Der Neue Wiesentbote

Die Online-Zeitung für die Fränkische Schweiz

www.wiesentbote.de

Kräutersammeln für Wurzbüschel - ein Bericht

Datum: Sonntag, 09. August 2009, 13:36

Anklicken zum Vergrößern

KIRCHEHRENBACH (pm) - Seit Jahrtausenden nutzen die Menschen die Kraft der Natur um Verletzungen oder Erkrankungen zu heilen oder zu lindern, oder dem Essen einen besonderen lukullischen Geschmack zu geben. Kelten, Germanen, Römer, Griechen hatten schon die Zauberkräfte der Heilkräuter erkannt. Die Kräuterkunde ist älter als die Medizin.

Ortsvorsitzender des Bundes Naturschutz (BN) Kirchehrenbach, Heinrich Kattenbeck, hatte nicht zu viel versprochen als er in seinem Grußwort bei sehr guten Witterungsverhältnissen, Dipl. Biologin Ute Gellenthien als eine besondere Kennerin von Heilkräutern und Wurzbüschel binden vorstellte und begrüßte. Sie begeisterte mit ihrem Erfahrungsschatz über die Vielfalt der Heilkräuter am Wegesrand auf dem Weg durch das „Steiner Gässla“ hinauf bis zum Eintritt ins Naturschutzgebiet Walberla. Auf diesem Weg wurde der Unterschied zwischen einer blütenreichen Blumenwiese als magere Wiese, was gut ist für duftendes Heu und einem Halbtrockenrasen, was gut ist für Schafe und Ziegen als Futterplatz, wurde beim Kräutersammeln sichtbar und deutlich erlebbar.

BN-Vorsitzender Heinrich Kattenbeck konnte neben den Mitgliedern des Bund Naturschutzes (BN) der Ortsgruppe Kirchehrenbach 16 interessierte Kräutersamm-lerinnen und Kräutersammler aus Forchheim, Kirchehrenbach, Weilersbach, Weingarts, und Höchstadt begrüßen.

Kräutersammeln meist Frauensache

Warum das Kräutersammeln und Wurzbüschelbinden meistens Frauensache ist erklärte Ute Gellenthien: „ Am Samstag, 15. August, Maria Himmelfahrt, bietet sich in den katholischen Kirchen wieder ein farbenfrohes Bild, wenn die Frauen und Kinder ihre Kräuterbüschel zur Kirche tragen. „Frauen 30iger“, oder „großer Frauentag“ nennt man deshalb die Zeit vom 15. August bis 12. September, wo besonders die Frauen Heilkräuter und Pflanzen heimtrugen.“

Zur Gretchenfrage: „Wieviele Heilkräuter gehören in den Wurzbüschel?“ Ute Gellenthien: Minimum 7 oder 9. Bis 77 oder 99 Pflanzen könnten es sein. Insgesamt 32 Heilkräuter fanden die begeisterten Kräutersammler entlang des Wegesrandes vom unteren Parkplatz über das „Steiner Gässla“ bis zum Eingang des Naturschutzgebietes Walberla unterhalb der „Kleinen Ruh“ .

Heinrich Kattenbeck: „Die Natur schenkt uns ihre Schätze in reicher Vielfalt, man muss sie nur sehen können.“ Ute Gellenthien half dabei. Die erfahrene Dipl.Biologin gab zu jedem Heilkraut, Würzkraut, Tipps z.B. wofür der Tee als Heilmittel oder für Schmerzlinderung dient, oder als Beigabe zu einem würzigen Braten gehört oder vor bösen Geistern oder gegen Plagegeistern oder Motten anzuwenden ist.

Wirkung des Beifußes erprobt

Die Mitte des Wurzbüschel bildet die Königskerze. Sie ist eine alte Heilpflanze gegen Husten, Erkältungen, Hauterkrankungen, gilt als heilende Pflanze für Schwermütige. Sie soll wieder froh machen, böse Geister abhalten. Ihren Namen hat die Königskerze der Sage nach von einem König, der mit seinem Sohn auf Pilgerfahrt war.

Viel gab es zu hören von der stillen und starken Heilkraft unserer heimischen Kräuter vor der eigenen Haustür. Ausprobiert haben gleich an Ort und Stelle einige Kräutersammlerinnen die Wirkung des Beifußes. Der soll zum Beispiel, nicht nur eine schmackhafte Gewürzpflanze sein sondern auch für Wallfahrer und bei anderen größeren Wanderungen eine heilende Wirkung für die Füße haben. Beifuß in die Schuhe stecken, macht müde Füße munter.

Schnell waren drei Stunden vorbei. Diplom Biologin Ute Gellenthien begeisterte mit ihrem Erfahrungswissen beim BN-Heilkräutersammeln für den Wurzbüschel .

Mit einem herzlichen Dankeschön und einem kräftigen Applaus bedankte sich der BN-Vorsitzende aus Kirchehrenbach zusammen mit allen Kräutersammlerinnen und Kräutersammler bei Ute Gellenthien, die ausführlich, spannend und hilfreich zu erklären wußte: wogegen und wofür welches Kraut gewachsen ist.


Weitere Artikel rund um Kirchehrenbach