KIRCHEHRENBACH (hg) - Nur knapp sind die "Kirchehrenbacher Kulturwochen 2008" einem Defizit entgangen. Bei einer Vorstandssitzung wies der Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins Kirchehrenbach Fritz Sponsel darauf hin, dass die Werbeeinnahmen bei der Jahresabrechnung ein entscheidender Posten gewesen seien, der das finanzielle Gefüge stabilisiert und das Gesamtbild ins Positive gewendet hätte. Eindeutig war ein Rückgang des Publikums festzustellen. Über die Ursachen dieses Schwundprozesses herrschte bei der Diskussion im Gremium bald Einigkeit: die Horror-Nachrichten von den Finanzmärkten und die beginnende Wirtschaftskrise lähmen die Bereitschaft, Sonderausgaben für kulturelle und kulinarische Erlebnisse auf sich zu nehmen.
Trotzdem dachte keiner der Teilnehmer daran, das künftige Programm einzuschränken. Die "Kirchehrenbacher Kulturwochen" seien ein einmaliges und für die nähere Region unverzichtbares Ereignis, war die durchgängige Meinung. Sie zeigten ein besonderes fränkisches Profil - sei es in der Polemik gegen altbayerische Allmachtsillusionen, in der Behauptung eines fränkisch-frechen Selbstbewusstseins, aber auch in der Veräppelung aller altfränkischen Volkstümelei. Die "Kirchehrenbacher Kulturwochen" wurden als avantgardistisch bezeichnet. Kabarett-Texte von Wolfgang Buck, Mäc Härder und Alexander Göttlicher erlebten auf der Probebühne des Dorfwirtshauses Sponsel ihre Uraufführung, bevor sie ins überregionale Programm kamen.
Als positiv wurde auch das Brechen einiger Tabus bewertet. Wo sonst noch im näheren Umfeld wird das Spannungsverhältnis zwischen Eros und Ethos in der triebdynamischen Persönlichkeit des bayerischen Ministerpräsidenten so offensiv angesprochen? Wo sonst noch wird die unmittelbare Nachbarschaft von Soft-Porno und Nachrichten aus dem Vatikan in der größten Zeitung des Kontinents so aggressiv karikiert? Auch die Satire gegen Muckertum und Frömmelei im eigenen Dorf wurde als positiver Aspekt betrachtet.
Unter diesen optimistischen Vorzeichen ist die Programmplanung für den Herbst 2009 bereits angelaufen. Klaus Karl-Kraus steht auf der Liste, Bernd Regenauer und Huber Forscht, aber auch der Fürther Kabarettist Bernhard Ottinger. Unter vielen anderen Verhandlungspartnern wartet auch das Duett Helmut Haberkamm und Johann Müller. Der aus dem Aischgrund stammende Gymnasiallehrer, Sprachartist und Theaterautor sowie sein Partner, der Bänkelsänger und Blues-Spezialist aus dem Steigerwald werden die klassischen Hymnen der Protestgeneration von Joan Baez, Bob Dylan und anderen in fränkischer Übersetzung darbieten.
Die nächsten Termine des "Erabocher" Kulturprogramms liegen recht zeitnah. Am Freitag, 6. Februar, steigt mit "BamBolero" eine von Mäc Härder konzipierte Form des kulinarischen Theaters, bei der in drei Gängen diniert und gespielt wird. Einen Monat später, am 6. März, hält Günter Anderl seine "Politische Fastenpredigt". Zum Starkbier-Anstich spielt dabei die Gruppe "DADARA".
Weitere Artikel zum Thema Kulturwochen