Pfalzmuseum Forchheim: Klosterausgrabungen

Von Slawen und Sklaven…

Pfalzmuseum Forchheim: Große Sonderausstellung für 2018 geplant: Archäologen stellen Ergebnisse der Ausgrabungen im Kloster vor

Von einem „großartigen Coup“ sprechen Archäologen selten, wenn sie von Ausgrabungen berichten, zumal, wenn es sich um sogenannte „Notgrabungen“ im Zuge einer Baumaßnahme handelt. Genau diese Worte aber wählte ein sichtlich begeisterter Dr. Andreas Büttner, Referatsleiter für Bodendenkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege Schloss Seehof, als er von den ersten Ergebnissen der Klosterausgrabungen in Forchheim berichtete.

Baumaßnahmen auf dem Areal des ehemaligen Klosters St. Anton führten 2013/14 zu umfangreichen archäologischen Ausgrabungen. Untersucht wurde eine Fläche von ca. 3600m². Es handelte sich dabei um die bislang größte Ausgrabung im Forchheimer Stadtgebiet und eine der größten Stadtkerngrabungen in Oberfranken.

Die Baustelle im ehemaligen Redemptoristenkloster versprach zunächst nicht viel an archäologischen Funden, war der historische Platz doch ursprünglich ein außerhalb der eigentlichen Stadt gelegenes Gelände. Doch dann die erste Sensation: Schon bald fanden sich reichhaltige Funde karolingischer Keramik. Schon während der Ausgrabung wurde klar, dass es sich hier um herausragende Befunde und Funde handelt, insbesondere im Hinblick auf Forchheims Bedeutung im Frühmittelalter. Zudem konnte eine Siedlungskontinuität von der Steinzeit bis hin zur Neuzeit nachgewiesen werden.

Gerade die günstige Lage an den Wasserwegen der Wiesent und der Regnitz machte Forchheim zu einem bedeutenden Handelsplatz mit einer besonderen Rolle als einer von 14 Grenzhandelsorten, die von der Ostsee bis nach Österreich verteilt waren. Die Archäologen fanden eindeutige Zeugnisse slawischer Anwesenheit, führte Prof. Ingolf Ericsson vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg weiter aus. Die Archäologen entdeckten sogar Objekte aus dem Rheinland. Insgesamt konnte eine umfangreiche Bebauung am Ostufer der Wiesent aus dem frühen Mittelalter und der Karolingerzeit nachgewiesen werden – Lagerhallen verschiedener Größen und gehäuft slawisches Fundmaterial. Die Vor- und Frühgeschichte wird durch Pfostengruben und umfangreiches Fundmaterial (Linienbandkeramik, Bandkeramik) repräsentiert. Bei den Arbeiten habe sich auch die Frage gestellt, wo genau die Wiesent in früherer Zeit verlief. Weitere Grabungen bzw. Bohrungen sind noch im Herbst dieses Jahres geplant.

Erfreulich sei für die Universität, dass sich im Zuge der Recherchen Material für eine Dissertation und drei Masterarbeiten ergeben habe: Neben der Aufarbeitung des „spektakulären Fundmaterials“ befassen sich die Forscher sich mit einem Skelett, das möglicherweise aus der frühen Neuzeit oder aus mittelalterlicher Zeit stamme und vielleicht sogar eine kriminologische Geschichte habe.

Die Grabungsergebnisse werden zurzeit in interdisziplinärer Zusammenarbeit ausgewertet: vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Pfalzmuseum Forchheim und der Archäologischen Staatssammlung München. Besonders wichtig ist den Wissenschaftlern die Vermittlung der Ergebnisse an die Öffentlichkeit: Die Funde sollen so schnell wie möglich wissenschaftlich ausgewertet werden und „nicht in den Regalen in Schloss Seehof verstauben!“, betonte Büttner. Ein populärwissenschaftliches Begleitheft mit vielen Bildern und Einblick in die Stadtgeschichte ist in Arbeit.

Das Team des Pfalzmuseums Forchheim beschäftigt sich parallel dazu zusammen mit der Archäologischen Staatssammlung München mit dem Ausstellungskonzept für die große Sonderausstellung in 2018: Die stellvertretende Museumsleiterin und Archäologin Christina König erläuterte die Pläne: So ist eine rückwärtsgewandte Chronologie vorgesehen, das bedeutet, der Besucher wird Schritt für Schritt von der Gegenwart in die Vergangenheit geführt. Am Anfang der Ausstellung werden Informationen zu der Ausgrabung auf dem Klosterareal und zu der Arbeit der Archäologen stehen.

Nachfolgend wird die wechselvolle Geschichte des Klosters beleuchtet, die mit dem Franziskanerorden 1683 beginnt und nach einer Unterbrechung durch die Säkularisation mit dem Redemptoristenorden 2013 endet. Vor der Gründung des Klosters befanden sich im Spätmittelalter auf dem Areal im Wesentlichen zwei große Höfe, der Glockenhof und der Schottenhof, die auch in den Schriftquellen erwähnt werden. Im Hochmittelalter lässt sich keine genaue Parzellierung der Bebauung feststellen, auffällig in dieser Epoche ist allerdings ein drei- bis vierschiffiger Pfostenbau mit eingestellter, halbrunder Struktur.

Neben der Präsentation der Originalfunde, die auch zwei Sonderbestattungen beinhalten, sollen zur Verdeutlichung Inszenierungen wie beispielsweise Figurinen (Sklavenhandel in karolingischer Zeit), die Replik eines Einbaums, Modelle der Bebauung und Grafiken gezeigt werden. Ziel der Ausstellung ist es, die Besucher über die wechselvolle Geschichte des Klosterareales zu informieren, die überregionale Bedeutung Forchheims im Frühmittelalter zu zeigen und Geschichte für den Besucher gerade auch durch Modelle, Inszenierungen, Grafiken und Repliken erlebbar, spannend, lebendig und verständlich werden zu lassen.

Die für das Pfalzmuseum Forchheim „sehr, sehr wichtige“ Ausstellung, so Museumsleiterin Susanne Fischer, wird in etwa 30 000 Euro kosten. Vorträge, Führungen und Workshops sollen die Sonderschau ergänzen. Sponsoren müssen noch gefunden werden und auch noch ein griffiger Titel: Zündende Ideen werden gerne entgegengenommen…

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