Der Neue Wiesentbote

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Kunst & Genuss rund ums Walberla

Datum: Dienstag, 20. Juli 2004, 14:33

23.7.2004: Gleichzeitige Vernissage von 15 Künstlern in 12 Gasthäusern

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Alle Achtung: Die Pressekonferenzen des Tourismus-Vereins "Rund ums Walberla" werden immer professioneller - und damit den Themen angemessen. Längst spielt der Verein in der "kulturellen Oberliga" der Region, Projekte wie die "kulinarische Rundreise" oder der "Tag der offenen Brennereien" sind mittlerweile auch überregional bekannt und finden weitreichende Beachtung. Auch das jüngste Kind des Vereins hat das Zeug zu einem kulinarisch-kulturellem Dauerbrenner: "Kunst & Genuss rund ums Walberla" vereint fränkische Künstler und fränkische Gastronomie zu einem Event, der in dieser Form zumindest in unserer Region ein Novum darstellt.

Bericht / Fotos: Alexander Dittrich

Pressekonferenz im Hotel Berg-Gasthof Hötzelein

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Dementsprechend gestaltete der Verein die Pressekonferenz im Hotel Berg-Gasthof Hötzelein in Regensberg. In edel-rustikalem Ambiente stellten Kreisheimatpfleger Andreas Weber, Initiator Volker Hahn sowie die beiden Vorsitzenden Ernst-Jürgen Dahlmann und Fritz Sponsel das Projekt den geladenen Medienvertretern vor. Neben den beiden Tageszeitungen NN und FT sowie dem "Neuen Wiesentboten" war auch der Bayerische Rundfunk in Gestalt von Wolfram Welzer vertreten - der Beitrag wird am Freitag früh im Programm Bayern II gesendet.

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Jeder der vier Redner setzte andere Akzente und beleuchtete das Projekt aus seiner Sichtweise. Andreas Weber schlug eine Brücke vom Mittelalter zur aktuellen Kunstszene (sein Beitrag ist Weiter unten zu lesen) und setzte Albrecht Dürer, die gerade in Forchheim laufende Landesausstellung "Franken im Mittelalter" und die gegenwärtigen fränkischen Künstler in Beziehung.

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Volker Hahn ging auf die Entstehungsgeschichte des Projekts ein und erzählte dazu auch eine kleine Anekdote zum aktuellen Stand: Er habe zusammen mit einem Künstler in einer Gastwirtschaft einige abstrakte Bilder aufgehangen, und der junge Wirt habe die Bilder sehr skeptisch betrachten und gemeint, damit könne er nichts anfangen. Daraufhin habe ein ältere Dame, welche die Szene beobachtet habe, bemerkt: "Aber ich, ich kann damit etwas anfangen!" - was Volker Hahn als gutes Omen für die Veranstaltung nahm.

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Ernst-Jürgen Dahlmann rief ein anderes Projekt des Vereins in Erinnerung und bezeichnete die Ausstellung als "eine sinnvolle Ergänzung der kulinarischen Reise durchs fränkische Jahr". Seine Dankesworte an die beteiligten Personen verband er mit einer Vision: "Dies sind die ersten Kulturwochen "Kunst & Genuß" rund ums Walberla, wir alle hoffen aber, dass dies der Auftakt einer bleibenden Einrichtung werden wird. Ziel muß es sein, dass "Kunst&Genuß" so begehrt wird, dass sich die Künstler bewerben um daran teilnehmen zu können.

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Fritz Sponsel stellte eine Verbindung zwischen den Künstlern und den Wirten her: "Produkte aus unserer Heimat entfalten unter der Phantasie und unter den kreativen Händen unserer Köche neue Reize. Essen verwandelt sich in ein Stück Alltagskultur, das viel mit einem sensiblen Gaumen und nichts mit einem überfüllten Magen zu tun hat. Die Nähe zur bildenden Kunst ist offensichtlich." Kunst und Genuss würden eine neue Einheit eingehen, denn "Die ausgestellten Kunstwerke zeigen, wieviel Schönheit und Kreativität im Alltag des südlichen Oberfranken verborgen ist und durch den gemeinsamen Blick von Künstler und Betrachter erweckt und genossen werden kann."

