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Berichte: Kino made in Forchheim: Kari Hennigs neues Werk

Datum: Montag, 03. Dezember 2001, 17:19
Rubrik: Kultur

Anklicken zum VergrößernDer gute alte Steven Spielberg wird sich in Zukunft warm anziehen müssen. Nein, im Ernst: Nach dem Drama "Game of Life" und dem Klondrama "Geneddon" präsentiert Jungregisseur Kari Hennig (25) am nächsten Samstag im Erlanger CineStar der Welt sein neuestes Werk mit dem sprechenden Titel "Augenlicht". Nach eigenen Worten ist der Spielfilm der bisher ehrgeizigste der Filmgruppe "Fou Pictures", die in technischer Zusammenarbeit mit der Forchheimer Firma M+M Multimedia wirklich sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt hat, um ihr jüngstes Projekt so professionell als nur möglich zu gestalten.

(Katja Gäbelein)

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Erfolgreicher Regisseur

Dabei hat Kari Hennig auch schon in der Vergangenheit durch seine Arbeit auf sich aufmerksam gemacht und damit zahlreiche Preise eingeheimst, unter anderem den "Bayerischen Löwen" des BDFA (Bund deutscher Filmamateure) für den besten Schnitt und die beste Regie bayernweit. Außerdem hat das Team die Jufinale Oberfranken der BLM (Bayerische Landesgemeinschaft neue Medien) gewonnen und beim Wettbewerb "Jugend Filmt" den Preis für die beste Regie bundesweit erhalten. Kurz und gut: Kari Hennig, der hauptberuflich als Kameramann und Videoproduzent bei M+M Multimedia angestellt ist, ist alles andere als ein Anfänger. Sein größter Traum jedoch, wie könnte es anders sein, ist ein Studium an der Filmhochschule, um später als professioneller Regisseur und Drehbuchautor arbeiten zu können. Aber da aufgenommen zu werden ist bei 1000 Bewerbern auf gerade mal 5 Plätze im Jahr alles andere als einfach- Beziehungen muss man eben haben.

Großes Engagement aller Beteiligten

Aber die lassen bei so viel Engagement bestimmt nicht mehr lange auf sich warten: über ein Jahr ist verstrichen seit Kari Hennig mit der Arbeit an seinem selbst verfassten Drehbuch begonnen hat, mit Vorproduktion, Produktion und Nachproduktion bei insgesamt 25 Drehtagen mit 20 Darstellern und zahlreichen Statisten verging die Zeit wie im Fluge. Noch wenige Tage vor der Premiere schiebt das 25köpfige Technikteam Nachtschichten, um auch die letzten kleinen technischen Mängel wie störendes Rauschen auszumerzen.

Anklicken zum Vergrößern Allein 5-6 Wochen intensive Arbeit brauchte es, bis der 23jährige Claus Friedrich den von ihm eigens für "Augenlicht" komponierten Soundtrack fertigstellen konnte. Nachdem er den Rohschnitt des Filmes durchgesehen hatte, begann er zunächst zu Hause am Klavier mit den ersten Kompositionen. Mit Hilfe des Musikprogrammes CUBASE wurden dann die Klavierspuren durch synthetisch eingespielte Streicher unterstützt. In zahllosen weiteren Arbeitsschritten spielte man schließlich im Studio reale Streicher, sowie Gitarre und Querflöte ein und doppelte die Instrumente teilweise per Computer, so dass dem Zuschauer nun aus den Kinolautsprechern ein ganzes, wenn auch synthetisch unterstütztes, Orchester entgegenschallt.

Kooperative Firmen in der Region

Insgesamt hatte das Team im Laufe der Dreharbeiten mit mannigfaltigen Problemen zu kämpfen: Ein riesiger organisatorischer Aufwand war nötig, um genug Sponsoren für den unkommerziellen Film aufzutun, die passenden Drehorte zu finden und dann auch noch die Erlaubnis zu bekommen, dort ohne Bezahlung drehen zu dürfen. Glücklicherweise zeigten sich viele Firmen und Einrichtungen im Großraum Nürnberg großzügig. So wurden beispielsweise die Krankenhausszenen von "Augenlicht" in einer noch nicht in Betrieb genommenen Station der EuroMed Klinik Fürth abgefilmt. Die Schauspieler, teilweise Fernseh- Profis, sowie das Technikteam hinter der Kamera, setzten ihre Künste natürlich völlig freiwillig und unentgeltlich ein. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb kamen auf beiden Seiten Leistungen zustande, die sich, im wahrsten Sinne des Wortes, wirklich sehen lassen können.

