FORCHHEIM (ad) - 19 Mann, 12 Keller, 8 Biere ... und nur 5 Stunden Zeit. Ein Marathon der besonderen Art, der seit vielen Jahren von den Musikern von tERROR FUNk mISsion und INSERT COIN sowie dem Team des Neuen Wiesentboten veranstaltet wird. Ergänzt wird die Truppe durch ein paar Gäste - seit 2 Jahren ist Schwanen-Wirt Uwe Koschyk dabei, heuer zum ersten Mal Bernd Schroll (Route 102 Truckpromotion). Von Uwe stammt auch das Motto des diesjährigen Tests: "Auch viele kleine Schlucke führen zu einem Rausch!". Wie wahr.
Vorbereitungen
Letztes Jahr startete die Veranstaltung auf den unteren Kellern, also war heuer wieder - als "oberster" Keller - der Blümleins-Keller der Ort der "Vereidigung". Organisationsleiter Charlie Pichl erläuterte routiniert das Prozedere: "Mir desdn auf Gschmack, Demberadur und Schaum. Vergebm dun mer Schulnoten, der Gschmack zähld zwaamol." Alles klar? Alle Teilnehmer versprechen mehr oder weniger feierlich, möglichst unvoreingenommen zu testen und sich nicht gegenseitig zu beeinflussen. Und dann kommen auch schon die ersten Maßen "Eichhörnla": Auf gehts. Der Messgerätepark besteht aus Charlies Weinthermometer und heuer erstmal auch einem Trinkglas: bei Steinkrügen kann man die Farbe nicht begutachten.
Objektivität?
An dieser Stelle ein Wort zur "Objektivität" oder "Relevanz" der Bierprobe. Unsere jährliche Bierbrobe ist natürlich ein Schnappschuss, eine Momentaufnahme: "So empfanden wir das zu dieser Zeit auf diesem Keller". Mit der nächsten Bierlieferung kann alles ganz anders aussehen, und überhaupt: De gustibus non est disputandum. Man möge die Bierprobe daher vielleicht eher als Anregung zu eigenen Expeditionen ins Bierreich ansehen.
Kulinarisches: Ein Tipp
Gleich nach den ersten Stationen zeigt sich ein bekanntes Phänomen: Man braucht was zum essen. Zum einen entfaltet sich die appetitanregende Wirkung des Hopfens, zum anderen ist eine ordentliche Unterlage von Vorteil. Nun, die Auswahl ist geradezu riesig, aber eine Spezialität möchten wir doch herausstellen. In diesem Jahr ist erstmalig eine Ochsenbraterei auf dem Annafest - hoffentlich kommen die Jungs nächstes Jahr wieder. So ein Ochsenbraten schmeckt einfach fantastisch! Ob klassisch mit Blaukraut und Kloß oder in der "fast-food"-Variante "Ochs im Brödla": Das muss man probiert haben. Mahlzeit.
Sportliches: Noch ein Tipp
Zu jedem anstrengenden Betätigung gehört ein Ausgleichssport - jahrelang war daher der Besuch der Spickerbude ein festes Ritual. Heuer aber gabs auch im sportlichen Bereich was Neues: Haut den Lukas. Ein Heidenspaß! Geschafft hats keiner (Dave Scholler war nahe dran), aber auch der Schausteller selbst nicht der uns eigentlich zeigen wollte wies geht. So bekamen alle den Trostpreis - eine kleine Plastiktröte welche im Mund von vergnügungsüchtigen Biertestern einen Mordslärm macht. Jessas ...
Grundsatzdiskussionen
Mittlerweile sind wir auf dem Greif-Keller angelangt und bei einigen setzt der Annafest-Blues ein. Auslöser: Das Musikprogramm, welches mittlerweile nur noch wenige fränkische Elemente enthält. Keine Frage: Die Showbands und Cover-Rockbands a la Gunzendorf haben die Blaskapellen weitgehend verdrängt und damit den Charakter des Festes nachhaltig verändert. Negativ? Heftige Diskussionen werden geführt, sind doch die Musiker vom Schröder Show Sextett unter den Biertestern. Es zeigt sich ein seltsames Phänomen: Je "härter" der Rocker desto mehr bevorzugt er fränkische Klänge auf einem fränkischen Fest. "Mr. Banz Blues" (Keller Mountain Blues Band) vermutet: "Des lichd om aldä ...".