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Musikalisch umrahmt wurde das Pressegespräch von der Singgruppe "Ehrabochä Baggäs", begleitet von Eberhard Hofmann an Quetsche und Zither. Die vorgetragenen fränkischen Lieder spiegelten den manchmal derben Humor der Franken, der sich in einer kargen Landschaft entwickelte und auch nach vielen Jahren nichts von seiner Intensität eingebüßt hat. Es wird wirklich Zeit, unser fränkisches Liedgut wieder neu zu entdecken! Die Ausstellung "Kunst & Genuss" bietet die beste Gelegenheit dazu: Bei der Vernissage in 12 Gaststätten werden auch ebensoviele Sängergruppen auftreten und einen Einblick in den reichen Schatz der fränkischen Lieder geben.

Ausführliche Informationen zu der Veranstaltungsreihe finden Sie im Netz unter www.kunstgenuss.walberla.de


Statement von Kreisheimatpfleger Dr. Andreas Otto Weber bei der Eröffnung von Kunst und Genuß

Kunst und Genuß
Ursprung der Initiative: Januar im Gasthaus Sponsel in Kirchehrenbach anläßlich eines fränkisch-französischen kulinarischen Abends mit gleichzeitig einer Vernissage des Nürnberger Künstlers Volker Hahn
Der Rahmen: Bayerische Landesausstellung "Franken im Mittelalter". Dieses größte Kulturereignis Bayerns im Jahr 2004 bringt seit dem 11. Mai zehntausende Besucher nach Forchheim und in sein Umland.

Kunst im Wirtshaus und Franken im Mittelalter - wie paßt das zusammen?

Am Ende der Zeit, die die Forchheimer Ausstellung beschreibt, lebt in Franken ein Künstler der das Mittelalter verläßt:

Albrecht Dürer.

Dürer kann als der Künstler gelten, der die Landschaft wirklich entdeckte und die Wirklichkeit in die Landschaftsdarstellung als Prinzip brachte. Dürers berühmte Aquarelle zeigen, daß sich der Künstler für seine Studien in die Umgebung seiner Heimatstadt Nürnberg hinausgewagt hat. Diesen Streifzügen verdanken wir die ältesten realistischen Ansichten der ländlichen Welt in der Kunstgeschichte. Das Dorf Kalchreuth kann so als das Dorf der Welt gelten, von dem die älteste realistische Ansicht existiert.

Doch Dürer ist noch weiter in das Umland Nürnbergs vorgedrungen.

1518 entstand seine Eisenradierung "Die große Kanone". Auf ihr hat Dürer als Hintergund die Silhouette des Walberla verwendet. Wir sehen deutlich die charakteristische Plateauform des Berges, die schon damals bestehenden Obstplantagen, daneben das Schloß Wiesenthau und ein Dorf, das man vielfach als Kirchehrenbach interpretiert hat. Es ist dies die älteste Darstellung der Landschaft rund um das Walberla. Dürers Beschäftigung mit der Landschaft hatte in der Kunstgeschichte weitreichende Folgen, weit über unsere Region hinaus: Dürer war der Künstler, der die Kunst des Südens, die Kunst der Rennaissance mit der Kunst des Nordens, der beginnenden Landschaftsmalerei, in Verbindung brachte. Durch Dürer kam die realistische Darstellung der Landschaft in die italienische Malerei, vor ein paar Jahren hat dies eine große Ausstellung im Palazzo Grassi in Venedig deutlich gezeigt.

Damit beginnt also die Beschäftigung der Kunst mit der Region.

Die Landschaft, die Dürer malte und zeichnete, zog dann vor allem in der Zeit der Romantik im beginnenden 19. Jahrhundert die Künstler geradezu massenhaft an. Bald hingen in allen Salons die überzeichneten Stiche mit Felsen und Burgen in der Landschaft, die man damals als "schweizerisch", also pittoresk gebirgig empfand. Es entstand das romantische Bild der Fränkischen Schweiz, das bis heute ungebrochen von vielen Malern weitergepflegt wird.

