BAYREUTH (pm) - Im vergangenen Ausbildungsjahr haben sich die oberfränkischen Jugendlichen überwiegend für die klassischen Ausbildungsberufe entschieden. 53 Prozent, der bei der IHK für Oberfranken Bayreuth im Ausbildungsjahr 2009 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse, haben sich auf lediglich 15 verschiedene Berufe verteilt. "Genau 349 anerkannte Ausbildungsberufe gibt es derzeit in Deutschland. Die große Mehrheit der Jugendlichen konzentriert sich jedoch auf einige wenige Ausbildungsberufe", so Bernd Rehorz, Leiter des Bereichs Berufliche Bildung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Mehr als die Hälfte der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse, die die IHK für Oberfranken Bayreuth im Ausbildungsjahr 2009 verzeichnet hat, konzentrieren sich auf einen Bruchteil der möglichen Ausbildungsberufe. Spitzenreiter bei den Jugendlichen in Oberfranken war im vergangenen Jahr der Ausbildungsberuf Kaufmann/(frau) im Einzelhandel (mit 402 Neuabschlüssen), gefolgt von Verkäufer(in) (391) und Industriekaufmann(frau) (335).
"Viele Jugendliche konzentrieren sich in ihrer Berufswahl auf bekannte Berufe oder verlassen sich auf die Meinung der Eltern, Geschwister und Freunde", so Rehorz. Dies sei zwar in vielen Fällen hilfreich, habe aber oft den Nachteil, dass mögliche Alternativen außer Acht gelassen würden. "Viele Ausbildungsberufe sind schlichtweg nicht bekannt oder mit Vorurteilen in Bezug auf Lehr- oder Arbeitsinhalte behaftet. Dadurch fallen, oft aus Unwissenheit, viele Berufe von vornherein unter den Tisch, obwohl sie möglicherweise sogar besser für die entsprechenden Jugendlichen geeignet wären."
Weibliche und männliche Auszubildende mit unterschiedlichen Spitzenreitern
Die jungen Damen in Oberfranken entschieden sich im Ausbildungsjahr 2009 am häufigsten für die Kauffrau im Einzelhandel (265 Neuabschlüsse), Verkäuferin (247) und Industriekauffrau (227). Die männlichen Auszubildenden wählten im vergangenen Ausbildungsjahr am häufigsten den Industriemechaniker (198 Neuabschlüsse), den Verkäufer (144) und den Kaufmann im Einzelhandel (137). Auch der Koch (112) und der Industriekaufmann (108) waren bei den männlichen Jugendlichen beliebt.
Nach wie vor ist dabei eine traditionelle, geschlechterspezifische Verteilung zu erkennen. Industriemechaniker, Mechatroniker, Werkzeugmechaniker, Fachkraft für Lagerlogistik wurden beispielsweise im vergangenen Jahr in Oberfranken ausschließlich von männlichen Auszubildenden gewählt. Hotelfachfrau, Bürokauffrau, Kauffrau für Bürokommunikation und Fachkraft im Gastgewerbe waren rein weibliche Domänen.
"Hier wird deutlich, wie tief die traditionellen Geschlechterrollen verwurzelt sind", so Rehorz. Dadurch blieben aber auch viele Potenziale ungenutzt. "Unsere Erfahrung mit den Auszubildenden zeigt, dass Mädchen in klassischen Männerberufe oft Spitzenleistungen erzielen. Gleiches gilt natürlich umgekehrt auch für Männer in traditionellen Frauenberufen." Umso wichtiger sei es, gerade solche Initiativen zu unterstützen, die eine Aufweichung dieser Verteilung fördern, z.B. der Girl's Day, die Initiative MuT (Mädchen und Technik). Auch mit Blick auf den bevorstehenden Rückgang der Schulabgängerzahlen und den damit verbundenen Mangel an Nachwuchskräften sei dies dringend notwendig.
Umfassende Informationen über Ausbildungsberufe und Berufsbilder stehen bei der IHK für Oberfranken Bayreuth und den Agenturen für Arbeit zur Verfügung.
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