Die Stimmung steigt
Die eingangs erwähnten "viele kleine Schlucke" (oder heißt es auf fränkisch "Schlüggä"?) tun ihre Wirkung uns so fällt die Testmannschaft munter trötend auf dem Rappenkeller ein. Wirt Andreas ist auch schon gut drauf, und Charlie Pichl tätowiert ihm ein unanständiges Bild auf den Oberarm. "Mir sin nie unnä die erschdn" beschwert sich die Wirtin - was so nicht stimmt, denn Löwenbräu hat letztes Jahr einen respektablen zweiten Platz errungen. Dennoch sei an dieser Stelle erwähnt, dass wir auf dem Rappenkeller von allen Kellern am freundlichsten aufgenommen wurden. Die Wirtin spendiert uns auch heuer wieder tief hinten im Felsenkeller einen Haselnussschnaps "obwohl i euä Bewertungen scho glesn hob". Tja, wir sind eben unbestechlich. So bedanken wir uns traditionsgemäß mit einem "Leise kommt der Rausch" und rüsten uns zum Endspurt - es fehlen noch drei Stationen. Uff.
Wiedersehen
Am Winterbauer-Keller eine der typischen Szenen, für die das Annafest bekannt ist: Wir treffen einen alten Schulkameraden, den es in die Fremde verschlagen hat. Hans Adams ist aus Leverkusen zu Besuch hier und freut sich ebenfalls über das Wiedersehen, sind doch mehrere alte Freunde unter den Biertestern. Hans ist bekannt für seine gewaltigen Kräfte, und so nimmt er denn gleich mal "Doc" Zöbelein auf den Arm. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, er hebt ihn einfach hoch ... . Alte Anekdoten werden erzählt, Biere werden getrunken, Annafest wie es leibt und lebt.
Das Ergebnis
Schluss, das wars, und wir schleppen uns nochmal aufwärts zum Blümleins-Keller, um die Ereignisse des Abends noch einmal Revue passieren zu lassen. Wir fangen auch mit der Auszählung an, aber das wird heute wohl nix mehr. Das folgende Ergebnis wurde am nächsten Tag in völliger Nüchternheit ermittelt ...
Große Überraschung: Auf dem Siegertreppchen gab es nur marginale Veränderungen.
Der dritte Platz
Leichter Punktverlust gegenüber dem letzten Jahr: Löwenbräu Buttenheim, mit den beiden Kellern Rappenkeller und Schaufel-Keller. Aber immer noch unter den ersten Drei, und ausschlaggebend war der Rappen-Keller. Liebe Woites, ist das nix?
Zweiter Platz
Der letzjährige Dritte diesmal an zweiter Stelle: Die Brauerei Greif aus Forchheim, mit den Kellern Greif-Keller und Schindler-Keller. Wobei das gute Ergebnis dem Schindler-Keller zu verdanken ist - ganz nahe am Spitzenreiter.
... änd se winner is scho widder ....
Erster Platz: Brauerei Eichhorn
Selbes Ergebnis wie im letzten Jahr, ebenfalls wieder mit weitem Vorsprung. Eichhorn-Keller und Blümlein's Keller setzen Maßstäbe, wobei der Eichhorn-Keller nur wenige Punkte vor Blümlein liegt: Der Geschmack wurde marginal besser bewertet. Warum? Wir wissen es auch nicht. Egal: Die Brauerei Eichhorn kann sich über den zweiten Sieg in Folge freuen. Glückwunsch!
Die Redaktion des Neuen Wiesentboten bedankt sich im Namen aller Teilnehmer bei allen Wirten, die ohne Ausnahme äußerst freundlich und zuvorkommend waren. Und das nach fast einer Woche Festbetrieb. Das ist uns einen Extra-Applaus wert - die Krüge hoch! Alladoch! die Krüge hoch! Alladoch! die Krüge hoch! Alladoch!
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