REGION (pm) - Bei seiner Reise durch das östliche Oberfranken besuchte der Landesvorstand des Bundes Naturschutz heute auch das Kooperationsprojekt des BN, Kreisgruppe Kulmbach mit lokalen Bäckereien. In der Kulmbacher Bäckerei Grünwehrbeck wurden die ehrenamtlichen Vorstände von Bäckermeister Ralf Groß begrüßt.
"Quakbrot, darauf muss man erst mal kommen", meint der Stellvertretende Landesvorsitzende des BN, Sebastian Schönauer. "Das ist wirklich eine tolle Gemeinschaftsaktion der Bäcker mit dem Bund Naturschutz und dem Landesbund für Vogelschutz für gentechnikfreie Lebensmittel. Und dass der Erlös des Quakbrotes, jeweils 50 Cent, noch dazu dem Amphibienschutz im Landkreis zu Gute kommt, toppt das Ganze natürlich. Wir danken allen Bäckereien, die mitmachen und allen VerbraucherInnen, die das Quakbrot kaufen und mithelfen, Gentechnikfreiheit und Artenerhalt zu unterstützen."
Noch ist der Genmais Mon 810 in Deutschland aber offiziell zum Anbau zugelassen. In mehreren EU-Ländern wie beispielsweise Österreich, Ungarn, Griechenland und Frankreich gibt es bereits seit längerem nationale Anbauverbote, deren Rechtmäßigkeit in Österreich und Ungarn erst kürzlich von den EU-Umweltministern bestätigt wurde. Luxemburgs Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo kündigte einen Regierungsbeschluss in Luxemburg zum Verbot der Gentechmais-Linie MON810 für Ende März an. Damit gerät Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner weiter unter Druck, auch in Deutschland endlich ein Verbot auszusprechen. Seit Januar kündigt sie die Prüfung eines Verbotes an.
Der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger fordert: "Wir brauchen endlich Ergebnisse und Taten, Frau Aigner. Sonst bleibe das Ziel eines gentechnikfreien Bayerns, für das Ministerpräsident Horst Seehofer eintritt, ein frommer Wunsch."
Erst vorletzten Sonntag haben wieder etwa 800 Menschen und Bauern mit ca. 60 Traktoren im Landkreis Kitzingen gegen den Anbau gentechnisch veränderter Maispflanzen demonstriert. Letzten Freitag fand eine Aktion in Kloster Banz statt. Der Widerstand ist ungebrochen.
Kitzingen ist der einzige Landkreis in Bayern, in dem ein privater Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen geplant ist. 65 Hektar der insektenresistenten Maislinie Mon810 sind in den kleinen Weilern rund um die Weinorte Iphofen, Rödelsee und Mainbernheim für den Anbau ab April im öffentlich zugänglichen Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gemeldet. Im letzten Jahr waren über 110 Hektar gemeldet, angebaut wurden schließlich nur 9 Hektar.
"Der Widerstand in der Bevölkerung ist ungebrochen groß, und neue Risikostudien liegen auf dem Tisch, die Politik muss jetzt endlich handeln", fordert Hubert Weiger.
Das Projekt "Quakbrot" des Bundes Naturschutz (BN) und des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) dient der Werbung für Gentechnikfreie Lebensmittel und dem Schutz heimischer Amphibien. Von jedem verkauften Laib kommen 50 Cent dem Naturschutz, hier vor allem dem Schutz heimischer Frösche, Kröten und Molche zu gute. Die beiden Organisationen BN und LBV betreuen gemeinsam sechs Krötenübergänge an Straßen im Landkreis Kulmbach. 2008 konnten sie rund 2.000 Amphibien vor dem Überfahrenwerden retten.
Erhältlich ist das Quakbrot in den beiden Betrieben des Innungsmeisters Ralf Groß, im Grünwehrbeck in Kulmbach und im Cafe zum Lautengrund in Presseck, sowie in der Bäckerei Dummler in Kupferberg. Es kann aber auch in allen Betrieben der Kulmbacher Bäckerinnung nachgefragt werden. Biobauer Christian Weisath aus Zettlitz liefert das Getreide für das Quakbrot, gemahlen wird es in der Hutschdorfer Mühle von Müller Georg Wernlein und ist damit ein absolutes Regionalprodukt.
Der Bund Naturschutz ist in ganz Oberfranken in Sachen Gentechnikfreie lebensmittel aktiv. In Oberfranken wurde bislang kein einziger Acker mit gentechnisch verändertem Saatgut bestellt, ein Erfolg des örtlichen Widerstandes. Allerdings treten die Initiativen für gentechnikfreie Regionen in Oberfranken in den Landkreisen Bayreuth, Hof, Kronach, Kulmbach, Forchheim, nach wie vor auf der Stelle und erhoffen sich ein Mitziehen v.a. des Bauernverbandes. 2008 kam in Oberfranken zu den zwei gentechnikfreien Regionen (Lkr. Lichtenfels und Region Naila) noch eine weitere im Lkr. Wunsiedel auf Initiative der Biobauern und des BBV hinzu.
Mit Ausstellungen zu Ökologischem Landbau (z.B. in Hof), zahlreichen Vorträgen und einer Podiumsdiskussion (in Bayreuth) und einer Aktion vor einem Edeka-Markt (Bayreuth) wurde die Öffentlichkeit in Oberfranken im letzten Jahr intensiv von BN-Aktiven informiert. In Forchheim wurde der 3. Gentechnikfreie Bauernmarkt zusammen mit dem Bauernverband erfolgreich durchgeführt.
Weitere Informationen unter www.bund-naturschutz.de
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