Der Neue Wiesentbote

Die Online-Zeitung für die Fränkische Schweiz

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Tag der offenen Brennereien brachte Besucherströme

Datum: Freitag, 24. Oktober 2003, 00:12

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Es war sicherlich die erfolgreichste PR-Maßnahme in der - zugegebenermaßen noch jungen - Geschichte des Tourismusvereins "Rund ums Walberla - Ehrenbürg". Mit dieser Publikumsresonanz hatte niemand gerechnet - ab 10 Uhr vormittags waren viele Brennereien voller Besucher, und selbst in den entlegeneren Orten wie Ortspitz war ab mittag "die Hölle los". Kein Wunder, dass in der Abschlussbesprechung am Dienstag ausnahmslos strahlende Gesichter bei den Schnapsbrennern zu sehen waren. Einer Wiederholung des publikumswirksamen Events im nächsten Jahr steht nichts mehr im Wege.

Bericht: A. Dittrich, Fotos: O. Schoene, R.E. Porter

Anklicken zum Vergrößern Es hatte aber auch alles gepasst. Das ausgezeichnete Wetter lockte viele Wanderer und Erholungssuchende noch einmal in die Fränkische Schweiz, und so ein Besuch bei einer Brennerei war wohl ein willkommener Höhepunkt eines an sich schon schönen Tagesausflugs. Die Medienresonanz vor allem in den Printmedien war enorm, viele Vorankündigungen zusammen mit halbseitigen Anzeigen sorgten für einen auch überregionalen Bekanntheitsgrad. Auch die Internet-Werbung auf den Homepages des Vereins, der Brenner und nicht zuletzt auf Forchheim-Online und im Neuen Wiesentboten hatte Erfolg: Selbst aus Neuburg an der Donau (über 200 km!) kamen Besucher, die über das Internet von der Veranstaltung erfuhren.

Der Neue Wiesentbote war natürlich ebenfalls unterwegs - ein schwieriges Unterfangen, zugegeben. Galt es doch, möglichst alle Brennereien zu besuchen, aber auf ausgedehnte Schnapsproben zu verzichten. Nächstes Mal leisten wir uns einen Fahrer ...

Anklicken zum Vergrößern Gegen Mittag gings los, unsere geistige Rundreise beginnt in Kirchehrenbach in der Brennerei des Schwarzen Adlers. Reges Treiben bei Fritz Sponsel, der schon langsam heiser wird, weil er seit dem Vormittag aus dem Vortragen nicht mehr rauskommt. Seine beiden Söhne unterstützen ihn nach Kräften, der ältere erklärt die Destillieranlage fast wie ein Profi. Willkommene Entlastung für den Vater, der eine Probe nach der anderen einschenkt und die feinen Unterschiede im Detail erschmeckbar und erlebbar macht. Was Fritz Sponsel zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: An diesem Abend sollte es quasi einen Rekord in der 30jährigen Geschichte seines Wirtslebens geben. Ab etwa 20 Uhr hieß es "Nichts geht mehr - alles ausverkauft!" Kein Stückchen Fleisch war mehr da, ein deutliches Indiz für die hohen Besucherzahlen dieses Sonntags.

Anklicken zum Vergrößern Weiter nach Leutenbach. Auch beim "Drummer" ist gut was los. Brauereiführungen sind ja seit eh und jeh beliebt, gerade bei kleinen Brauereien. Und die Brauerei Drummer ist zumindest regional bestens bekannt bei den Wanderern, die sich wohl alle eingefunden haben, um mal zu sehen, wie der "Stoff", der die wohlverdiente Brotzeit begleitet, eigentlich hergestellt wird.

Anklicken zum Vergrößern Auf gehts nach Mittelehrenbach, heute sozusagen ein "Kleinzentrum in Sachen Schnaps": Gleich drei Brennereien öffnen ihre Pforten. In einem Fachwerk-Bauerngehöft die Brennerei Singer, in derem Hof es zugeht wie auf einer Kirchweih. "Küchla" und "Brodwörscht" gehen über die improvisierten Theken, und am Schnapsstand herrscht dichtes Gedränge. Manfred Singer in der Brennstube ergeht es genauso wie Fritz Sponsel, aber die Begeisterung über den hohen Andrang überwiegt natürlich.

Anklicken zum Vergrößern Ein paar Meter weiter im Hof von Ernst-Jürgen "Teddy" Dahlmann herrscht Jahrmarkt-Stimmung, dort findet sich ein kleiner Flohmarkt aus einer Haushaltsauflösung. Dichtes Gedränge beim Gewinnspiel "Erkennen Sie den Brand?" - das "Blindverkosten mit Schnapserkennen" entpuppt sich als Renner. Ebenso die Backspezialitäten der Nachbarin: ausverkauft in Null komma nix. Und in der Brennstube herrscht das dichteste Gedränge bisher. Teddy Dahlmann erklärt ein ums andere Mal seine traditionsreiche Brennanlage von 1870, die von der Konstruktion her einmalig in der Gegend ist. Zwischendurch muss er raus und die Kehle anfeuchten, auch er wird mit der Zeit heiser vom vielen Reden.

Anklicken zum Vergrößern Bei Willi Schmidt setzt sich das Geschehen fort, auch hier leichte Mengenprobleme. Die Äpfel des Bioland-Hofes finden reißenden Absatz, nicht nur in flüssiger Form. "Sowas habe ich ja noch nicht erlebt - wenn ich das gewusst hätte, ich hätte noch viel mehr Obst verkaufen können." Na, das nächste Mal klappts sicher noch besser.

