Berichte: Germania Forchheim blickt optimistisch in die Zukunft: Andreas Tschorn ist neuer Abteilungsleiter und Interimstrainer
Datum: Dienstag, 09. Februar 2010, 11:50Rubrik: Sport
FORCHHEIM (pm) - Es geht weiter beim krisengeschüttelten 1. FC Germania 08 Forchheim. Zuletzt geisterte noch die drohende Auflösung von "Deutschlands schlechtestem Fußballverein" durch die Medien. Nun gibt es mit dem Forchheimer Andreas Tschorn einen neuen Fußballabteilungsleiter, der sich interimsweise auch als Trainer des A-Klassisten zur Verfügung stellen wird. Von einer Abmeldung vom Spielbetrieb zur Winterpause mangels Spielern ist jetzt keine Rede mehr.
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Tschorn ist im deutschen Sport kein Unbekannter. Der 30-jährige Sportfachwirt ist u. a. Mitglied des Berufsverbandes für Sportökonomie und Sportmanagement in Deutschland und der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. Der vom Deutschen Olympischen Sportbund lizenzierte Sportmanager ist auch Vorstandsvorsitzender der Bezirksgruppe Oberfranken-Süd der Deutschen Olympischen Gesellschaft für die Städte und Landkreise Bamberg, Bayreuth, Forchheim, Kulmbach und Wunsiedel. Ebenso ist er Geschäftsführer der von ihm gegründeten Andreas M. Tschorn Sports Services GbR, die sich auf Vereins- und Verbandsmanagement, Sportliteratur und Sportausstellungen spezialisiert hat, und Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit bei der Nürnberger Versicherungsgruppe.
Als Fußballer war Andreas Tschorn in der Jugend beim 1. FC Burk aktiv. 2000 wechselte er vornehmlich als Funktionär in die Regionalliga Nord zum Dresdner SC, für den er auch einige Freundschaftsspiele bestritt. Der DSC, zweifacher Deutscher Meister und Pokalsieger und gemessen an den olympischen Medaillen seiner Athleten bis heute der weltweit zweiterfolgreichste Verein der Sportgeschichte, war als Regionalliga-Vizemeister hinter dem 1. FC Union Berlin gerade knapp am Aufstieg in die 2. Bundesliga gescheitert. 2002 kam allerdings das Hochwasser und der vom Großverein Dresdner SC rechtlich unabhängige Fußball-DSC ging sprichwörtlich in den Fluten unter. Als Vorstandsvorsitzender des DSC-Auffangvereins half Tschorn mit, dass der mit 2,9 Millionen Euro verschuldete Club nicht das Zeitliche segnen musste und heute völlig schuldenfrei in der Bezirksklasse kicken kann. Tschorn blieb dem Dresdner SC bis heute treu und ist u. a. Fanbeauftragter, Vereinsarchivar und Herausgeber des Vereinsmagazins.
In Dresden, bei seinem Heimatverein 1. FC Burk und bei der SpVgg 1904 Erlangen war Andreas Tschorn auch als Betreuer und Trainer diverser Teams im Männer-, Frauen- und Juniorenfußball aktiv. Beim Bezirksligisten SpVgg Erlangen ist er momentan u. a. stellvertretender Fußballabteilungsleiter und Trainer der in der höchstmöglichen Spielklasse kickenden A-Juniorinnen.
Frage: Was hat Sie bewogen, Abteilungsleiter und Trainer bei Germania Forchheim zu werden?
Andreas Tschorn: Interimstrainer wohlgemerkt. Das wird sich hoffentlich bald ändern. Wir sind noch auf der Suche nach einem Trainer, der Lust und vor allem mehr Zeit hat als ich, aus dieser bunten Truppe eine Mannschaft zu formen. Und das ohne finanzielle Vergütung. Meine Nähe zum Verein war immer da, schließlich wohne ich wenige Meter vom Germania-Platz entfernt. Ich wollte der Germania schon früher helfen, aber der Medienrummel hat mir Unbehagen bereitet. Nun war es allerdings so, dass der Verein kurz vor der Auflösung stand. Es wäre definitiv auch zur Löschung aus dem Vereinsregister gekommen, wenn man sich jetzt vom Spielbetrieb abmelden hätte müssen. Ich will als Forchheimer nicht zulassen, dass der älteste Fußballverein im Landkreis stirbt.
Frage: Befürchten Sie nun Spott oder Kopfschütteln aufgrund dieses Engagements?
Andreas Tschorn: Nein, da stehe ich drüber. Ich hoffe darauf, dass die Forchheimer Fußballgemeinde diesen Neuanfang toleriert und die Germania wieder in ihrer Mitte aufnimmt. Egal, was in der Vergangenheit auch vorgefallen sein mag. Diese Schadenfreude sollte ein Ende haben, man muss auch verzeihen können. Niemand kann wollen, dass so ein Traditionsverein den Löffel abgibt.
Frage: Was sagt man bei Ihren anderen Vereinen Dresdner SC und SpVgg Erlangen dazu?
Andreas Tschorn: In Dresden hat man nichts dagegen. Dort bestimme ich die Art und den Umfang meines Engagements quasi selbst. Das, was ich im letzten halben Jahr beim Dresdner SC gemacht habe, werde ich auch weiterhin tun. Bei der SpVgg Erlangen sind am 4. März Neuwahlen in der Abteilung Fußball. Ich wurde gebeten, mich wieder als stellvertretender Abteilungsleiter zur Verfügung zu stellen, was ich auch sehr gerne tun werde. Es gibt ja keine Konkurrenz zwischen beiden Vereinen und meine Tätigkeit für die Spieli, auch als Jugendtrainer, wird darunter nicht leiden.
Frage: In der Vorrunde lief sogar der Vorsitzende Lothar Waltenta für die Germania auf. Werden Sie auch mitspielen?
Andreas Tschorn: Ich hoffe nicht, dass dies notwendig sein wird. Ich habe es jedenfalls nicht vor. Mein Spielerpass liegt bei der SpVgg Erlangen, wo ich mich bei den Alten Herren fit halten möchte. Allerdings konnte ich bisher nur selten mittrainieren, denn immerhin hatte ich in der Vorrunde als Trainer zeitweise vier Jugendmannschaften zeitgleich bei der Spieli.
Frage: Wie geht es nun weiter mit der Germania?
Andreas Tschorn: Am kommenden Mittwoch lade ich zum Trainingsauftakt. Mit genügend Spielern, wie ich hoffe. Sind alle motiviert und mit Herz und Leidenschaft dabei, werden sich die Ergebnisse schnell bessern. Für die Rückrunde ist das Ziel, in jedem Spiel anzutreten und die Germania würdiger zu vertreten als in der Hinrunde. Nur dann kann es im Sommer einen richtigen Neuanfang geben. Das große Geld wird und darf hier niemand mehr verdienen. Der Verein braucht schnellstmöglich auch wieder eine Jugendabteilung. Nur so kann sich ein richtiges Vereinsleben entwickeln. Dieses wiederum ist Voraussetzung für eine wirtschaftlich gesündere Zukunft.
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