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Oberfränkisches Brot im Rundfunk

Datum: Dienstag, 20. April 2010, 19:26

Unser täglich Brot - Sendung am 22.04.2010 um 19.00 Uhr - Redaktion: Claudia B. Relitzki

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REGION (pm) - Es ist zu labberig, die Kruste nicht kross genug, es fehlt der herzhafte Geschmack und überhaupt ist zu wenig volles Korn darin: Wenn man einen deutschen Auswanderer und Weltenbummler fragt, was ihn in seinem Auslandaufenthalt am meisten aus der Heimat gefehlt hat, steht in der Liste meist ganz vorne ein Lebensmittel – das Brot. Es ist eben das liebste Kind der Deutschen, irgendwie das Steckenpferd der Nation. Und trotzdem hat sich auch in Deutschland der Brotgeschmack offensichtlich verändert. Wie wäre es sonst zu erklären, dass Brot immer mehr zur Billigware wird? Dass einem von Meisterhand gebackenen Laib Brot immer häufiger die windelweiche Industrienahrung vorgezogen wird? Wie steht es also wirklich um das vielgelobte deutsche Brot?

Dieser Frage will auch laVita-Moderator Tobias Ranzinger nachgehen. Und dazu begibt er sich in ein wahres Brotparadies: Er fährt nach Franken – zu den Meistern des Sauerteig- und Bauernbrotes. Und tatsächlich findet er sie noch, die alte Tradition! Im Dörfchen Weingarts in der Fränkischen Schweiz entdeckt er zum Beispiel ein Gemeindebackhaus, das noch oder vielmehr wieder rege genutzt wird. Hier wird er noch nach alter Tradition hergestellt, der berühmte Frankenlaib. Derweil brauen, was ja sehr gut passt, die Männer ihr eigenes Bier.

Gar nicht so weit von dieser traditionellen Idylle findet Tobias Ranzinger den „Drive-in“-Schalter einer Bäckerei! Der „Beck“ hat sich einfallen lassen, seine Brote und „Brödla“ so zu verkaufen, wie es eigentlich im FastFood-Bereich gängig ist. Der „Beck“ ist der Backkönig der Region und sein Reich umfasst 140 Filialen im Raum Erlangen und Nürnberg. Voller Erwartung betritt Tobias Ranzinger die Fertigungshallen und bestaunt als erstes die Riesenbrotbackmaschine, auf deren 150 Quadratmeter großer Backfläche 1.500 Brote gleichzeitig gebräunt werden können. Hier setzt man auf Masse – aber auch auf Vielfalt. Noch erstaunter zeigt sich der Moderator aber, als er erfährt, wie der „Beck“ einmal angefangen hat: 1895 als Dorfbäckerei in Tennenlohe. Und so versucht er den Spagat zwischen Tradition und Experiment.

„Wachsen oder weichen“ – für diese globale Geschäftsmaxime findet Tobias Ranzinger einen traurigen Beweis in Egloffstein: Eine Backfabrikruine, die von einen Backriesen erst aufgekauft und dann geschlossen wurde. Und er findet er eine ehemals stolze Mühle, die nun notgedrungen - aber äußerst erfolgreich - Spezialgranulate für die Backwarenindustrie herstellt. Irgendwie muss man ja überleben.

All das sieht nach einer eher tragischen „Brotbilanz“ für Franken aus! Wenn da nicht noch Bäcker wären wie Arnd Erbel, der sich selbst „Freibäcker“ nennt. Er kämpft gegen die „Feinde des guten Brotes“ – gegen die Backmittelzusätze, Brot ohne Substanz, die“ lächerliche Brotvielfalt“ der Backindustrie. Und damit produziert er nicht nur fantastisches, ursprüngliches Brot, sondern ist mit all seiner Leidenschaft eine Art „Brotphilosoph“ und Aufklärer geworden. Ebenfalls leidenschaftlich geht Alfred Seel mit dem Thema Brot um. Der Bamberger Bäcker will nichts Geringeres, als den Bäckerstolz retten – schließlich hat die EU nicht nur Vorschriften erlassen, sondern auch die „Genussregion Franken“ ausgerufen. Und dafür heißt es: Brotvielfalt aufrecht erhalten mit einer Datenbank, die er gerade aufbaut.


Weitere Informationen unter www.br-online.de/lavita
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