Berichte: Erzbischof Schick kritisiert die Hartz-IV-Diskussion zum politischen Aschermittwoch
Datum: Donnerstag, 18. Februar 2010, 10:20Rubrik: Familie
„Die Wirklichkeit sehen und den Armen helfen“
BAMBERG (bbk) - Mit deutlichen Worten kritisiert Erzbischof Ludwig Schick die Diskussion um Hartz IV zum politischen Aschermittwoch. Sie dividiere die Gesellschaft auseinander, indem sie Neiddiskussionen schüre und viele Arme diffamiere. „Die christliche Tradition betrachtet den Aschermittwoch als Tag der Besinnung, um die eigene Realität und die seiner Mitmenschen klarer zu sehen“, erklärt Schick. Daraus solle entsprechendes Handeln folgen. Zur christlichen Fastenzeit gehöre das Almosengeben, modern ausgedrückt: die Hilfe für die Armen. Flotte, unbedachte Sprüche passten eigentlich nicht zum Aschermittwoch.
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Eine offene, kritische und den Menschen in den Blick rückende Diskussion über Armut in Deutschland und über Hartz-IV-Sätze wünscht Erzbischof Schick. „Dem Bundesverfassungsgericht, das die Hartz-IV-Sätze kritisiert hat, sei Dank. Denn es hat das Thema Armut in unserem Land wieder ins Gespräch gebracht. Das ist notwendig. Wir sehen viele versteckte Arme in unserer Gesellschaft nicht, wir nehmen das Leid der Verarmten zu wenig wahr und erkennen oft zu wenig die Gründe für das Abrutschen in die Armut.“ Etliche polemische Diskussionen über die Ausnutzung des Sozialstaates, über mangelnde Arbeitsbereitschaft von Hartz-IV-Empfängern und über Verdächtigungen von Armen seien völlig deplatziert. „Die Diskussion über Armut und die Ärmsten bei uns muss fair und offen geführt werden und darf auch nicht gleich wieder zu den Akten gelegt werden.“
Schick weist auf das von der Europäischen Union ausgerufene ‚Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung’ hin, das die am Rande-der-Gesellschaft-Stehenden in den reichen europäischen Ländern in den Blick nimmt. „Auch in unserer Gesellschaft verstecken viele ihre Not und wir verlieren sie aus dem Blick.“ Das dürfe nicht sein.
Zwar stimmt der Erzbischof dem Argument zu, dass es in Deutschland eigentlich gar keine Armut geben dürfe. Die These aber, dass „in unserer Gesellschaft angeblich alle arbeiten und für sich selbst sorgen“ könnten, sei falsch und verletzend. Auch in der Bibel stehe, dass jeder einer Arbeit nachgehen und sein eigenes Brot verdienen solle. „Aber zugleich weiß sie darum, dass es trotzdem immer etliche Menschen gibt, die nicht arbeiten können oder keine Arbeit finden. Ihnen muss geholfen werden“, so Schick. Die christliche Soziallehre wolle die Stärken fordern und fördern, denn man könne nur verteilen, was man hat. Die Starken sollten aber immer auch die Schwachen mitnehmen und für sie da sein. Vor allem die Kinder von Harz-IV-Empfängern und Arbeitslosen dürften von niemanden als Kinder zweiter Klasse behandelt werden. Es müsse ihnen ermöglicht werden ohne Diskriminierung am Ausflug der Schulkasse teilzunehmen oder in der Theatergruppe, der Musikkapelle und im Sportverein mitmachen zu können. „Als Gesellschaft müssen wir die betroffenen Familien unterstützen, die Kinder stärken und nicht mit Debatten über Ausnutzen des Sozialstaates demütigen.“
„Damit den sozial schwachen Menschen in Deutschland geholfen werden kann, dafür ist neben den Sozialsystemen auch die Caritas notwendig.“ Denn bevor der staatliche Apparat im Gang komme, seien die Nöte bei den Betroffenen schon da. Der Staat könne auch nicht für alle Eventualitäten vorsorgen, betont der Erzbischof. „Trotz aller guter Absicht fallen immer wieder Menschen durch das soziale Netz.“ Die Caritas helfe in akuten Nöten und mache ihre Hilfe nicht von Gründen, die die Not verursacht hätten, abhängig „Es wird ihnen spontan und unbürokratisch geholfen. Deshalb muss es die Caritas geben.“ Die Caritas verstehe aber auch alle ihre Hilfsangebote als Hilfe zur Selbsthilfe. Deshalb gehörten die Beratungsstellen zu ihrem Angebot. Den Armen sollte geholfen werden, sich aus ihrer Abhängigkeit als Hilfsempfänger befreien zu können. Darauf lege die Caritas Wert. Die Caritasverbände auf Bundes-, Diözesan-, Kreis- und Stadtebene seien die erfahrenen und langjährigen Ansprechpartner für die Hilfesuchenden.
Anlässlich der Caritas-Frühjahrssammlung, die in Bayern vom 28. Februar bis zum 7. März 2010 andauert, richtet der Bamberger Erzbischof Schick die Bitte aus, die die Caritas finanziell mit Spenden zu unterstützen. „Für Ihre Bereitschaft, den Armen wirkungsvoll zu helfen, danke ich Ihnen vom ganzen Herzen!“
Weitere Informationen unter www.erzbistum-bamberg.de
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