Das Wort "Schnaps" hat einen vulgären Beigeschmack. Es duftet nach
Fusel, schmeckt nach hemmungslosen Suff und erinnert an die
Volkskrankheit Alkoholismus. Die im Landkreis Forchheim rund ums
Walberla angesiedelten Privatbrennereien setzen diesem negativen
Image Widerstand entgegen. Sie legen Wert darauf, dass sie Träger einer
uralten Alltagskultur sind. Als "Schnapsbrenner" produzieren sie
etwas "Feines", das ist die wörtliche Übersetzung des altarabischen Wortes
"alcool". Sie wollen nicht zum Rausch verführen, sondern stellen
Qualität her, die zu kultiviertem Geschmack und Genuss anregt.
Pressemitteilung des Tourismusvereins "Rund ums Walberla". Von Herbert Gebert.
Am
kommenden Sonntag (19.Oktober), dem "Tag der offenen Brennereien"
soll dies zwischen Dobenreuth und Weingarts demonstriert werden. 480
Brennereien gibt es in Oberfranken, 299 davon allein im Landkreis
Forchheim. Zehn von ihnen präsentieren ihre Spezialitäten auf einem
"geistigen Rundweg", der in Dobenreuth beginnt.
Bei der Brennerei
Lang findet ein "Schaubrennen" statt, ein Programmpunkt, der sich bei den
anderen Anlaufstationen wiederholt. Die benachbarte Brennerei Wilhelm
zeigt das Einmaischen von Obst und bietet einen Führung durch ihre
Obstanlagen an. Im nahen Elsenberg läuft im Anwesen Hack die
Ausstellung "Von der Frucht zum Brand". Wie überall werden auch hier
zwischen 10 und 17 Uhr Schnapsproben angeboten. Ein kurzer Abstecher
nach Kirchehrenbach. Das Gasthaus Sponsel führt seine überregional
bekannten Brände aus Wildkirschen, Ebereschen und Schlehen vor -
Produkte eines Kunsthandwerkes, das im Zeitalter der Kreuzzüge aus
der arabischen Welt nach Mitteleuropa kam.
In Mittelehrenbach eröffnet die seit 1887 produzierende Edelbrennerei Dahlmann-Schmidt einen Flohmarkt und lädt unter dem Motto "Erkennen sie die Brände?" zu einem Quiz der Geschmacksknospen ein. Zur gleichen Zeit werden im Holzbackofen Zwiebel- und Brotkuchen "gebrannt". Der Biolandhof Schmidt stellt edle heimische Obstsorten aus und nebenan Geräte und Maschinen aus der Geschichte der Brenn- und Obstbautechnik. Beim "Singer" können die Besucher exzellente Brände verkosten und in Eigenregie Äpfel zu Saft pressen. Steil hinauf führt der "Zungengefühlsweg" nach Ortspitz auf die Hochfläche des Jura. In Gerhard Reicholds "Peterhof" beginnt um 15 Uhr eine Maischvorführung. Schon vorher um 11 und 14 Uhr finden Vorträge und Präsentationen zum Thema "Vom Obstgarten in die Flasche" statt. In Weingarts am Fuß des Regensberg endet diese Feinschmeck-und Wohlfühlwanderung. Im "Feesenhof" von Georg Beutner verlockt ein breites Spektrum von Apfelsorten zum Unterscheiden und Genießen. Natürlich kann man auch hier von der reichhaltigen Auswahl an Schnäpsen kosten.
Kutschfahrten führen zum "Geist-Reich" von Michaela Riegel- Engelhardt. Dort wird nicht nur "Topinambur" erzeugt, aus Süßkartoffeln gebrannt und Diabetes hemmend. Eine Truppe von Feuerspeiern inszeniert zusammen mit anderen Gauklern ein mittelalterliches Volksfest. Um 13 und um 15 Uhr spielt man im Verkaufsraum "Blindekuh". Es gilt in einer bunten Reihe von Destillaten und Likören die jeweilige Sorte nur mit der Zunge zu ertasten. Alle zehn Brennereien gehören dem Tourismusverein "Rund ums Walberla-Ehrenbürg e.V." an. Ebenso in Leutenbach die Brauerei Drummer, die an diesem Sonntag um 10, 14 und 16 Uhr zu Führungen einlädt. Seit 1738 wird das süffige Hausbier nach alter Familientradition gebraut - Alltagskultur die man schmecken kann.
Weitere Informationen unter: www.walberla.de