KIRCHEHRENBACH (hg) - Ein Haifisch hat, für jedermann erkennbar, Zähne. Mäcki Messer heißt so, weil er allerdings versteckt ein Messer trägt. Der Bamberger Kabarettist Mäc Härder hat jedoch keinen BigMäc verschluckt, denn seine Sprache ist sein Messer und er könnte dann keine satirischen Sprachspiele treiben, wie es in Kirchehrenbach im Gasthaus Sponsel vor einem begeisterten Publikum geschah. Alle Welt bejubelt die Sensation, dass ein Schwarzer US-Präsident wurde. Für Bayern jedoch ist es seit einem halben Jahrhundert Alltag, von Schwarzen regiert zu werden. Mäc Härder bedauert dabei mit trockenem, untergründigem Witz, dass das ideale Traumduett Beckstein und Seehofer durch den irrationalen Ausgang der Landtagswahlen nicht an die Regierung kamen. Der ultrakonservative Alt-Lutheraner und der umtriebige Bundeslandwirtschaftsminister, im Nebenberuf Altherren-Weltmeister im Seitensprung, hätten sich unter dem Emblem der Weltfirma Black and Decker prächtig ergänzt.
König von Franken heißt Härders neues Programm, das ab Januar überregional anlaufen wird. In Kirchehrenbach fand die Vor-Premiere statt. Mäc Härder hat sich zum altfränkischen Alleinherrscher ausgerufen. Als Zeichen seiner Würde trägt er eine Papierkrone und einen mit Hermelin besetzten Krönungsmantel; sein Wappen ziert der Frankenrechen. Doch ab und zu verstaut er die Zeichen seiner Würde in einer Ecke. Die Majestät spielt ihren eigenen Gaukler und Harlekin. Sie jongliert nicht mit Dialekt-Silben, sondern im Stil eines brasilianischen Ball-Artisten mit einem Plastikeimer, der vom Spann auf den Kopf schwebt oder ein Geschirrtuch, ein Brötchen, eine Bratwurst und ein Senfglas kreisen minutenlang in der Luft; während dieser Zeit wird die Bratwurst in kleinen Stücken verzehrt.
Zu den Pflichten des altfränkischen Herrschers Mäc Härder gehört es, seine Untertanen vor der drohenden Demokratisierung der Gesellschaft zu warnen. Dafür hat man eine Demokratie, das man Euch auswringen kann wie einen Waschlappen. Wenn Wahlen wirklich was bewirken würden, wären sie längst verboten. Schon der Begriff Wahlurne klinge nach Leichenverbrennung oder Urinal. Jede Politik benötigt grundsätzliche Aussagen zu ihrer Richtung ein Wort, das spielerisch in Riech-Dung aufgespalten wird. Der Familienname des höchsten Amtsträgers der Republik sei die Bezeichnung für einen Waldarbeiter, der Holz in Holzkohle verwandle. Sein Vorname Horst bedeute ein Raubvogelnest, womit die Hauptstädte Berlin und München hinreichend charakterisiert seien.
Auf seinen nächtlichen Heimfahrten lässt sich Härder von der Lyrik Hesses und Rilkes beschallen. Nur so kann man seine sprachliche Sensibilität erklären, die selbst dem scheinbar ausgelutschten Kabarett-Objekt Franken noch neue Lachreize abgewinnt. Nürnberg, die vom Obergott Allmächd beherrschte Metropole und Hauptstadt der Menschenrechte, ist hinter dieser Fassade ein perverses Pflaster. Fast jede Gaststätte biete dort Sex auf Kraut an und als Alternative Blaue Zipfel. Frankens Dialekt zeige eine deutliche kulinarische Komponente, die auf die Reinlichkeit seiner Hausfrauen hinweise. Phoneme wie Ess-trich und Baguette-Boden beweisen, dass man dort vom Fußboden essen könne. Hingegen verrate die Lautbildung Biss-off dass in Teilen dieser Provinz eine deutliche Abneigung gegen kirchliche Würdenträger herrscht. Auf das Verbum frankieren könne man stolz sein; es bedeute freimachen, erinnere also an Revolution. Wie schäbig klingen dagegen Parallelbildungen wie pol-ieren, schwab-ieren oder brem-ieren, die altfränkische Version von prämieren!
Die stärkste Währung der Welt sei der Schweizer Franken, der wie sein Name schon verrate, zweifellos in der Fränkischen Schweiz entstanden sein muss. Die Namen von Polit-Monstern wie Franco oder Frankenstein deuteten hingegen den düsteren Untergrund der fränkischen Provinz an. Auch auf den Unterschied zwischen Franken und Altbayern machte sich der Kabarettist einen Reim: In den See da geht der Bayer / der Franke geht in Baggerweiher. Mäc Härder mied diese eiskalten Alternativen und fuhr nach der gelungenen Trainingseinheit vergnügt wie sein Publikum nach Bamberg zurück.
Weitere Informationen unter www.maec-haerder.de
Weitere Artikel rund ums Walberla
Weitere Artikel zum Thema Kulturwochen
Einträge in unserem WWW-Verzeichnis zum Thema Kirchehrenbach