Anklicken zum Vergrößern Wir brechen wieder auf und besuchen Micha Riegel-Engelhardt (nicht zu verwechseln mit dem "Schnapsbartel" Norbert Engelhardt!) in ihrem "Geist-Reich" in Maigisch - oder, für die weniger Ortskundigen: Weingarts. Auch sie erzählt uns, dass sie seit heute morgen im Verkaufsraum "festsitzt". "Ich komm hier einfach nicht weg. Ich weiß nicht mal genau, was draußen alles vorgeht!" Draußen sorgen ein paar mittelalterlich gekleidete Jongleure für Stimmung, Esel laufen über den Hof. Wir klettern die steile schmale Stiege hoch zu Meister Engelhardt in das Allerheiligste. Auch hier wieder viele aufmerksame und interessierte Zuhörer, die sich in die Geheimnisse des Schnapsbrennens einweihen lassen.

Anklicken zum Vergrößern Nur ein paar Meter weiter bei Georg Beutners "Feesenhof" eine bekannte Szene: "Brodwörschd hommä kaane meä. A aanzicha Weißwuaschd is nu doo. Willsd si?" Der Andrang hat eben alle überrascht, und auch beim "Feesenhof" nehmen die Leute viel Obst mit: Der Unterschied zur Massenware in den Supermärkten ist halt doch überdeutlich. Draußen vor der Brennerei hält inzwischen die Pferdekutsche, die zwischen "Geist-Reich" und "Feesenhof" die Leute transportiert, auf einem kleinen Umweg durch die herbstlich eingefärbte Weingartser Flur. Oft sind die einfachen Vergnügen die schönsten ...

Anklicken zum Vergrößern Wir reißen uns los und fahren (wir haben bisher ja keinen Schnaps probiert!) weiter nach Dobenreuth. Vater und Sohn Wilhelm teilen sich die Besucherströme: Der Vater erläutert die Vorgänge beim Brennen und der Sohn führt durch die Obstplantagen. Beide sind überrascht über das große Interesse der Besucher und natürlich sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Aktion. In der Brennerei der Wilhelms steht ein blitzblankes Ungetüm, unverkennbar neuerer Bauart, gepflegt wie ein Kunstwerk im Wohnzimmer, ganz offensichtlich der Stolz der Besitzer. Wir geben es zu: Hier haben wir den ersten Schnaps probiert. Ein ganz ausgezeichneter Stoff!

Anklicken zum Vergrößern Doch die Pflicht ruft, wir eilen weiter zur benachbarten Brennerei von Ernst Lang, die etwas versteckt in einem hinteren Hof liegt. Dort wird heute - ganz untypisch für die Region - Korn gebrannt. Allerdings nicht für Gaumenfreuden, sondern zu Industriezwecken. Aber natürlich hat auch Ernst Lang eine Reihe von Spezialitäten auf Lager, über die er die Besucher aufklärt, sie kosten lässt und an die er die eine oder andere Flasche verkauft.

Anklicken zum Vergrößern Vorletzte Station: Brennerei Hack in Elsenberg. Der kleine Ort ist fast komplett zugeparkt! Die Hacks schießen den Vogel ab - die große Maschinenhalle ist leergeräumt, drinnen finden sich Stände für Bier, Brotzeit, Kaffee und Küchla und natürlich Schnäpse und Liköre. Wer trauen unseren Augen nicht: Die große Halle ist gut gefüllt, auf gut neudeutsch ein "Mega-Event". Frau Hack ist bester Laune, wen wunderts. In der Brennerei wird Waldhimbeergeist destilliert, der Senior erläutert auf unnachahmlich karge Art den Vorgang. Hier treffen wir auf unseren Mitstreiter R.E. Porter, ganz untypisch bei Kaffee und Kuchen (obwohl es sein geliebtes Greif-Bier gab ...). Nach einer stärkenden Brotzeit - mit einem wunderbaren Pressack! - machen wir uns auf zur letzten Station, quer durch Hügel und Täler hinauf nach Ortspitz zum "Peterhof".

Anklicken zum Vergrößern Trotz des fortgeschrittenen Nachmittags immer noch reges Treiben, besonders die Probierstube findet Zuspruch. Hier sind ganze Batterien blinkender Flaschen aufgebaut, allein vom Anblick bekommt man Lust auf ein Schlückchen. Da es ja unsere letzte Station ist, genehmigen wir uns auch eine kleine Probe. Ständig kommen neue Besucher, wir unterhalten uns angeregt. Nicht nur die Brenner sind begeistert, auch die Besucher. Wir treffen viele, die tatsächlich alle Brennereien abgeklappert haben. Und ein Wunsch wird mehrfach an uns herangetragen: Zur Veranstaltung passende, nicht allzu lange Wanderungen wären doch eine gute Idee, oder nicht? Finden wir auch, das nächste Mal halt. Frau Reichhold berichtet uns, dass seit dem späten Vormittag der Andrang groß war. Und dass - wie wir ja schon mehrfach bemerkt haben - das Interesse für das Obst aus eigenem Anbau besonders hoch war.

Anklicken zum Vergrößern Friede, Freude, Eierkuchen? Aber ja. Endlich mal eine Veranstaltung mit durchweg positiven Ergebnissen. Die einzigen wirklichen Probleme: Der Besucheransturm war unerwartet groß, einige Angebote waren zu schnell ausverkauft. Wie auch immer, die Brenner haben viele Anregungen für das nächste Mal gesammelt, und weitere gemeinsame Aktionen sind in Planung. Wir gratulieren den Brennern und dem Tourismusverein "Rund ums Walberla" zu der gelungenen Marketing-Aktion!

Informationen im Internet unter www.walberla.de