Sensationelle Entdeckung eines seltenen Spechts in Oberfranken

Erster Blutspecht in Deutschland nachgewiesen

Art breitet sich aus – Weitere Sichtungen bitte dem LBV melden

Zum ersten Mal wurde ein Blutspecht in Deutschland eindeutig nachgewiesen. Der Erstnachweis erfolgte in einem Garten im Landkreis Kronach in Oberfranken. Der Blutspecht, der normalerweise in Südosteuropa zuhause ist, ist sehr leicht mit dem bei uns häufigen Buntspecht zu verwechseln. Im Zuge der Stunde der Wintervögel kamen einer aufmerksamen Vogelfreundin bei genauerer Betrachtung eines vermeintlichen Buntspechts jedoch Zweifel. Deshalb schickte sie dem LBV auf dessen Facebook-Fanseite ein Foto mit der Bitte um Identifizierung. Schnell waren sich die Naturschützer einig, dass es sich dabei tatsächlich um einen artreinen Blutspecht handeln muss, da auch Hybride mit dem Buntspecht möglich sind.

Die erste deutsche Blutspecht-Dokumentation deckt sich mit der Vorhersage europäischer Ornithologen. Demnach ist der Specht eine wärmeliebende Art, die sich in den nächsten Jahrzehnten von Südosteuropa nördlich und westlich nach Mitteleuropa ausbreiten wird. „Wir erwarten, dass der Blutspecht in Zukunft auch öfter mal bei uns auftreten wird“, so der LBV-Ornithologe Dr. Thomas Rödl. Nur 50 Kilometer Luftlinie entfernt gibt es bereits Brutnachweise in Tschechien. Die Naturschützer rufen deshalb alle Bayern dazu auf, zukünftig beim Blick in den Garten die Augen offen zu halten und Fotos von möglichen Blutspecht-Sichtungen per Email an die Naturschützer zu schicken unter lbv-infoservice@lbv.de. Dabei kann ein wichtiges Bestimmungsmerkmal für den Blutspecht jeder Vogelfreund ganz einfach selbst erkennen: „Im Gegensatz zum Buntspecht fehlt beim Blutsprecht der schwarze Streifen zum Nacken“, erklärt der LBV-Wissenschaftler. Genau das war auch der Kronacher Vogelfreundin aufgefallen.

Auch wenn sich durch die Veröffentlichung bei Facebook schon einige Vogelbeobachter aus ganz Deutschland sofort auf den Weg nach Oberfranken gemacht haben, ist es aus Sicht des LBV unökologisch, wenn nun Vogelliebhaber aus halb Europa dorthin pilgern, nur um den Vogel zu sehen. Genau dies passiert derzeit in Holland mit einem Rubinkehlchen. „Wir verstehen das Interesse an diesem besonderen Vogel, aber die ökologische Belastung durch eine weite Anfahrt steht dabei in keinem Verhältnis zum Nutzen der Beobachtung“, so Thomas Rödl. Außerdem weist der LBV ausdrücklich darauf hin, dass der erste deutsche und somit auch der erste bayerische Blutspecht-Nachweis noch so lange vorbehaltlich ist, bis eine Anerkennung durch die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) erfolgt ist.

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