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Universitätsübergreifendes Symposium des Bayreuther Z-MNU und des Würzburger M!NDCenter

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Fränkische Didaktiker ziehen an einem Strang

„Getrennt marschieren, vereint forschen“ könnte heutzutage eine zeitgerechte Abwandlung des altbekannten Strategiespruches lauten. In diesem Sinne trafen sich nämlich Doktoranden/innen des Bayreuther Z-MNU und des Würzburger M!ND-Centers zu einem ersten gemeinsamen Arbeitssymposium in Würzburg, einerseits um laufende Forschungsarbeiten zu diskutieren, andererseits um die jeweiligen Drittmittelprojekte des jeweils anderen Zentrums kennenzulernen. Die ideelle Klammer war auf einer Beiratssitzung in Würzburg entstanden, dessen erster Vorsitzender Professor Dr. Franz X. Bogner vom Bayreuther Lehrstuhl Didaktik der Biologie ist. Da Professor Bogner zudem einer der beiden Geschäftsführer des Bayreuther Z-MNU, des Zentrums zur Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts ist, war es zur Umsetzung dieses gemeinsamen Doktoranden-Symposiums nicht mehr weit. Beide MINT-Didaktikzentren kümmern sich um eine Verbesserung des Unterrichts im MINT-Bereich. In der letzten Novemberwoche wurde der Plan nun verwirklicht: Das erste universitätsübergreifende fachdidaktische Symposium dieser Art bot einen sehr guten Überblick über die aktuelle Themenvielfalt und Breite der fachdidaktischen Forschung im MINT-Bereich an den Universitäten Bayreuth und Würzburg.

Ein Impuls-Referat von Professor Bogner zum Bayreuther 2-MEVModell leitete das Symposium ein. Dieses empirische Modell hat insofern bereits deutsche Didaktikgeschichte geschrieben, als erstmals überhaupt ein didaktisches Modell des deutschen Sprachraums international wahrgenommen, gegengetestet und unabhängig bestätigt wurde. Das empirische Modell erfasst jugendliches Umweltbewusstsein mit vergleichsweise wenig Items und ist daher gut im Unterrichtsgeschehen einzusetzen. Das internationale Interesse kommt aus seiner hervorragenden Einsatzmöglichkeit zur Evaluation von Schullandheimen (im englischen Sprachraum spricht man von einem Field Center). Die Entwicklung des empirischen Modells hatte mehr als ein Jahrzehnt gedauert und mehrerer Begleitstudien bedurft. Heute ist das Modell ein unersetzlicher Modulbestandteil eines komplexeren Umweltkompetenz-Modells, das auch unter dem Namen Environmental Citizenship firmiert.

Von Bayreuther Seite wurden in eineinhalb Dutzend Einzel-Postern laufende Forschungsprojekte und Promotionsstudien vorgestellt. Aus Bayreuth war man mit zwei Uni-Kleinbussen angereist, um alle Doktoranden nach Würzburg zu bringen. Die gegenwärtigen Bayreuther Projekte umfassen regionale Studien z.B. in der Wasserschule Oberfranken (in Weißenstadt), in der regelmäßig Gymnasiasten, Realschüler und Hauptschüler für meist eine Woche ins Schullandheim kommen, um das Unterrichtsthema Wassers erlebnisorientiert kennenzulernen, oder ein deutschlandweites BMBFForschungsprojekt mit dem Acronym PRiMaT, das sich des Themas Trinkwasser im MINT-Unterricht annimmt. Die meisten Bayreuther Promotionsstudien laufen jedoch im europäischen Rahmen ab, da der mit Abstand größte Forschungsgeldgeber in Bayreuth die EUKommission ist. Das derzeit wichtigste Forschungsprojekt des Bayreuther Lehrstuhls Didaktik der Biologie ist derzeit das PATHWAY Projekt, in dem 25 Partner aus Europa, Russland und den USA zusammenarbeiten. Es wird von Bayreuth aus koordiniert und geleitet. Allein innerhalb dieses Projekts laufen daher mehrere Promotionsstudien.

Das M!ND-Center ist ein Zusammenschluss der Didaktiken der MINTFakultäten an der Universität Würzburg. Es hat sich zum Ziel gesetzt, für die Lehramtsausbildung und für den schulischen Unterricht neue vielversprechende Lehr-Lern-Konzepte zu erproben, zu verbessern und letztlich geeignete zukunftsweisende Elemente fest in das Studium und den Schulalltag zu integrieren. Daher wurden ebenfalls ein Dutzend Forschungsposter des M!ND-Centers intensiv diskutiert. Ob es um die didaktische Umsetzung des Lotuseffekts ging und dabei die Rolle von oft nicht korrekten Schülervorstellungen untersucht wurde oder um die Effekte in der Lehrerausbildung, wenn Lehramtsstudenten gezielt in die Betreuung eines Schülerlabors eingebunden werden, immer stand der didaktische Mehrwert eines Unterrichts- oder Lehransatzes im Mittelpunkt. Das M!ND-Center erfreut sich einer guten materiellen und personellen Unterstützung seitens der Universität Würzburg, von der andere Universitäten nur lernen können. Lehrerbildung wird an bayerischen Universitäten zunehmend wichtig genommen, immer mehr Universitäten statten die Lehrerbildung auch entsprechend aus. Das Würzburger M!ND-Center und das Bayreuther ZMNU sind dabei Leuchttürme innovativer Lehrerbildung und daher anderen bayerischen Universitäten schlicht zur Nachahmung empfohlen.

http://www.wiesentbote.de/2012/11/28/universitaetsuebergreifendes-symposium-des-bayreuther-z-mnu-und-des-wuerzburger-mndcenter/

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