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„Mahnender Mühlstein“ erinnert an Opfer sexueller Gewalt

Datum: Donnerstag, 08. April 2010, 09:26

Kunst macht sichtbar

BAMBERG (pm) - Die bundesweite „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“ hat ein wanderndes Denkmal geschaffen, das den Opfern sexueller Gewalt und Grenzverletzung gewidmet ist. Das Denkmal in Form eines Mühlsteins macht vom 16. April bis zum 28. Mai Station in Bamberg und ist auf dem Maxplatz direkt vor dem Rathaus zu sehen. Oberbürgermeister Andreas Starke und Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick werden gemeinsam den „Mahnenden Mühlstein“ enthüllen. In das Kunstwerk ist ein Satz aus dem Matthäusevangelium eingraviert: „Wer aber einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, dem wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“

Die Botschaft des 1,4 Tonnen schweren Mahnenden Mühlsteins ist ein Appell an die Zivilcourage aller Bürgerinnen und Bürger, nicht wegzuschauen, wenn Mädchen und Jungen in Bedrängnis sind. „Der Mahnende Mühlstein ist ein Symbol für die Last, die die Opfer lebenslang mit sich tragen“, sagte der OB bei der Ankündigung der Aktion und fügte hinzu, dass die Verantwortung für einen wirksamen Schutz von Kindern bei den Erwachsenen liege. „Wegsehen bedeutet Täterschutz“, machte Starke deutlich.

Zudem ist in der Zeit vom 16. April bis 7. Mai die Ausstellung „Vorsicht Mensch! – Kunst macht sichtbar“ in der Konzert- und Kongresshalle, Mußstraße 1, zu sehen. Auch hier geht es um das Thema sexueller Missbrauch. Die Karlsruher Künstler Georg Schweitzer und Nadja Stemmer haben das Thema in einer beeindruckenden Installation umgesetzt. Im Zentrum steht ein Kinderspielhaus, auf dem der Brief eines neunjährigen missbrauchten Mädchens an seine Mutter zu lesen ist – eingefräst in die Holzbretter des Häuschens. Im Haus selbst erkennt man die Illustration von „Rotkäppchen und der Wolf“.

Die zweite künstlerische Arbeit ist die „Hör-Station“. Der Besucher hat dabei die Möglichkeit, durch die Wahl eines Klingelknopfes, wie er sich an jedem gewöhnlichen Wohnhaus befindet, eine Original-Stellungnahme der Beteiligten zum beschriebenen Fall zu hören. Auf der Außenseite des Würfels sind Metallnägel angebracht, die die Worte „Angst“, „Rache“, „Schmerz“ und „Wut“ bilden. Die Ausstellung ist während der Veranstaltungen in der Konzert- und Kongresshalle oder nach Vereinbarung zu besichtigen.

Ferner wird am 28. April im Odeon-Kino, Luitpoldstraße 25, der Film „Wüstenblume“ gezeigt. Der Streifen erzählt die Lebensgeschichte von Waris Dirie, die in Somalia in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Als sie im Alter von 13 Jahren zwangsverheiratet werden soll, flieht sie nach London. Dort wird Waris Dirie zu einem der bestbezahlten Models der Welt. Doch bei allem erfolg belastet Dirie die Erlebnisse ihrer Kindheit. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erzählt sie in einem Interview von der grausamen Tradition der Frauenbeschneidung, deren Opfer sie selbst als kleines Mädchen wurde. Das Bekenntnis löst eine Welle von Mitgefühlt und Protest aus und Dirie entschließt sich, ihr Leben dem Kampf gegen dieses Ritual zu widmen.

Veranstaltungen rund um den „Mahnenden Mühlstein“

Freitag, 16. April, 14.00 Uhr:
Feierliche Enthüllung des Gedenksteins „Mahnender Mühlstein“ am Maxplatz
- Begrüßung durch Gabriele Kepic, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bamberg, und Johannes Heibel, Vorsitzender der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch
- Reden von Oberbürgermeister Andreas Starke und Erzbischof Prof. Ludwig Schick

Freitag, 16. April, 15.00 Uhr:
Eröffnung der Ausstellung „Vorsicht Mensch – Kunst macht sichtbar“ in der Konzert- und Kongresshalle Bamberg, Mußstraße 1

Mittwoch, 28. April, 18.30 Uhr
Vorführung des Films „Wüstenblume“ im Odeon-Kino, Luitpoldstr. 25

Zudem wird die Projektgruppe „Gewalt“ des städtischen Jugendzentrum JuZ & Filter einen Kurzfilm zum Thema „Mahnender Mühlstein“ erstellen. Dazu werden Passanten befragt und Betroffene interviewt. Der fertige Film wird am 27. Juni im JuZ & Filter, Margaretendamm 12a, uraufgeführt.


Weitere Informationen unter www.bamberg.de
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