
Tausende von Besuchern stürmen den Berg
KIRCHEHRENBACH (ad) - Hat Bürgermeisterin Anja Gebhardt einen "Deal" mit dem Wettergott? Es war fast schon unheimlich: Das Aufstellen des knapp 20 Meter hohen Maibaumes am letzten Donnerstag begann im leichten Regen, der dann zunehmend schwächer wurde - als die Bürgermeisterin vor das Fass trat, hörte es auf zu regnen, die Sonne zeigte sich schon hinter den Wolken und vereinzelte blaue Flecke waren zu sehen. Perfekt! Perfekt war auch der Anstich des Fasses: Verglichen mit dem Debakel des letzten Jahres (man munkelt immer noch von "Sabotage") war die heurige Ruck-Zuck-Aktion fast schon enttäuschend unspektakulär. Zwei, drei Schläge und Anja Gebhardt verkündete: "Das Walberla-Fest ist eröffnet!"
Begeisternde Tänze
Vor dem Anstich unterhielt wie jedes Jahr die Kirchehrenbacher Kindertanzgruppe "Stäudla" (für die Nicht-Franken: "Stäudla" = "kleines Gewächs") mit musikalischer Begleitung von Eberhard Hofmann das Publikum. Für viele Zuschauer und -hörer ist es wohl leider das einzige Mal im Jahr in dem sie sich an alten fränkischen Liedern und Tänzen erfreuen können (kennt überhaupt noch jemand die Texte?). Die von Nachwuchssorgen geplagte Gruppe erhält jedes Jahr viel Beifall, und es ist sehr zu hoffen dass im Zuge des allgemeinen Wiederauflebens alter Bräuche auch wieder ein paar Kinder zu den "Stäudla" stoßen.
Harmonie beschworen
Im letzten Abschnitt des von der Bürgermeisterin vorgetragenen Prologs zur Eröffnung des Walberlafestes wünschte sie sich, dass "alle Zwietracht zuhause bleiben" und das Fest in Harmonie und Einheit gefeiert werden solle. Ein frommer Wunsch: Die Turbulenzen um den Schwarzbau des Asphaltweges im Naturschutzgebiet sind nicht zuhause geblieben, haben längst das Walberla erreicht und werden unter den Festbesuchern von nah und fern diskutiert. Die Situation scheint verfahren: Egal wie es ausgeht, einen wirklichen "Gewinner" wird es nicht geben, nur Verlierer. Tja: Lokalpolitik.
Komasaufen
Auch ein anderes Ungemach hat den kleinen fränkischen Tafelberg erreicht. Ringsum werden im Vorfeld der großen Feste "Annafest" und "Bergkirchweih" Maßnahmen beschlossen, um den Alkoholmißbrauch vor allem jugendlicher Besucher einzudämmen: Schnapsbuden verden verboten, Besucherkontrollen werden durchgeführt, Platzverweise ausgesprochen. Am Walberlafest gibts bisher nichts dergleichen, aber dies wird wohl das letzte Jahr gewesen sein. Auch das Walberla ist keine Idylle mehr.
Verbote werden ignoriert: Erwachsene als schlechtes Vorbild
Ausnahmsweise mal ein Trend der von "erwachsenen" Festbesuchern ausgeht: Das demonstrative Ignorieren von Absperrungen. Was treibt einen angeblich erwachsenen Menschen dazu, gut sichtbar für alle Festbesucher mit seinem Maßkrug in der Hand die Absperrungen zum Schutz der Felsen zu übersteigen und sich fast schon provokant direkt an die Felskante zu setzen? Möchte man damit ein Zeichen für die oben erwähnten Jugendlichen setzen: "Schaut her, hier schert sich keiner um irgendwelche Verordnungen"?? Manchmal fragt man sich schon was in den Köpfen solcher Leute vorgeht. Andererseits: Sanktionen sind ja nicht zu erwarten, und die "wo kein Kläger da kein Richter"-Mentalität ist weit verbreitet. Vielleicht sollten sich diese Leute mal ein paar Gedanken machen über ursächliche Zusammmenhänge: Letztlich ist das "Komasaufen" der Jugendlichen ebenfalls ein demonstratives(!) Übertreten von Schranken.
Zwiespältige Veranstaltung
Als Naturfreund hat man es nicht leicht. Das Walberlafest ist nunmal eines der schönsten Feste in Franken, in einer einmaligen Umgebung, mit einer einmaligen Atmosphäre. Nur richtig froh wird man nicht im Anblick der Zerstörung. Für Naturfreunde ist das so als würde man mitten im Kriegsgebiet in einer zerbombten und zerstörten Landschaft eine Biergarnitur aufstellen und fröhlich feiern, während ringsum der Schnitter wütet. Da will sich die Freude halt nicht so richtig einstellen.
Zu krass, der Vergleich? Warten sie auf die Bilder vom Montag nach dem Walberlafest ...