Die Ideen der Romantik wurden in neuerer Zeit immer mehr verkitscht. Die Fränkische Schweiz wurde ebenfalls verkitscht. Von diesem kitschigen Bild, das meist die sogenannte "gute alte Zeit" im Visier hat, löst sich auch die Kunst erfreulicherweise mehr und mehr. Bei unserer Veranstaltung wollen wir zeigen, wie sich regionale Künstler mit der fränkischen Landschaft heute auseinandersetzen und womit sich Künstler auf Dürers Spuren heute sonst noch beschäftigen.

Da sich auch Dürer bei seinen Streifzügen sicher hie und da in einem Wirtshaus stärkte, kam schnell die Idee zustande, daß man diese Kunstschau am besten in den Wirtshäusern in der Umgebung von Forchheim stattfinden lassen könnte.

Kunst und Genuß sind nämlich sehr gut miteinander vereinbar.

Der Tourismusverband "Rund ums Walberla" bot sich hier als gleichzeitig überschaubarer und gut organisierter Partner an. Ich darf an dieser Stelle vor allem dem Vorsitzenden, Herrn Dahlmann danken, der von Anfang an von der Idee überzeugt war. Mein Dank gilt dann allen beteiligten Wirten, die ihre Gaststuben bis in den Oktober hinein zu Galerien machen. Ihnen, Herr Hötzelein, gilt mein besonder Dank für Ihre Gastfreundschaft für unseren heutigen Pressetermin!

Gleichzeitig können die Wirte mit diesem besonderen Programm viele Besucher der Landesaussstellung erwarten, die nach dem Forchheimer Ausstellungsbesuch sich auch noch auf den Weg machen und den Kultourpfad Franken erkunden wollen. Im Forchheimer Umland sind Egloffstein, mit meiner Ausstellung über die Ritterfamilie der Herren von Egloffstein und Tüchersfeld mit der Ausstellung über die fränkische Bierkultur die wichtigsten Kultourpfadorte.

Nun will ich aber last but not least zu den Hauptpersonen kommen.

14 Künstler aus der Region haben sich auf das Wagnis eingelassen in ganz unterschiedlichen Wirtshäusern ihre Werke auszustellen. Die Fäden hat Volker Hahn aus Nürnberg gezogen, dem ich dafür ganz herzlich danke! Herr Hahn wird auch gleich die einzelnen Künstler vorstellen.

Ihnen Herr Hahn müssen wir alle auch dafür danken, daß Sie in Ihrem Nürnberger Büro diesen attraktiven Prospekt gemacht haben, der alle Künstler und alle Wirtshäuser vorführt. Dieser Prospekt ist gleichzeitig der wichtigste Wegweiser für die Gäste aus aller Welt, die nach Forchheim kommen und von Forchheim hoffentlich alle in das Land rund ums Walberla weiterreisen werden um hier Kunst und Genuß zu erleben.

Am kommenden Freitag wird dann die ganze Landschaft rund um das Walberla zu einer großen Kunstvernissage mit 12 Spielorten. Man kann fast sagen: Am Freitag werden die ersten Walberla-Kunstfestspiele eröffnet.

Damit diese außergewöhnliche Vernissage auch musikalisch auf hohem und - das muß man betonen - echt regionalem Niveau sein wird, hat Herr Eberhard Hofmann, der Vorsitzende des Arbeitskreises Volksmusik des Fränkische-Schweiz-Vereins seine Kontakte spielen lassen und so erreicht, daß bei den Vernissagen in jedem Wirtshaus eine andere Musikgruppe echte und unverfälschte fränkische Volksmusik spielen werden. Ihnen Herr Hofmann und allen Mitwirkenden Musikern danke ich für dieses vorbildliche Engagement ganz herzlich! Und nun darf ich Herrn Hahn bitten die Künstler vorzustellen!