Lissy Aumeier bei den Kirchehrenbacher Kulturwochen
KIRCHEHRENBACH (hg) - Sollte die Kirchehrenbacher Feuerwehr alarmiert werden? Denn Lissy Aumeier, die scharfzüngige Kabarettistin aus der Oberpfalz, kam wie alle Jahre wieder ins vollbesetzte Gasthaus Sponsel diesmal mit einem vorweihnachtlichen Programm. Sie brachte ein kleines Orchester mit vielen Instrumenten mit Violine, Hackbrett, Zither dazu die passenden Virtuosen, ihre Mutter, und ihren Mann. Der stammt aus dem Osten, den hats damals billig gegeben! stellt sie ihn vor. Er kam auch gleich zum Einsatz und verlas die Weihnachtsgeschichte auf Sächsisch. Dabei verwandelt sich der der Kaiser Augustus in einen Staatsratsvorsitzenden, dessen Dekret zur Volkszählung eine Völkerwanderung auslöst wie einst die Öffnung der Mauer. Die Hirten auf dem Felde sind Tierschutzbeauftragte, die einem Kollektiv zur Fleisch- und Wollproduktion angehören. Die Erscheinung der Engel geht in dieser leicht überdehnten Story mit ihren manchmal etwas erzwungen wirkenden Sprachgags in eine Revue von Jahresendflügelfiguren, so der offizielle Terminus der DDR-Bürokratie über. Die Musikanten umrahmten die Lesung mit vorweihnachtlichen Liedern und Melodien, die zum Standardprogramm der adventlichen Dauerbeschallung gehören, hier aber mit besonderer Präzision und Sensibilität dargeboten wurden.
In dieses musikalische Abendprogramm streute Lissy Aumeier kabarettistische Szenen ein; Lachsalven hielten daher die feierliche Stimmung stets im Zaum. Für die kämpferische Frauenrechtlerin herrscht auch an Weihnachten kein Friede zwischen den Geschlechtern. Männer haben am Heiligen Abend die Gans nicht nur vor sich, sondern auch neben sich sitzen. Nach wie vor gilt in der Ehe die Arbeitsteilung: Ich bin verheiratet und Du bist glücklich. Auch an den Tagen des Hochfestes herrscht bei der spätbarock gebauten Lissy metaphysische Verzweiflung. Sie ist zu dick für den Himmel und passt nicht durchs Ozonloch. Aber ein Hoffnungsstern ist aufgegangen: die Zeit arbeitet für sie. In einer Epoche des radikalen Schlankheitswahns setzt die Kabarettistin ihren diesmal in ein züchtiges, aber die einmaligen Formen betonendes Dirndl gehüllten Körper als satirische Waffe ein. Spieglein, Spieglein an der Ecke / Wer ist im Land die schönste Schnecke? befragt sie den fränkischen Zauberspiegel. Geh zur Seite Ich kann nichts sehen! tönt es aus dem Glas. Und wenn ihr Mann sie nervt, stellt sie sich nackt vor das Möbelstück und sagt zu ihrem Ebenbild: Das gönn ich ihm!
Doch das Abendprogramm enthielt auch viel Trost für die gequälte fränkische Volksseele, die in den letzten Wochen erfahren musste, wie eine bajuwarische Revolution in München ihre Vertreter aus den Regierungsämtern kippte. Lissy Aumeiers Heimatstamm, die Oberpfälzer, ist noch schlimmer dran als die Franken. Bei uns ists kälter, umso mehr saufen wir! Der Unterschied zwischen einer Beerdigung und einer Hochzeit lässt sich in dieser Provinz für Volkskundler leicht erfassen: bei letzterer gibt es einen Besoffenen mehr. Und ein volkstümliches Vorweihnachtslied dichtete sie um: Advent, Advent / ein Berwurz brennt / Eins, zwei, drei, vier / Dann hauts Dich mit der Birn an die Tür. Ansonsten benutzen die Oberpfälzer ihren Kopf, um ihn auf die Eisenbahnschienen zu legen. Nicht aus Selbstmordabsicht, sondern um zu lauschen, ob der Personennahverkehr zwischen Neumarkt und Regensburg noch funktioniert.
Lissy Aumeier erwies sich an diesem Abend als versierte Dame des Show-Business. Sie recycelte alte Gags und bettete sie geschickt in zur Jahreszeit passende musikalische Kontexte ein. So entstand ein auf vorweihnachtliche Betriebsfeiern perfekt zugeschnittenes Programm der gekonnten Resteverwertung!
Weitere Informationen unter www.lizzy-aumeier.de
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