Sonntagsgedanken: Vom Segen

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Max Beckmanns Bild: „Jakob ringt mit dem Engel“ auf S. 1540 im evangelischen Gesangbuch erklärt mir, was die Bibel mit dem häufig gebrauchten, aber unverständlichen Wort „Segen“ meint: Der durchtriebene, ja schurkische Jakob wird bei der Überquerung eines Flusses plötzlich überfallen und gewinnt den Zweikampf leicht verletzt. Er schafft es sogar, den Unbekannten seinen Segen abzutrotzen. Da begreift er, dass Gott mit ihm rang.

Auch wir müssen immer wieder so einen Fluss überqueren, einen neuen Lebensabschnitt beginnen und oft kommt es uns hart an. Da steht ein Umzug vor der Tür. Da löst sich eine Partnerschaft auf. Da verlangt eine Krankheit die Einweisung ins Hospital. Dazu brauche ich Kraft, Mut, muss Verletzungen hinnehmen, kann das Ende nicht absehen, stürze vielleicht gar in Depressionen. Doch in dieser schweren Stunde bin ich nicht dem Schicksal, irgendwelchen kosmischen Mächten, der Willkür meiner Mitmenschen ausgeliefert, sondern in all dem begegnet mir Gott. Ich kann ihn nicht immer verstehen, bin vielleicht manchmal wütend auf ihn. Aber Gott hat auch mit mir seinen Plan, er begleitet mich auf dem Weg ins Unbekannte und ich kann so wie Jakob erst im Nachhinein einsehen: Hier hat Gott mich geführt, hat in mein Leben eingegriffen, um mir eine neue Perspektive zu eröffnen.

Jakob rang mit Gott und Gott ließ sich von Jakob überwältigen. Gott ist ja kein dumpfes Schicksal. Mit ihm kann man reden, d. h. zu ihm sollen wir beten und VIELLEICHT erhört er unser Gebet. Wenn nicht, so ist und bleibt Gott der Schöpfer und es kommt mir, seinem Geschöpf, nicht zu, ihn zu beschulmeistern.

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Pfarrer Dr. Christian Fuchs, www.neustadt-aisch-evangelisch.de

Infos zu Christian Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/Aisch
  • Studium der evang. Theologie 1985 – 1990 in Neuendettelsau
  • Vikariat in Schornweissach-Vestenbergsgreuth 1993 – 1996
  • Promotion zum Dr. theol. 1995
  • Ordination zum ev. Pfarrer 1996
  • Dienst in Nürnberg/St. Johannis 1996 – 1999
  • seither in Neustadt/Aisch
  • blind

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