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Erzbischof Schick: „Haiti muss von den Haitianern aufgebaut werden!“

Datum: Montag, 01. Februar 2010, 20:57

Erzbischof Schick wendet sich an Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel

BAMBERG (bbk) - In einem Brief wendet sich Erzbischof Ludwig Schick als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz und im Namen der katholischen Kirche Haitis an den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel. Darin fordert er die Bundesregierung auf, die Eigeninitiative der Haitianer beim Aufbau ihres Landes zu fördern und die Entschuldung des Landes zu unterstützen. „Die anlaufende Aufbau- und Entwicklungshilfe muss Hilfe zur Selbsthilfe werden. Haiti muss von den Haitianern aufgebaut werden“, so der Erzbischof. Ansonsten werde das fortgeführt und noch verstärkt werden, was Haiti in der Vergangenheit schweren Schaden zugefügt hat: „Die wie auch immer geartete Abhängigkeit von außen! Sie war und ist ein Unglück“.

Dankend erwähnt der Bamberger Erzbischof, dass die gesamte Bundesregierung „sich so großzügig für die Katastrophengeschädigten einsetzt.“ Derzeit sei die unmittelbare Hilfe für die Überlebenden das Wichtigste. Zugleich müsse auch bereits jetzt in die Zukunft geblickt und der Wiederaufbau geplant werden. „Haiti muss von den Haitianern aufgebaut werden, und zwar besser als es bisher war. Haiti gehörte schon vor dem Erdbeben zu den ärmsten Ländern der Welt.“ Korruption, Machtmissbrauch, Verantwortungslosigkeit, betrügerische Eigeninteressen von Politikern auf Landes- und Kommunalebene seien in erster Linie daran Schuld gewesen, Verwaltung und Justiz hätten versagt. Schick: „Die Folgen davon waren Selbstjustiz, Gewalttätigkeiten und allgemeine gesellschaftliche Dekadenz. Die UNO musste eingreifen.“

Jetzt müsste den Haitianern geholfen werden, eine aktive Zivilgesellschaft zu gründen. „Haiti muss erdbebensicher und gemeinwohlorientiert wieder aufgebaut werden. Wenn dieses einst schöne und reiche Land Haiti, das ‚Perle der Karibik’ genannt wurde, aufgebaut werden soll, dann durch eine funktionierende Bürgergesellschaft, die aus vielen lebendigen Zellen besteht.“ Und genau da, so der Weltkirchen-Kommissionsvorsitzende, müsse die Aufbau- und Entwicklungshilfe der Staaten wirken und ansetzen. Schick nennt das beispielhafte jahrzehntelange Engagement der katholischen Kirche, evangelischer Gemeinschaften und anderer nicht staatlicher Gruppen in Haiti. „Was gut im Schul-, Krankenhaus- und Sozialwesen Haitis lief, wurde durch diese Institutionen gewirkt. Sie können die wichtigsten Akteure beim Aufbau des Landes sein. Sie zu unterstützen, ist die beste Investition“.

In seinem Brief an Bundesentwicklungsminister Niebel fordert Schick auch, dass dieser sich für die Entschuldung Haitis einsetze. „Die Aufbauhilfe darf nicht als Darlehen, sondern muss als Zuschuss gegeben werden.“ Nur dann hätten die Haitianer eine Chance, einigermaßen unbelastet und hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken sowie die Vergangenheit zu bewältigen.


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