Worum geht es in "Augenlicht"?

Anklicken zum Vergrößern Der 20jährige Jürgen (Matthias Arend) ist seit seiner Geburt blind. Doch nun soll sich sein Leben schlagartig verändern: Durch eine revolutionär neuartige Operation, bei der ihm ein biotechnischer Mikrochip eingepflanzt wird, soll sein Augenlicht wiederhergestellt werden. Unter der Leitung der engagierten, aber zu ehrgeizigen Ärztin Christine Krüger (Ines Marie Jaeger) scheint die Operation gelungen- eine medizinische Sensation.

Zusammen mit Jürgen erlebt der Zuschauer seine Anpassung an die Welt der Sehenden, die sich, nach einer ersten Euphorie, als äußerst schwierig darstellt. Seine große Freude darüber, Eltern, Freunde und alles, wovon die "normalen" Menschen so selbstverständlich reden, endlich selbst sehen zu können, macht bald einer ebenso großen Ernüchterung Platz. Jürgen schafft es noch nicht, seinen Alltag zu meistern, kein Wunder: Zwar weiß er, wie sich alle Dinge anfühlen, aber wie sie aussehen, weiß er nicht. Gar nicht so einfach, einen Briefkasten auch als solchen zu erkennen. Auch das Lesen und Schreiben muss er ganz neu lernen. Jürgen fühlt sich, trotz Therapie, noch immer als unselbständiger Krüppel und behandelt seine Eltern und Freunde immer ungerechter, weil er mit sich selbst unzufrieden ist.

Anklicken zum VergrößernMit ganz anderen Problemen hat Jürgens bester Freund Roland (PasQuale Voggenhuber) zu kämpfen. Er, der Jürgen zu seinem Operationstermin verholfen hat, sieht sein ganzes Leben den Bach hinunter gehen, verliert seinen ohnehin miesen Job in einer Imbissbude, gerät in Drogenprobleme, kurz, fühlt sich als totaler Loser, während es mit dem Leben seines Freundes scheinbar steil bergauf geht. Als ihm Jürgen auch noch seine Freundin Julia (Dorothea Kirschner) ausspannt, an der Roland sehr hängt, kommt es zum Eklat ...

Mehr wird erst bei der Premiere verraten.

Rundum gelungen

Kari Hennig ist ein sensibler Film über eine ungewöhnliche Thematik gelungen, die gewiss nicht nur Jugendliche anspricht. "Augenlicht" ist die Geschichte einer Freundschaft und darüber, dass eine Behinderung auch immer eine Chance sein kann, und dass "Sehen" keinesfalls "alles richtig sehen" bedeuten muss. Die Schauspieler setzten das Drehbuch einfühlsam in die Tat um, so dass die emotionale Handlung nicht an den Rande des Kitsch gerät, denn gerade den jugendlichen Darstellern liegt jede Künstlichkeit fern. Matthias Arend und Pasquale Voggenhuber verkörpern ihre beiden teilweise zwiespältigen, schwierigen Charaktere gekonnt, und Matthias Arend und Kathrin von Steinburg, die Jürgens blinde Freundin Katrin mimt, merkt man im Film kein bisschen an, dass sie im wirklichen Leben ihre ganz normale Sehfähigkeit besitzen.

Auch die Kameraführung trägt zur geglückten Illusion bei: So kann der Zuschauer durch die teilweise angewandte schattenhafte, verschwommene Schwarz-Weiß-Perspektive die Stationen von Jürgens allmählicher Sekraftverbesserung miterleben. Den letzten Schliff jedoch verpasst dem Film der von Claus Friedrich komponierte Soundtrack. Die ruhige, orchestrale Musik fängt die Gesamtstimmung des Films mit sicherem Gespür ein und verstärkt ihre positive Wirkung so noch. Das Zusammenspiel von Regisseur, Schauspielern, Ton und Technik machen "Augenlicht" zu einem Film, bei dessen Beschreibung man den Zusatz "semi" vor dem "professionell" getrost vergessen darf.

Bleibt nur noch zu sagen:
Karten kaufen! (Tabakladen Forchheim, CineStar Erlangen)
Anschauen! (Samstag, 08.12.01 um 20.15 Uhr und Sonntag, 09.12.01 um 15.00 Uhr jeweils im CineStar Erlangen)

Und für alle, die alles noch ein bisschen genauer wissen wollen: www.augenlicht-derfilm.de

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