So ist die Hartz-IV-Diskussion idiotisch
BAMBERG (bbk) - Mit Schnee schippen kommt niemand aus der Arbeitslosigkeit heraus! Bildungsgutscheine für Kinder und Jugendliche kann man nur als verspäteten Faschingskalauer bezeichnen. Deutliche Worte des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick in der derzeitigen Hartz-IV-Diskussion. Wie und zu was sollen denn die Bildungsgutscheine eingelöst werden? Sie würden Kinder stigmatisieren und Schüler in zwei Klassen aufspalten, die einen mit Geld, die anderen mit Gutscheinen. Wer nicht ernsthaft über das Thema Arbeitslosigkeit und Armut diskutieren will, sollte lieber schweigen!
Die Diskussion werde geführt ohne die betroffenen Menschen im Blick zu haben. Es geht um die Zukunft unserer Gesellschaft. Es muss um Integration und Partizipation gehen, so der Erzbischof. Selbstverständlich müssten Hartz-IV-Empfänger aus der Sozial- und Arbeitslosenhilfe herauskommen, und das so schnell wie möglich. Sie sollten Arbeit bekommen, von der sie eigenständig leben können. Hartz-IV mache unselbstständig und abhängig, Arbeitslosigkeit mache zunehmend passiv und depressiv. Je länger jemand ohne Job ist, desto schwerer kommt er aus dieser Situation heraus, so Schick.
Schick stellt deutliche Forderungen an die Politiker. Es müssen mehr und auch einfache Arbeitsplätze in Wohnortnähe geschaffen werden. Dafür müsse die Politik bessere Rahmenbedingungen in strukturschwachen Gebieten schaffen und dazu müsse der Mittelstand gestärkt werden. Zum Beispiel gäbe es in Teilen Oberfrankens und Sachsens derzeit keine Arbeitsplätze und die höchste Zahl an Sozialhilfeempfängern. Das wissen manche Politiker scheinbar nicht! Auf dem Land müsse die Landwirtschaft gestärkt und die Landschaftspflege gefördert werden, im Sozial- und Pflegebereich könnten Arbeitsplätze geschaffen werden. Bei Arbeitslosigkeit und Wiedereingliederung in einen Beruf spielten auch soziale und psychische Gründe eine große Rolle. Die allgemeine Beratung müsse gestärkt werden, betont der Erzbischof. Es sollte mehr Fortbildungsmaßnahmen für Arbeitslose geben. Vor allem die Kinder und Jugendlichen aus Hartz-IV-Familien müssten materiell und psychologisch unterstützt werden. Schick wörtlich: Anderenfalls ist die nächste Hartz-IV-Generation schon vorprogrammiert.
Die kirchlichen und anderen freien Hilfsorganisationen sollten viel stärker in diese wichtige Diskussion einbezogen werden. Sie würden die Menschen und ihre Probleme kennen und wüssten Abhilfe zu schaffen. Die Hartz-IV-Diskussion muss zu einer Diskussion über Integration und Partizipation in unserer Gesellschaft werden und von Respekt und Ermunterung gekennzeichnet sein, so Schick.
Weitere Informationen unter www.erzbistum-bamberg.de
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