KIRCHEHRENBACH (hg) - "Viele Männer würden von zu Hause weglaufen, wenn Sie wüßten, wie man einen Koffer packt." Lissy Aumeier, die nun seit 2005 zum dritten Mal hintereinander in Kirchehrenbach im Gasthaus Sponsel auftrat, spricht aus Erfahrung. Sie kennt sich aus in der Mentalität und der Anatomie der beiden Geschlechter. Sie weiß: den perfekten Mann gibt es nur in Heiratsanzeigen. Männer wollen stets kluge Frauen. Kein Wunder, Gegensätze ziehen sich an. Doch das spätbarocke Fleischpflanzerl aus der Oberfpalz, das im textilknappen schwarzen Abendkleid auftritt, perzifliert auch den eigenen Amazonenstamm.
Frauen, so vermutet sie, leben länger, weil sie nicht mit Frauen verheiratet sein müssen. Warum gehen der Bundeswehr die Männer aus? Schlechtes Essen und Demütigungen gibt es auch im eigenem Heim. Sich selbst schont die Kabarettistin, die erfolgreich das Image der Skandalnudel vom Faschingszug abgelegt hat, ebenfalls nicht. Sie bietet sich als lebendige Demonstration eines "Gammel-Fleisch-Skandals" an. Sie weiß: "Lissy, Du kommst nicht in den Himmel!" Der Grund sind nicht ihre schamlosen Witze, sondern: "Ich bin zu dick, ich pass nicht durchs Ozonloch." Immer wieder wird ihr die Frage gestellt: "Wie kommt man zu einem solchen Körper?" Sie verweist auf die Sekundärtugend der Disziplin. Man muss höllisch aufpassen, denn man nimmt allzu schnell ab. Die Verwendung von Appetitzüglern hält sie für problematisch. In ihrer Heimat, der Oberpfalz, würden zu diesem Zweck Männersocken benutzt. Lissy Aumeier erzeugte, eben dem Grippe-Krankenbett entsprungen, im bis auf den letzten Platz besetzten Wirtshaus ein Feuerwerk an Gags, Sprachspielen und Wortwitzen.
Trotzdem kam sie zunächst nur bei einem Teil des Publikums an. Die Technik streikte, die Akustik war übersteuert, einige Tische blieben im toten Winkel. Entnervt wollte die konditionell geschwächte Komödiantin schon aufgeben. Da geschah das Wunder des zweiten Atems; sie legte mit plötzlich neu erwachenden Kräften los und riss das Publikum in sich steigernde Ovationen hinein. Jetzt jonglierte sie mit Begriffen wie Monotonie und Monogamie, verwechselte Protestantismus und Prostituion, verzichtete auf eine Eigenurin - Therapie, die lediglich eine "Geschmackssache" sei und zog Tee und Kräuterschnaps aus dem Hause Sponsel vor.
Nun jagten sich die Einfälle. Inspiriert erkannt sie die Synthese aus Mc Donald und dem Deutschen Fußballbund: das wandelnde Fleischgebirge Rainer Callmund. Die US-Präsidentenfamilie Bush verlockte sie zu einem Ausflug in die amerikanische Frühgeschichte. In mythologischen Zeitaltern müsse es zu intimen Kontakten zwischen Cowboys und Büffeln gekommen sein. Sie erinnerte daran, dass Kopfschmerz das am häufigsten gebrauchte Verhütungsmittel seit 8000 Jahren sei und stellte eine neue Definition von Demokratie in den Raum: Nicht sagen, was Dir gesagt wird! Als sie im Finale lustige Episoden aus ihrer traurigen Oberpfälzer Kindheit im schwarzen Ghetto von New Market erzählte, war der Applaus nicht mehr zu bremsen.
Informationen zu den Kulturwochen unter www.gasthaus-sponsel.de
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