BAMBERG - K.O. Mentator und seine Freunde
Der andere Weltkulturerbelauf: Die beteiligten Athleten, wohlwissend um die Risiken ihres Unterfangens reisen mit dem Bayernticket der DB (DieBahn, vormals Deutsche Bundesbahn) an.
Der Parcours führt von der Stadtmitte (Spezial) über die Sandstraße (Schlenkerla) ins Mühlenviertel (Klosterbräu) zum Kaulberg (Greifenklau), weiter in die südliche Vorstadt zur Wunderburg (Keesmann, Mahrs) und endet wieder in der Stadtmitte (Fässla). Es sind also mehrere Kilometer fußläufig zu bewältigen, auch die Menge der Stichproben (Biere) fordert den Teilnehmern ein Höchstmaß an Disziplin ab, daher wurden die Brauereien Ambräusianum und Kaiserbräu bewußt vorab aus dem Bierkulturerbelauf ausgenommen.
Dieser fand an einem Montag statt, erstaunlicherweise herrscht in (fast) allen Braugaststätten reger Betrieb, so daß es nicht immer gelang, einen Tisch allein für die sieben Teilnehmer zu bekommen (an dieser Stelle ein Gruß an Herrn Wagner, Martin;-)). Wir werten dies als ein Indiz für gelungene Bierkultur und führen aus diesem Grund den -bereits verwendeten- Begriff des Bierkulturerbelaufs ein. Eine objektive Bewertung der verkosteten Biere ist ohnehin nicht möglich ( wie jeglicher Versuch der Herstellung von Objektivität; dies nur am Rande), außerdem wird die Urteilssicherheit bei jeder Staion in so einem Fall -sagen wir mal- anders.
Das Spezi hat diesmal den Beginnerbonus und somit gute Karten, am Lagerbier (wir haben in jeder Brauwirtschaft das am häufigsten bestellte Bier verkostet) gibt es ja auch nichts auszusetzen: schön perlig dunkel im Glaskrug mit einer wohlgeformten Schaumkrone, angenehm temperiert, süffig, die Rauchnote dezent.
An dieser Stelle muß erwähnt werden, dass sich die gewählte Folge der Brauereien sogleich als sehr günstig erwies: im Schlenkerla, dem zugleich eigentümlichsten als auch nach außen wirksamsten Bamberger Bier kam uns die Vorbereitung durch das Spezial sehr zugute: dieses trägt nämlich eine eher undezente Rauchnote, die dem Konsumenten mitunter das Gefühl gibt, ein verflüssigtes Schinkenbrot zu sich zu nehmen. Diese gewöhnungsbedürftige Tatsache führte zu der häufig kolportierten Weisheit: Do schmeggt erscht des zweide Seidla so richdich!, was die Teilnehmer nicht validieren wollten, da ja noch einiges anstand. War auch nicht nötig, durch das vorausgegangenen Spezial-Lager waren unsere Geschmacksknospen bestens vorbereitet: auch das erste Schlenkerla kann hervorragend schmecken, wenn man es richtig angeht: dunkel im Schüttglas, cremiger Schaum und der einmalige Rauchgeschmack mit der bereits erwähnten Bauernschinkennote, wunderbar!
Da war es für die Klosterbräu schon schwierig zu bestehen, zumal der Wirt noch nicht einmal stimmig Auskunft geben konnte (oder wollte), welches Bier in dieser Brauerei der Klassiker ist. Also probierten wir Bock (Mockbier), Braunbier und Pils, wobei das Braunbier den besten Eindruck hinterlies. Leider erfuhren wir, das Klosterbräu mittlerweile nicht mehr selbst bräut, sondern im Auftrag herstellen lässt, ob man da noch von einem Bamberger Bier reden kann?? Das mag jeder für sich selbst entscheiden...
Weiter gings auf dem Bierkulturerbelauf: nach Durchsteigen von Eisgrube und Hölle erreichten wir den Greifenklau: Leider hat dieser zwischen den Jahren geschlossen! Die Athleten waren demotiviert und rangen sich zu einer Ablaufsänderung durch: Für den nun anstehenden -längsten- Streckenabschnitt wurde der Stadtbus bemüht, zumindest für einen Teil der Distanz.
Brauerei Keesmann bestach mit einem sehr fruchtigen Pils (bambergüblich im Schüttglas); die einzige Brauerei auf dem heutigen Lauf, bei der nicht das Lagerbier als Spezialität des Hauses gilt. Aber Respekt: das Pils konnte neben den anderen, wesentlich fränkischen Mitbewerbern gut bestehen; eine schöne Blume, und wie bereits erwähnt: sehr fruchtig im Abgang... Daß wir anschließend im Mahrs noch einen Tisch fanden, kann als ein kleines Wunder betrachtet werden. Das legendäre U wurde seiner Favoritenrolle gerecht, allerdings war bei den Laufteilnehmern schon eine erhöhte Euphoriebereitschaft bemerkbar, daher werden wir keine Empfehlungsreihenfolge veröffentlichen.
Von den getesteten Braugaststätten wollen wir lediglich dem Klosterbräu sanft eins drüberbraten: für die gegenüber den anderen Bewerbern deutlich erhöhten Preise, aber sowas merkt und merkt sich der mündige Konsument sowieso; in dieser Wirtschaft saßen auch die wenigsten Gäste... -wen wunderts??
Die letzte Station: das Fässla, es war wie bei (fast) allen Anderen auch eine freundliche, wenn auch geforderte Bedienung am Werk, es gab gutes Bier und einen angenehm lärmige Wirtshausstimmung und zweites Wunder: einen Tisch! Guter Abschluß!!
Konditionell inzwischen doch einigermaßen angegriffen, nahmen die Athleten den Zug zurück nach Forchheim, sich einig: ein sehr gelungener erster Bierkulturerbelauf!
