Sozialbesuch bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Die beiden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge Mahamed und Filimon, die Leiterin der Sozialverwaltung Angela Trautmann-Janovsky, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler sowie die Leiterin der Wohngemeinschaft Puerto in Bayreuth Madeleine Nordhaus.

Die beiden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge Mahamed und Filimon, die Leiterin der Sozialverwaltung Angela Trautmann-Janovsky, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler sowie die Leiterin der Wohngemeinschaft Puerto in Bayreuth Madeleine Nordhaus.

Bezirkstagspräsident besucht Einrichtung in Bayreuth – Die Frage nach der Perspektive

Im Rahmen seiner Sozialbesuche war Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in der Wohngemeinschaft Puerto in Bayreuth zu Gast. In der besuchten Einrichtung werden zehn männliche Jugendliche aus Eritrea und Somalia von den Fachkräften des Vereins Condrobs e.V. betreut. Dr. Denzler drückte bei seinem Besuch sein Unverständnis darüber aus, dass die jungen Menschen teils weit über ein Jahr auf ihre Anerkennung warten müssen. „Nach den oft traumatischen Erlebnissen auf der Flucht brauchen die Jugendlichen vor allem eine Perspektive“, so der Bezirkstagspräsident.

Es war ein eindrucksvolles Gespräch, das Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler in Begleitung der Leiterin der Sozialverwaltung des Bezirks Oberfranken, Angela Trautmann-Janovsky, mit den jungen Flüchtlingen führte. Madeleine Nordhaus, erfahrene Sozialpädagogin und Leiterin der Einrichtung im Bayreuther Stadtteil Altstadt, stellte zuvor das Haus vor und skizzierte den Tagesablauf der zehn unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. „Wir versuchen in den vollstationären Wohnformen eine Umgebung des Vertrauens und der Wertschätzung zu geben. Die Jugendlichen kommen teilweise traumatisiert und mit psychischen Belastungen bei uns an“, beschreibt Madeleine Nordhaus die ersten Eindrücke bei der Aufnahme.

Viele der Minderjährigen leben nun jedoch bereits seit über einem Jahr in Deutschland, so auch Mahamed aus Somalia und Filimon aus Eritrea. Zunächst in Einrichtungen im Süden Bayerns, ehe sie über die Jugendhilfe nach Bayreuth verteilt wurden. Hier besuchen sie derzeit eine Übergangsklasse an der staatlichen Berufsschule. „Ich möchte eine Maurer-Lehre anfangen“, erklärt der inzwischen 19-jährige Mahamed in fast akzentfreiem Deutsch. Danach wolle er vielleicht weitermachen und später studieren. Zehn Jahre sei er in seinem Heimatland zur Schule gegangen, ehe er aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land geflüchtet sei. Seine Familie und seine Geschwister musste Mahamed zu Hause zurücklassen.

„Wir müssen den jungen Menschen hier eine Perspektive bieten. Ohne eine geregelte Tagesstruktur und die Möglichkeit einer Weiterbildung verlieren die Jugendlichen schnell die Zuversicht“, zeigt Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler sein Unverständnis gegenüber der langen Wartezeit auf eine Anerkennung. Die Chancen auf ein zeitlich befristetes Bleiberecht stünden für Mahamed und Filimon aufgrund ihrer unsicheren Herkunftsländer nicht schlecht, beschreibt Madeleine Nordhaus. Doch hätten selbst nach eineinhalb Jahren in Deutschland bisher noch keine Interviews mit den beiden Asylbewerbern stattgefunden. Diese bildeten jedoch die Grundlage für ein Anerkennungsverfahren.

Trotz des vorherrschenden Fachkräftemangels und den freien Lehrstellen im Handwerk können die jungen Flüchtlinge keine Ausbildung beginnen, obwohl sie dazu große Bereitschaft zeigen und schnell die deutsche Sprache erlernt haben. „Welcher Lehrbetrieb nimmt schon einen Auszubildenden dessen Status nicht geklärt ist und der Mitten unter der Ausbildungszeit wieder abgeschoben werden könnte?“, stellt Madeleine Nordhaus die entscheidende Frage. Auch deshalb unterstützt Bezirkstagspräsident Dr. Denzler die Initiative des oberfränkischen IHK-Präsidenten Heribert Trunk. Dieser macht sich für das Modell 3+2 stark, wonach unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen eine Ausbildung und im Anschluss noch ein auf zwei Jahre befristetes Arbeitsverhältnis ermöglicht werden soll. Jedoch müssten dazu noch einige gesetzliche Rahmenbedingungen verändert werden.

Dr. Günther Denzler dankte zum Abschluss dem Verein Condrobs e.V. und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihren Einsatz bei der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Es sei für die jungen Menschen nicht leicht, Familie und Heimat hinter sich zu lassen und aufgrund der großen Not in ein fremdes Land zu gehen. Gerade deshalb bräuchten sie Menschen, die sich um sie kümmern und denen sie vertrauen können. In diesem Zusammenhang dankte der Bezirkstagspräsident aber auch den vielen ehrenamtlichen Initiativen in Bayern und speziell in Oberfranken, die sich ebenfalls um die Betreuung von Flüchtlingen kümmerten.

INFO:
In Bayern wird die Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge von den Bezirken finanziert. Nach einem komplexen Verteilungsschlüssel ist der Bezirk Oberfranken jedoch nicht deckungsgleich für die in Oberfranken untergebrachten Jugendlichen zuständig, sondern die Mittel des Bezirks werden zur Finanzierung der Unterbringungskosten im ganzen Bundesgebiet herangezogen. Im vergangenen Jahr betrugen die Nettoausgaben für den Bezirk Oberfranken für 221 minderjährige Flüchtlinge rund 8,25 Mio. Euro (zum Vergleich 2009: 1,1 Mio. Euro für 61 Personen). Nach den Verhandlungen im Zuge des Kommunalen Finanzausgleichs 2016 soll die Finanzierung der Kosten für die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge ab dem 1. Januar 2016 auf den Freistaat Bayern übergehen.

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