpflanzen. Spart der Stadt eine menge Geld; aber wie viel ist schon die Zufriedenheit der Wähler wert?!

Mit einem separaten Baugrund würden alle Parteien zufrieden gestellt werden, jene, die ihr altes Freibad lieben und behalten wollen und die, die sich bei Kinderlärm und stickiger Luft im Sommer innen bei Sauna und Wirlpool entspannen können. Deshalb flehe ich Euch an uns unser Bad zu lassen. Bitte lehnt die Pläne ab und entscheidet über einen alternativen Bauplatz.

Ihr wohl bald ehemaliger Freibadbesucher
David Keltsch (24)